KWI - Kulturwissenschaftliches Institut Essen

KWI-Filme beim Foresight Film Festival


© Foresight Filmfestival 2016
Science-Vision statt Science Fiction heißt es beim zweiten "Foresight Filmfestival" in Halle (Saale) am kommenden Freitag. Im Rennen um einen der Preise sind dabei unter anderem zwei Filme, die im Rahmen des KWI-Projekts "Energiewende im Ruhrgebiet" entstanden sind. Das Foresight ist ein BMBF-gefördertes Festival, das sich ganz Zukunftsvisionen und der Wissenschaftskommunikation verschrieben hat. Dieses Jahr steht es unter dem Motto "Wie wollen, wie werden wir leben?“ und möchte WissenschaftlerInnen, JournalistInnen und Gesellschaft darüber ins Gespräch bringen, konkrete Visionen für eine gemeinsame Zukunft miteinander zu gestalten.
Die beiden nominierten Filme von Regisseurin Johanna Ickert porträtieren "Agenten des Wandels" im Ruhrgebiet, die vom Projektteam rund um Projektleiterin Lea Schmitt beforscht wurden. Ab 20 Uhr wird in der Kategorie "Vom DIY zum Do-it-together. Transformation durch Tauschen, Teilen, Selbermachen?“ der Film "Der Detektiv von Mülheim" um ein Repair Café in Mülheim gezeigt. In der folgenden Kategorie "Die Zukunft ist Open Space. Schwarmintelligenz und Selbstorganisation als Schlüssel zur Innovation?“ schaffte es der Wettbewerbsbeitrag "Die Urbanisten" unter die letzten fünf. Hier geht es um nachhaltige Lebensmittelproduktion in Dortmund mit Hilfe von Aquaponik.
KWI-Fellow Lea Schmitt sowie die Regisseurin werden zu den Kurzfilmen vor Ort Fragen beantworten. Die insgesamt fünf entstandenen Filme des Projekts "Energiewende Ruhr", das zu bürgerschaftlichem Engagement im Bereich Energiewende im Ruhrgebiet forscht, werden im Oktober veröffentlicht. Dann erscheint auch die Abschlusspublikation „Geschichten einer Region. AgentInnen des Wandels für ein nachhaltiges Ruhrgebiet“ sowie eine dazugehörige Website. Aber vorerst gilt es, Daumen zu drücken für einen Gewinn am Freitag!
Miriam Wienhold, 27.06.16
 

CineScience: Mensch – Maschine

Der Frankfurter Medienwissenschaftler Manfred Faßler analysierte Zukunftsvisionen im Film
© KWI, Fotos: Georg Lukas
Smartwatches versprechen Fitness – Tinder das nächste Date. Digitale Techniken haben unser Leben bereits revolutioniert. Doch immer zum Positiven? Der Medienwissenschaftler Manfred Faßler diskutierte nun in der Reihe CineScience im Filmstudio Glückauf über Zukunftsvisionen im Film. Eingeladen hatten ihn die KWI-Fellows Armin Flender und Sophia Schönborn (jetzt KlimaDiskurs.NRW). Trotz Fußballeuropameisterschaft mit vorangegangenem Deutschlandspiel waren zahlreiche junge Interessierte ins Kino an der Rüttenscheider Straße gekommen. Beim Filmausschnitt der Serie „Person of Interest“ (USA 2011ff.) stand für Faßler die Frage nach Sicherheit und Überwachung im Vordergrund. Die dort gezeigte „vorausschauende Polizeiarbeit“ ist tatsächlich bereits Realität. Anhand der aktuellen Diskussionen über sogenannte „potentielle Gefährder“ ließe sich ablesen, wie intensiv in der Polizeiarbeit bereits auf Verbrechensprävention statt –intervention gesetzt wird. Ganz anders verhandelt dagegen der Film „Her“ (USA, 2013) von Spike Jonze die digitale Zukunft. Hier verliebt sich der Protagonist in eine künstliche Intelligenz und wird letztlich von dieser verlassen, da ihr die menschliche Existenz zu banal geworden ist. Die künstliche Intelligenz dient hier weder der menschlichen Selbstoptimierung, wie im Film „Robot and Frank“ (USA, 2012), noch wendet sie sich in böser Absicht gegen den Menschen. Vielmehr strebt sie nach einer Art „Superintelligenz“ außerhalb der Menschlichen Existenz. In "Her" fungiert der Mensch vielmehr als eine Art Zwischenform im Übergang von Maschine zu Superintelligenz. Faßler beschäftigte bei den gezeigten filmischen Zukunftsvisionen vor allem der Aspekt der Vernetzung durch künstliche Intelligenz und digitale Techniken. Für ihn ist die digitale Moderne vor allem eine Frage der Datenvernetzung. Wo 3,5 Milliarden Menschen täglich Datenvernetzung durch Social Media und Co. betrieben, stelle sich zwangsläufig die Frage, wie unsere Daten verwendet werden und wer auf unsere gesammelten Daten zugreifen kann. Antworten wurden darauf an diesem Abend keine gefunden, doch die lebhafte Diskussion mit dem theoriekundigen Publikum offenbarte Relevanz wie Redebedarf zum Thema. Die nächste Ausgabe CineScience im kommenden Winterhalbjahr wird sich mit dem Thema Radikalismus und Rechtsradikalismus auseinander setzen.
Miriam Wienhold, 23.06.16
 
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