KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Buchvorstellung: Zur Zukunft der Internationalen Politischen Theorie


V. l. n. r.: Petra Gümplová, Franziska Martinsen, Andreas Niederberger, Regina Kreide, Ina Kerner
© KWI, Foto: S. Kurbanov
Die Globalisierung der Welt ist weit vorangeschritten – die politiktheoretische Reflexion dieser Prozesse steht jedoch noch am Anfang. Macht und Menschenrechte, Gewalt und Geschlecht, Migration und Demokratie: Was bedeutet es, dass gängige Konzeptionen der Politischen Theorie angesichts von Finanzkrise, globalem Kapitalismus und erstarkendem Autokratismus an Analysekraft verlieren? Wie könnte eine konsequent transnationale Perspektive aussehen, die uns in die Lage versetzt, angemessene Sichtweisen auf die neue Weltordnung zu erlangen? Und was zeichnet eine neue Disziplin „Internationale Politische Theorie“ aus? Diese und andere Fragen diskutierten Petra Gümplová (wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Weber-Kolleg, Universität Erfurt, und Fellow am KHK/GCR21), Ina Kerner (Professorin für „Dynamiken der Globalisierung“ am Institut für Kulturwissenschaft, Universität Koblenz-Landau und KWI-Fellow), Regina Kreide (Politikwissenschaftlerin an der Justus-Liebig-Universität Gießen), Franziska Martinsen Politikwissenschaftlerin an der Leibniz Universität Hannover) und Andreas Niederberger (Philosoph an der Universität Duisburg-Essen) unter der Moderation von KWI-Forschungsbereichsleiter InterKultur Volker Heins. Die Autoren stellten ihre Beiträge im neuen Sammelband „Internationale Politische Theorie: Eine Einführung“ von Regina Kreide und Andreas Niederberger (2016) vor. Die beiden Herausgeber führten in die noch junge Geschichte der Internationalen Politischen Theorie (IPT) ein und stellten den Aufbau des Buches vor. Dabei betonte Regina Kreide, dass eine einfache Vergrößerung und Erweiterung der Politischen Theorie auf die internationale Ebene nicht ausreichend ist, um die Frage zu beantworten, was die IPT ist und können soll.
Anschließend diskutierte Petra Gümplová in ihrem Beitrag, die Rolle von Souveränität und staatlicher Praxis in einer globalen Welt. Sie argumentierte gegen den Niedergang des Staates wie der Diskurs der Post-Souveränität es formuliert. Gegen das alte Hobbsche Verständnis von absolutistischer Souveränität setzte Gümplová eine demokratisierte Form der Souveränität. Ina Kerner stellte ihren Beitrag im Buch vor, der versucht eine feministische IPT zu erschließen. Franziska Martinsen beschäftigt sich in ihrem Kapitel mit Gewalt im transnationalen Raum, seiner Rechtfertigung und Kritik. Martinsen betonte, dass die IPT neue perspektivische Möglichkeiten eröffnet. Die Erschließung neuer normativer Perspektiven auf globaler Ebene wurde auch von den beiden Herausgebern Niederberger (Demokratie) und Kreide (Un-/Gerechtigkeit) unterstrichen. Die Veranstaltung war organisiert in Kooperation mit dem KHK Duisburg.
Miriam Wienhold, 15.12.17
 

Neu: Wissenssoziologische Medienwirkungsforschung. Zur Mediatisierung des forensischen Feldes

Neuerscheinung Wissenssoziologische Medienwirkungsforschung
Die fortschreitende Mediatisierung unserer Gesellschaft, der immer differenziertere Gebrauch von verschiedensten Medien im Alltag, betrifft unterschiedliche gesellschaftliche Handlungsbereiche. So auch die Forensik, die technischen, (natur-)wissenschaftlichen und medizinischen Methoden der Verbrechensaufklärung. Diese werden in den letzten Jahren in unterschiedlichen TV-Formaten zunehmend repräsentiert, was insgesamt zu einer Veränderung des forensischen Feldes und der dort bestehenden Wissensordnungen geführt hat. Die DFG-geförderte Studie "Die Mediatisierung der deutschen Forensik: Aktivierte Zuschauer und private Unternehmer als Akteure auf dem forensischen Markt" befasste sich eingehend mit der Bedeutung der von den Medien aktivierten Zuschauer und der auf dem forensischen Markt agierenden privaten Unternehmen. So untersuchte das Forscherteam um den Kommunikationswissenschaftler Jo Reichertz, inwieweit Medien ihre Zuschauer durch Angebote wie Facebook, Social TV, Youtube oder Twitter einbinden – und hierdurch deren kommunikative Aneignungspraxen qualitativ verändern. Zum Abschluss des Projekts erschien Anfang November 2017 das Buch "Wissenssoziologische Medienwirkungsforschung. Zur Mediatisierung des forensischen Feldes" im Beltz Verlag. Das Buch untersucht, ob und wie die Ausstrahlung des CSI-Formats und die damit verbundene Mediatisierung der deutschen Forensik das soziale Feld der Rechtsmedizin und Kriminaltechnik geändert hat.
Miriam Wienhold, 06.12.17
 
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