Vortrag: Geisteswissenschaften oder Humanities? Deutsch als Wissenschaftssprache in den Kulturwissenschaften

Deutsch 3.0
Forschungsergebnisse in den Geisteswissenschaften werden zunehmend in englischer Sprache publiziert und wissenschaftliche Tagungen verstärkt auf Englisch abgehalten. Die deutsche Sprache wird in der Wissenschafts-kommunikation zunehmend unbedeutender, die ‚globalesischer‘ Wissenschaftskommunikation dafür immer bedeutender. Doch welche Konsequenz bring das mit sich: Bedeutet dies einen Verlust europäischer Sprachkultur, unterschied-licher Denk-, Text- und Wissenschaftstraditionen und die Herausbildung eines angelsächsischen Monopols in der geisteswissenschaftlichen Theoriebildung? Oder führt die zunehmende Anglifizierung der Geisteswissenschaften vielmehr zu einer gesellschaftlichen Demokratisierung, weil wissenschaftliche Erkenntnisse von breiteren Gesellschaftsschichten rezipiert werden können?
Diese Fragen diskutieren Jürgen Trabant (FU Berlin), Winfried Thielmann (TU Chemnitz), Gisela Schneider (DAAD) und Louise Röska-Hardy (KWI) im Rahmen des Projektes DEUTSCH 3.0 am 4. November im Gespräch mit KWI-Direktor Claus Leggewie. Dabei stehen die Vor- und Nachteile einer verstärkt englischsprachigen Kommunikation in den Geisteswissen-schaften, aber auch die Konsequenzen für die europäische Sprach-förderpolitik und die sprachpolitische Ausgestaltung des universitären Forschungs- und Lehrbetriebs im Fokus.
Das Projekt DEUTSCH 3.0 ist eine Initiative des Goethe-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Duden, dem Institut für Deutsche Sprache und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.
Verena Schreiber, 23.10.14
 

Lesart: Beispiel Mali. Was man für ein verwundetes Land tun kann

v.l.n.r. Charlotte Wiedemann, Henner Papendieck, Claus Leggewie, Tobias Debiel
© KWI, Foto: Georg Lukas
Mali gehörte einst zu den Zentren islamischer Wissenschaft und Kultur. Heute leidet das westafrikanische Land unter Armut und Abhängigkeit, in der jüngeren Vergangenheit wurde es außerdem durch Rebellion und Krieg geschwächt. Zur komplexen Situation in Mali äußerten sich in der Reihe Lesart am 13.10. im Gespräch mit KWI-Direktor Claus Leggewie die Autorin und Journalistin Charlotte Wiedemann, der Ökonom und Entwicklungshelfer Henner Papendieck sowie Tobias Debiel, Direktor des Käte Hamburger Kollegs Duisburg und Spezialist für Fragen humanitärer Intervention.
Thematisiert wurden die Schwierigkeiten einer nachhaltigen Entwicklungshilfe, die Folgen der französischen Intervention vor anderthalb Jahren und der Umgang mit den Tuareg im Norden des Landes. Papendieck erläuterte, wie nach dem Ende des Gaddafi-Regimes in Libyen erfahrene Tuareg-Söldner nach Mali zurückgekehrt waren und moderne Waffen mitbrachten. Der eigentliche Konflikt im Land schwelt seit Jahrzehnten, die Nomaden streiten unter anderem für mehr Autonomie, verfolgen teilweise aber auch schlicht kriminelle Interessen. Charlotte Wiedemann, Autorin des jüngst erschienenen Buchs „Mali oder das Ringen um Würde. Meine Reise in einem verwundeten Land“ (Pantheon Verlag, München 2014), betonte, dass die Tuareg, die für viele Europäer das Bild von Mali prägen, letztlich nur zwei bis drei Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten. Ihre Miliz sei eine „Minderheiten-Miliz mit geschäftlichen Interessen“. Um das Land zu stabilisieren kommt nach Einschätzung von Tobias Debiel nur eine Fortsetzung dezentraler Politik in Frage. Charlotte Wiedemann wünscht sich für Mali außerdem weniger Entwicklungshilfe und mehr internationale Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Die ganze Diskussion können Sie hier nachhören. Das KWI veranstaltet die Reihe Lesart gemeinsam mit dem Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust und dem Schauspiel Essen.
Helena Rose, 20.10.14
 
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