KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Seminar im Rahmen des Projekts LogMySelf


Eine Seminarteilnehmerin beim Brainstorming
© René Arnold
Wie viele Schritte habe ich heute gemacht? Wie hoch ist mein Kalorienverbrauch? Habe ich genug geschlafen und befindet sich mein Blutdruck im Normalbereich? Immer mehr Menschen messen verschiedenste Körperdaten mit Hilfe von sogenannten Wearables und Apps, um mehr über sich und ihren Körper herauszufinden – ob aus Neugier, gesundheitlichen Gründen oder sportlichen Ambitionen. Doch welche ethischen, rechtlichen und sozialen Folgen ergeben sich daraus für den Einzelnen und die Gesellschaft?

22 Jugendliche, die jüngst einen Freiwilligendienst absolvieren, setzten sich im Rahmen eines einwöchigen Seminars im Bildungszentrum Ritterhude (vom 11.-13. Dezember 2018) kritisch mit den Chancen und Risiken dieser Anwendungen auseinander. Das Seminar ist Teil des BMBF-finanzierten Verbundprojektes "LogMySelf - Chancen, Risiken und Zukunft des Lifelogging und der Selbstvermessung im Diskurs mit jungen Menschen", das vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) sowie dem Kommunikationsbüro Ulmer umgesetzt wird.

Das von Stefan Löchtefeld moderierte Seminar zielte darauf ab, die Potenziale und Gefahren der Anwendung strukturiert herauszuarbeiten. Zu diesem Zweck wurden Expert*innen eingeladen, die in Kurzvorträgen wesentliche Aspekte des Themas allgemeinverständlich für die Jugendlichen aufbereiteten. Einen Beitrag zu den technischen Möglichkeiten und Nutzen von Wearables lieferte Andreas Schreiber, Abteilungsleiter der Simulations- und Softwaretechnik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dr. phil. Matthias Herrgen, Anthropologe und Lehrbeauftragter für Philosophie an der Hochschule Darmstadt, stellte eine ethische Perspektive auf den Themenbereich Mensch und Technik vor. Ergänzend zu den Expertenbeiträgen erhielten die Jugendlichen die Möglichkeit, sich kreativ mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die visuelle Begleiterin Lara Schmelzeisen bot einen Graphic-Recording-Workshop an und der Regisseur und Schauspieler Helge Tramsen erarbeitete theatrale Zugänge mit den jungen Menschen. Eine abschließende Pro-Kontra-Diskussion zum Thema ergab eine große Bandbreite von Argumenten auf individueller und gesellschaftlicher Ebene und lieferte dem Projektteam wichtige Erkenntnisse über die Wahrnehmung und Bewertung von Selbstvermessungstechnologien unter jungen Erwachsenen. Text: Jana Wegener
Johanna Buderath, 11.01.19
 

Rückblick: Bürger*innenrat zu biobasierter Wirtschaft


Vortrag von Prof. Dr. Pude
© KWI
Inwieweit eine nachhaltige, regional-biobasierte Wirtschaft möglich ist und wie diese gestaltet sein sollte, waren die leitenden Fragen für den Bürgerrat des KWI-Projekts BioDisKo, der Ende November in Münster stattfand. Zwölf aleatorisch auserwählte Bürgerinnen und Bürger diskutierten dabei unter anderem den Maisanbau in der Region und dessen Folgen. Ziel war es, bestehende Praktiken zu bewerten und Fragen zu entwickeln, die in die weitere Forschungsarbeit des Projekts einfließen können.
Welche politischen, sozioökonomischen, ökologischen und kulturellen Herausforderungen ruft die bestehende Biomasseproduktion und -verwertung im Münsterland hervor und was lässt sich aus den Erfahrungen mit dem Anbau nachwachsender Rohstoffe für die Gestaltung einer nachhaltigen Bioökonomie lernen? Peter Gerhardt (denkhausbremen e.V.), Dennis Herzberg (CLIB2021 – Cluster Industrielle Biotechnologie e.V.) und Ralf Pude (Forschungsbereich Nachwachsende Rohstoffe, Universität Bonn) standen den Bürger*innen während des zweitägigen Workshops als Experten beratend zur Seite. Sie gaben Einblicke in zivilgesellschaftliche Positionen und lokalglobale Verflechtungen, in den Status Quo der Bioökonomie in NRW sowie in den Anbau und mögliche Nutzungen verschiedener Pflanzen zur Produktherstellung. Themen wie Flächenkonkurrenz, globale Auswirkungen lokalen Handelns, internationaler Austausch, bestehendes Konsumverhalten oder die landwirtschaftliche Produktion in der Stadt kamen ebenfalls zur Sprache. Die Ergebnisse des Bürgerrats werden im Frühjahr 2019 veröffentlicht. Sie fließen in die weitere Forschungsarbeit ein und werden im kommenden Jahr im "Zukunftsrat Bioökonomie NRW 2030" aufgegriffen, um gemeinsam mit weiteren Projektergebnissen politische Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Wir danken C.A.R.M.E.N. e.V., der die Veranstaltung mit Exponaten der Ausstellung „Bioökonomie zum Anfassen: Biobasierte Produkte im Alltag“ unterstützt hat.
Miriam Wienhold, 07.01.19
 
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