KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

CineScience Auftakt: Gesellschaftsentwürfe im amerikanischen Heldenkino


Medienwissenschaftler Martin Hennig und KWI-Fellow Armin Flender
© Alexey Muchnik
Heldenkino ist beliebt und erlebte im letzten Jahrzehnt einen regelrechten Boom. Zahlreiche Verfilmungen diverser Comic-Vorlagen und anderer Helden-Erzählungen erzielen immense Publikumserfolge und faszinieren nicht nur bekennende (Super-)Helden-Nerds. Der Medienwissenschaftler Martin Hennig (Uni Passau) ging in der Auftaktveranstaltung der CineScience-Reihe dem Phänomen des klassischen Helden in der amerikanischen Filmgeschichte auf den Grund. An prägnanten Filmausschnitten aus "High Noon" (1952), Superman (1978) und "Spider-Man 2" (2004) pointierte der versierte Referent, wie sich das Bild des Helden im amerikanischen Film im Laufe von fünf Jahrzehnten gewandelt hat. Was den Helden gemein sei, erklärte Hennig, sei das rahmengebende Loner-Narrativ. Ob im Kino der 1950er oder um die Jahrtausendwende, der klassische Held stehe außerhalb des gesellschaftlichen Systems, das er zu verteidigen suche. Durch die explizite Entscheidung des Helden, sich für die bestehende Ordnung einzusetzen und somit dessen Wertesystem zu bestätigen, werde das Handeln des klassischen Helden zum heroischen Akt. Dieses Schema sei in abgewandelter Form in allen untersuchten Filmen zu erkennen, so Hennig.
Allerdings lasse sich eine Entwicklung von einer autoritären zu einer demokratischen Werte- und Systemordnung ausmachen. Während der Western-Held Will Kane und Superman die bestehende, auferlegte Ordnung nicht anzweifelten und keine Schwächen zeigten, sei etwa in Spider-Man eine ideologische Demokratisierung zu beobachten. Die Ideale von Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit, an denen sich die Spider-Man-Figur orientiert, seien hier durch die Figur des Onkels Ben Parker vom Volk selbst gesetzt und würden verhandelbar. Weiterhin käme der Held wiederholt in Gewissenskonflikte, bei dem sich die individuellen Bedürfnisse und der altruistische Kampf für das Gemeinwohl entgegenstünden. Der Held lebt in diesem Spannungsfeld und muss sich in einem repetitiven Akt für „das Richtige“ entscheiden. Das Entscheidungsrepertoire des Helden hat sich erweitert – auch das Böse, Dunkle, Falsche sind Handlungsoptionen des Helden.
Abschließend zeigte Hennig „Olympus Has Fallen“ (2013) als Beispiel für das amerikanische Terrorkino, in dem eine Rückkehr zu einem autoritären, weniger dynamischen Werte- und Ordnungssystem erkennbar sei. Die Dichotomie von Richtig und Falsch, Gut und Böse, spiele sich hier lediglich auf der Ebene der sich bekämpfenden Ideologien ab. Der Held stehe bedingungslos hinter den vorgegeben Wertesystemen; ein individueller, moralischer Konflikt finde hier kaum statt. Moderiert wurden der Abend und das Gespräch mit einem diskutierfreudigen Publikum von Armin Flender (KWI).
Informationen zu den kommenden CineScience-Veranstaltungen im Filmstudio Glückauf finden Sie hier.
Johanna Buderath, 21.09.17
 

jetzt online: Nachbericht Wissenschaftslandschaft NRW


Die Tagung beschäftigte sich mit dem Wissenschaftsstandort NRW
Das Ruhrgebiet hat sich innerhalb der letzten fünfzig Jahren vom „hochschulleeren Raum“ zu einer der dichtesten Wissenschaftslandschaften Europas entwickelt. Diesem bisher unerforschten Strukturwandel
geht das DFG-Projekt „Transformation ‚hochschulleerer Räume‘ zur ‚Hochschullandschaft‘“ der Universität Duisburg-Essen anhand des Zusammenhangs zwischen dem Gesamthochschulkonzept und seiner räumlichen Ordnung 1965 bis 1985 nach. In diesem Rahmen sowie gefördert von der Stiftung Mercator luden Ute Schneider und Timocin Celebi zur Tagung „Wissenschaftslandschaft Nordrhein-Westfalen?“ vom 22. bis zum 24. Juni 2017 ins KWI Essen ein. Das Ziel der Tagung bestand darin, die Programmatik, Entwicklung und Umsetzung des nordrhein-westfälischen Gesamthochschulkonzepts im regionalen, nationalen und internationalen Wissenschaftskontext zu situieren und vergleichend in gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Wandlungsprozesse einzubetten. Ute Schneider, die seit dem 01. August 2017 die kommissarische Leitung des KWIs innehat, führte in die Spezifik der nordrheinwestfälischen Hochschullandschaft ein, die ab den 1960er-Jahren im Zuge öffentlicher Debatten um Bildungschancen, durch gezielte Bildungspolitik und anhand systemischer Planungskonzepte geschaffen wurde. Damit eröffnete sie die 1. Sektion „Landschaftsproduktion und Wissenschaftsplanung in der Bundesrepublik“, die zunächst einen breiten Überblick über den Wandel des Landschaftsbegriffs und der Paradigmen der Raumplanung bot und auf wissenschaftsorganisatorische Praxen einging. Ausführliche Informationen zu den Vorträgen und Inhalten der Tagung erhalten Sie im Nachbericht.
Johanna Buderath, 14.09.17
 
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