KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Empörung und Zuversicht: Stéphane Hessel in der Essener Lichtburg

Stéphane Hessel
© Lichtburg Essen
Das vielleicht herausragendste Merkmal von Stéphane Hessel ist seine Zuversicht. 1917 in Berlin geboren, hat sich Hessel während seines Lebens und in seinen Büchern für vieles eingesetzt: die Einhaltung der Menschrechte, die Rechte von Flüchtlingen, die Zähmung des Kapitalismus, den Schutz der Umwelt und die Bewahrung der Demokratie. "Es ist nicht leicht und häufig empört man sich, ohne dass sich danach etwas verändert", erzählt er rückblickend, "auf diese Herausforderung muss jeder seine eigene Antwort finden". Hessel selbst wurde nie müde, sich zu empören, was für ihn bedeutet, seine Ziele und die Hoffnung nicht aufzugeben und gewaltfrei dafür zu kämpfen. Auch von Rückschlägen geprägten Verhandlungen wie dem Kampf gegen den Klimawandel begegnet Hessel mit seinem Traum, den die 1200 Zuschauer in der Essener Lichtburg mit Applaus aufnahmen: "Wir haben die Möglichkeiten unseres Menschseins noch nicht ausgenutzt. Im Gemüt des Menschen gibt es die Lust, tolerant und respektvoll zu leben. Diese Lust auf Brüderlichkeit könnte man durch eine interessantere Erziehung der kleinen Kinder wecken, anstatt sie Konkurrenz zu lehren." Für Hessel ist es keine Utopie daran zu glauben, dass die Menschen lernen, in Brüderlichkeit zusammenzuleben und so den Artikel 1 der UN Menschrechts-Charta umzusetzen.
Im Gespräch mit Hessel führte KWI-Direktor Claus Leggewie durch die verschiedenen Stationen eines ungewöhnlichen Lebensweges als Résistance-Mitglied, Überlebender von Buchenwald, Mitautor der Menscherechts-Charta der UN und als Diplomat. Gegenstand des Gesprächs waren auch die Bücher Hessels, darunter seine Autobiographie "Tanz mit dem Jahrhundert" (Arche Verlag, 2002), sein neues Buch "Wege der Hoffnung" (Ullstein, Februar 2012) und die international viel beachtete Streitschrift "Empört Euch" (Ullstein, 2011). Zum Abschluss des vom Deutsch-Französischen Zentrum Essen, dem KWI, der Buchhandlung Proust und der Lichtburg veranstalteten Abends stellte Hessel mit Blick auf Leggewies jüngstes Buch “Mut statt Wut. Aufbruch in eine neue Demokratie” (Körber-Stiftung, 2011) fest, dass sie beide die Zuversicht bei der Verfolgung ihrer Ziele teilen.
Miriam Wienhold, 14. Nov 2017 15:01