Vortrag: „Klima, Raum und Zeit im Wandel“

Klima, Raum und Zeit im Wandel. Eine ethnographische Untersuchung von Adaptationen und Konflikten auf der westfriesischen Insel Ameland
Weltweit ist der Umgang mit dem Klimawandel unterschiedlich. Die Niederlande reagieren mit veränderten Raumstrukturen auf klimatische Veränderungen. Dieser klimapolitische Ansatz stellt einen normativen Wandel dar, weil er vorsieht, Naturdynamiken von Wind und Wasser nicht länger abzuwehren, sondern räumlich zu integrieren – wo dies möglich ist. An politischen Programmen zu Anpassungsmöglichkeiten an die Folgen des Klimawandels besteht kein Mangel, Forschungsbedarf gibt es jedoch zu deren Umsetzung sowie zu grundlagentheoretischen Fragen. Mit diesen Aspekten setzte sich Lea Schmitt, Koordinatorin des Projekts „Rahmenprogramm zur Umsetzung der Energiewende in den Kommunen des Ruhrgebiets“ am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), im Rahmen ihrer Dissertation auseinander, die Anfang diesen Jahres unter dem Titel „Klima, Raum und Zeit im Wandel. Eine ethnographische Untersuchung von Adaptationen und Konflikten auf der westfriesischen Insel Ameland“ im oekom-Verlag erschienen ist. Am 24. März präsentierte sie im KWI die Ergebnisse ihrer Studie, in der sie die Widerstände der lokalen Bevölkerung gegenüber räumlichen Transformationen am Beispiel der westfriesischen Insel Ameland untersucht. Schmitt zeigte, dass durch die Rekonstruktion alltäglicher Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster unterschiedlicher Akteure durchdringend erklärt werden kann, weshalb es zwischen ihnen zu Kooperations-schwierigkeiten kommt. Die Kulturwissenschaftlerin erläuterte zudem, welche Bedeutung diese Befunde für die interpretative Politikforschung und die inter- und transdisziplinäre Transformationsforschung haben.
Der Vortrag fand auf Initiative des Vereins zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt. Der Förderverein verfolgt die Ziele, Forschung zu interdisziplinären und gesellschaftlich relevanten Fragen zu fördern, kulturwissenschaftliche Themen für ein öffentliches Publikum zugänglich zu machen und wissenschaftlichen Nachwuchs zu unterstützen.
Helena Rose, 30.03.15
 

Buchvorstellung: „Politische Zeiten. Beobachtungen von der Seitenlinie“ mit Autor Claus Leggewie

v.l. Oliver Scheytt, Claus Leggewie, Michael Kleeberg
© KWI, Foto: Georg Lukas
In Claus Leggewies Autobiografie „Politische Zeiten. Beobachtungen von der Seitenlinie“ (C. Bertelsmann, München 2015) spiegelt sich der Lebenslauf vieler seiner Altersgenossen: kosmopolitisch, ökologisch engagiert, querdenkend haben sie Deutschland entscheidend mitgeprägt. Am 17. März stellte der Direktor des Kulturwissen-schaftlichen Instituts (KWI) sein Buch im KWI vor und diskutierte mit Oliver Scheytt, ehemaliger Kulturdezernent der Stadt Essen und Michael Kleeberg, freier Schriftsteller und Übersetzer. Neben Episoden aus seiner Kindheit in Köln Sülz – so traf ihn als junger Fußballfan ein Schuss von Helmut Rahn am Kopf – erzählte Leggewie nicht ohne Selbstironie von einem kurzen Ausflug als Schüler in die Politik, seinem Weg in die Wissenschaft, ersten Forschungsaufträgen in Frankreich und Algerien sowie frühen Lehraufträgen in Göttingen, bei denen er sich altersmäßig kaum von den Studenten in seinen Seminaren unterschied. Der Autor las Passagen aus seinem Buch und stellte sich auch Fragen nach dem Älterwerden, beruflichen Perspektiven und der Zukunft der Industrieregion Ruhrgebiet.
Claus Leggewie, geboren 1950, lehrt Politikwissenschaft und leitet seit 2007 das KWI. Er beschäftigt sich wissenschaftlich und publizistisch mit dem Nachleben der Geschichte in der kollektiven Erinnerung, mit den Grundlagen kooperativen Verhaltens in multikulturellen Gesellschaften und mit den Chancen der Demokratie in aktuellen Herausforderungen wie dem Klimawandel.
Die Buchvorstellung fand in Kooperation mit der Essener Buchhandlung Proust statt.
Helena Rose, 26.03.15
 
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