KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Neues Projekt zu Glücksspiel als Sucht


Wie sich der Diskurs über pathologisches Glücksspiel seit den 1980er Jahren entwickelt hat, untersucht das neue KWI-Projekt.
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Ein neues Forschungsprojekt des KWI-Forschungsbereichs KommunikationsKultur befasst sich mit der kommunikativen Konstruktion des „pathologischen“ Glücksspiels. Dazu analysieren die Mitarbeiter Gerd Möll und Leonie Kainka unter Leitung von Jo Reichertz Parlamentsdebatten aus acht deutschen Landtagen und dem Bundestag zum Thema ‚Glücksspielsucht’ seit Mitte der 1980er Jahre. Das Vorhaben zielt auf die Rekonstruktion der schrittweisen kommunikativen Konstruktion des exzessiven Glückspiels als ‚Sucht’ – somit als behandelbare und einhegbare ‚Krankheit’. Ohne Zweifel waren und sind die parlamentarische Diskurse ihrerseits wiederum eingebettet in ein größeres Diskursfeld, in dem Lobbyisten, Wohlfahrtsverbände, die Kirchen, die Think-Tanks der einzelnen Parteien, die lokalen Wähler/innen der Abgeordneten und natürlich auch die Medien u.v.a.m. agieren und teils öffentlich und teils verdeckt versuchen, ihre Interessen und Deutungen durchzusetzen. Da große Teile dieses Diskurses im Dunklen verbleiben, kann es in dem Projekt nicht darum gehen, den gesamten Diskurs in seiner Vielfältigkeit zu rekonstruieren. Stattdessen soll die Analyse der Parlamentsdiskurse in Landtagen und dem Bundestag ‚in a nutshell’ untersuchen, wie und mit welchen Argumenten von welchen Parteien in welchen Konstellationen das Deutungsmuster ‚Glücksspielsucht’ in den letzten Jahrzehnten durchzusetzen versucht wurde.
Der erwartbare Erkenntnisgewinn besteht nicht nur in der Identifizierung der Argumente, der Prozesse und der Dynamiken der diskursiven Umdeutung eines sozialen Problems am Beispiel des leidenschaftlichen Spielens – was nicht nur aus wissenssoziologischer, sondern auch aus zeitdiagnostischer Sicht bedeutsam ist –, sondern auch der Aufdeckung von neuen, noch nicht dominanten Diskurslinien, welche jedoch in den nächsten Jahren nicht nur im Diskurs, sondern auch in der weiteren gesellschaftlichen Deutung des exzessiven Spielens mit Geldeinsatz bedeutsam sind bzw. bedeutsam werden können. Das Projekt läuft bis zum Herbst 2019 und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Miriam Wienhold, 20.04.17
 

Das KWI wünscht schöne Feiertage

kirsche

Allen Freundinnen und Freunden des Kulturwissenschaftlichen Instituts wünschen wir schöne Feiertage und ein erholsames Osterfest. In der Osterwoche ist die Pressestelle des KWI von Montag bis Mittwoch jeweils vormittags unter 0201 . 72 04 152 erreichbar. Danach stehen Helena Rose und Miriam Wienhold Ihnen wieder ab dem 18.04.2017 zur Verfügung.
Miriam Wienhold, 07.04.17
 
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