KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

CineScience: Kein Ritter auf dem weißen Ross

Die Helden des Abends v.l.: Verena Keysers, Markus Wierschem, Nora Schecke und Alexander Schultz
Am letzten Abend der CineScience-Reihe zu „Helden im Film“ stellten der Amerikanist Markus Wierschem und Filmwissenschaftler Alexander Schultz den „Antiheld als Reflexionsgestalt der Moderne“ in den Mittelpunkt. Eingeladen hatten sie die KWI-Fellows Verena Keysers und Nora Schecke, die die Moderation des Abends übernahmen. Anhand einer genreübergreifenden Filmauswahl analysierten sie den Antihelden hinsichtlich seiner Darstellung, seiner Beziehung zur Gesellschaft sowie seiner sozialgeschichtlichen Einbettung und der filmischen Erzählweise über ihn.
Wierschem und Schultz betonten dabei vor allem die Abgrenzung des Antihelden im Gegensatz zum Helden: „Er ist die Antithese zum Ritter auf dem weißen Pferd“, erklärte Schultz. So zu sehen beim sadistisch veranlagten Film-Noir-Charakter Mike Hammer aus Kiss Me Deadly (1955), der sich mit Brutalität Beweise verschafft. Clint Eastwood ist als Antiheld im Western The Good, the Bad and the Ugly (1966) vor allem Sinnbild einer korrumpierten und postheroischen Gesellschaft. Im durchaus trashigen Actionfilm Death Wish 3 (1985) ist ungesetzliches Handeln zwangsläufig vonnöten, um die Zivilgesellschaft zu schützen. Der Film verhandelt dabei laut Schultz und Wierschem eine reaktionäre Vorstellung von Recht und Moral. Der Abend schloss mit dem Politthriller Miss Sloane (2016), dessen titelgebende Hauptfigur mit zum Teil unmoralischen sowie illegalen Mitteln agiert und die Menschen in ihrem Umfeld instrumentalisiert. Ihr egoistisches Gewinnstreben und rücksichtloses Vorgehen wird letztlich jedoch legitimiert: Es dient einer übergeordneten Systemkritik an geltenden Waffengesetzen in den USA, ausuferndem Lobbyismus und korrumpierten Politikern. Die Gesellschaft ist schon von innen verrottet.
Miriam Wienhold, 15.02.18
 

Neu: Handbuch Energiewende und Partizipation


Handbuch Energiewende und Partizipation
Die Energiewende ist eines der ambitioniertesten politischen Transformationsvorhaben in der bundesdeutschen Geschichte. Die Systemtransformation ist eng verknüpft mit dem zeitlich darauf abgestimmten Um- und Ausbau der Stromnetzarchitektur. Einhergehende Risiken müssen dabei von der lokalen Bevölkerung getragen werden, was eine grundlegende Akzeptanz der Energiewende voraussetzt. Das "Handbuch Energiewende und Partizipation" (Springer 2018) thematisiert in 68 sozial- und geisteswissenschaftlichen Beiträgen die Transformation des Energiesystems in Deutschland und anderen Ländern vor dem Hintergrund zivilgesellschaftlich-ökonomisch-staatlicher Aktivitäten und Entwicklungen.
Der Beitrag von KWI-Fellow Jan-Hendrik Kamlage (KWI), Ina Richter (IASS) und Patrizia Nanz (IASS) beleuchtet Lösungswege, um Legitimität und Akzeptanz seitens der Öffentlichkeit für den Ausbau der Netzinfrastruktur zu schaffen. Neben einer umfassenden, verständlichen und transparenten Informationsvermittlung für die Öffentlichkeit gelten informelle, dialogorientierte Verfahren der Bürger- und Stakeholderbeteiligung als Möglichkeiten, um letzteres zu erreichen. In ihrem Artikel skizzieren die AutorInnen das Handlungsfeld Netzausbau mit den relevanten Akteuren, dem Rechtsrahmen und einzelnen Planungsprozessen. Dabei gehen sie gesondert auf Beteiligungsmöglichkeiten in formellen und informellen Verfahren ein. Daraus können Potenziale dialogorientierter Bürgerbeteiligung als Basis des empirischen Forschungsstandes herausgestellt werden. Der Artikel betrachtet jedoch ebenfalls die Grenzen dialogorientierter Bürgerbeteiligung am Beispiel des Netzausbaus.
Johanna Buderath, 15.02.18
 
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