KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

KWI on Tour: 50. Deutscher Historikertag – Sektion „Herrschaft und ihre Mittlerinstanzen“

50. Deutscher Historikertag
Mit der Sektion „Herrschaft und ihre Mittlerinstanzen. Lokale Administrationen und Akteure in den deutsch besetzten Gebieten des Zweiten Weltkriegs“ war das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) am 23. September auf dem 50. Deutschen Historikertag in Göttingen vertreten. Mehr als 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden zu der unter Federführung von Tatjana Tönsmeyer, Leiterin des Forschungsschwerpunkts Europa am KWI, und Peter Haslinger, Direktor des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung, stehenden Veranstaltung.
Einführend entwickelte Tönsmeyer einen Besatzungsbegriff, der es ermöglicht, diese als eine spezifische Form von sozialer Praxis zu verstehen und dadurch zu einer differenzierten Beurteilung von Lokalverwaltungen als Mittlerstellung zwischen Besatzern und Besetzten im Europa während des Zweiten Weltkriegs zu gelangen. Mit Beiträgen zu Dänemark, der Ukraine, Griechenland und Belgien stellten dann mit Karl Christian Lammers (Kopenhagen), Tanja Penter (Heidelberg), Hagen Fleischer (Athen) und Dirk Luyten (Brüssel) vier Kooperationspartner der forschungsorientierten Quellenedition einschlägige Fallbeispiele zur Diskussion und zeigten u. a., dass einheimische Akteure gerade im Bereich der Versorgung eine wichtige Rolle spielten. Insgesamt erweisen sich die Handlungsspielräume der diskutierten Mittlerinstanzen als insgesamt zwar schmal, aber als vielschichtiger und dynamischer, als bisher von der Forschung angenommen. Nach einem abschließenden Kommentar von Dieter Pohl (Klagenfurt), der insbesondere die Wichtigkeit der gesamteuropäischen Perspektive der Sektion hervorhob, zeigte die Diskussion, dass die frühere Dichotomie von „Kollaboration“ und „Widerstand“ der unter Besatzungsbedingungen herrschenden Komplexität nicht gerecht werden kann.
Miriam Wienhold, 14. Nov 2017 15:01