KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Reformationen in der Geschichte der Weltreligionen


Die Tagung fand in der Kreuzeskirche in Essen statt
© KWI, Foto: Georg Lukas
Lässt sich angesichts der zahlreichen wissenschaftlichen Veranstaltungen, die das Lutherjahr und das 500-jährige Reformationsjubiläum in diesem Jahr mit sich bringt, überhaupt noch ein neuer Blick auf die Geschichte der Reformation werfen? – Vor dieser Herausforderung stand die Tagung „Reformationen in der Geschichte der Weltreligionen: Die Protestantische Reformation im Religionsvergleich“, die das KWI am 9./10. Februar 2017 in Kooperation mit dem Forum Kreuzeskirche sowie dem Centrum für Religionswissenschaftliche Studien der Ruhr-Universität Bochum in der Essener Kreuzeskirche veranstaltet hat.
In ihrem Versuch eine neue Perspektive zu eröffnen, hat die Tagung die Frage nach der ‚Reformation‘ über die protestantische Tradition hinaus an die sogenannten Weltreligionen adressiert, um so die globalhistorischen Fragestellungen und interreligiösen Forschungsperspektiven aufzugreifen, die in der aktuellen religionshistorischen und religionsvergleichenden Forschung von besonderer Bedeutung sind.
Die Leitfrage der Tagung lautete daher: Ist die protestantische Reformation ein einzigartiges Ereignis der europäisch-christlichen Religionsgeschichte in der Frühen Neuzeit oder lassen sich auch in anderen Religionen Reformbewegungen ausmachen, die sie – bei allen Unterschieden und Besonderheiten – in ihrer allgemeinen Struktur mit ihrem europäischen Pendant vergleichbar machen? In den verschiedenen Sektionen der Tagung – zum Judentum, zum katholischen und orthodoxen Christentum, zum Protestantismus, zum Islam, zum Hinduismus, Jainismus und Zoroastrismus und schließlich zum Buddhismus und Konfuzianismus – wurde differenziert erörtert, welche Reformtraditionen es zu welchen Zeiten in diesen Religionen gegeben hat, welche Ursachen sie besaßen, von welchen sozialen Akteuren sie getragen wurden, worin ihre religiöse oder gesellschaftspolitische Stoßrichtung bestand und welche Folgen sie hatten. – Darüber hinaus widmete sich die öffentliche Podiumsdiskussion am Abend des ersten Veranstaltungstages speziell der Frage nach den aktuellen Religionskonflikten in der globalen Politik.
Die Beiträge der Tagung sind audiotechnisch aufgezeichnet worden, so dass sie in naher Zukunft auf der Website des KWI abrufbar sein werden.
Miriam Wienhold, 23.02.17
 

Claus Leggewie beim G20-Außenministertreffen


Claus Leggewie und WBGU-Vorsitzender Dirk Messner übergaben Außenminister Gabriel das WBGU-Gutachten
© Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)
Auf dem Treffen der Außenminister der G20, der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, hatte KWI-Direktor Claus Leggewie am 16. Februar 2017 in Bonn gemeinsam mit dem WBGU-Vorsitzenden Dirk Messner (DIE, Bonn) Gelegenheit, das WBGU-Gutachten „Entwicklung und Gerechtigkeit durch Transformation: Die vier großen I“ (Investitionen, Innovationen, Infrastrukturen und Inklusion) zu präsentieren. Das Gutachten befasst sich mit dem Potenzial der Großen Transformation zur Nachhaltigkeit als einem einzigartigen Menschheitsprojekt, das erhebliche ökonomische und soziale Entwicklungschancen bietet.
Messner und Leggewie erläuterten Außenminister Sigmar Gabriel und weiteren hochrangigen Teilnehmern als Beispiel für die Umsetzung der 2015 verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele sowie des Klimavertrags von Paris die vom WBGU vorgeschlagenen staatlichen „Zukunftsfonds“. Diese speisen sich aus CO2-Steuern, Einnahmen aus dem Emissionshandel und der progressiven Nachlasssteuer speisen und ermöglichen Investitionen in nachhaltigkeitsorientierte Vorhaben, für die der globale Finanzmarkt zu wenig Anreize gibt. Auf diese Weise können künftige Generationen begünstigt werden: Erstens durch Investitionen in nachhaltige Strukturen und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, zweitens durch die Stärkung der sozialen Gerechtigkeit mit dem Abbau bestehender ökonomischer Ungleichheit. Dies sollte nach Auffassung des WBGU zum Leitprinzip nachhaltiger Außenpolitik werden. Die Große Transformation zur Nachhaltigkeit wird so auch zum Friedensprojekt.
Das Gutachten ist auf der Seite des WBGU erhältlich.
Miriam Wienhold, 21.02.17
 
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