Workshop: Zwischen Konfuzius und Kant

Konfuzius
© flickr.com, Foto: Steve Webel
Widersprechen sich westliche und östliche Konzepte von Menschenwürde? Was haben Kant und Konfuzius gemeinsam? Ein zweitägiger Workshop am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) diskutierte vom 3. - 4. Juli 2015 die zahlreichen Facetten des Begriffes Menschenwürde interkulturell und kontrovers. Eingeladen hatten hierzu die Philosophen und Sinologen der Ruhr-Universität Bochum. Im Gespräch mit chinesischen Wissenschaftlern zeigte sich bei dieser Veranstaltung, dass es nicht ausreicht, die Vorstellungen von Menschenrechten und Menschenwürde allein aus westlich-europäischer Perspektive zu begreifen. Sehr bald wurden hier die unterschiedlichen Voraussetzungen und Gehalte europäischer und chinesischer Konzeptionen der Menschenwürde deutlich. Konfuzianismus und Neo-Konfuzianismus stehen einem maßgeblich durch Immanuel Kant geprägten westlich-europäischen Verständnis von Menschenwürde kritisch gegenüber – und umgekehrt. Die Pluralität der Begriffsverständnisse beruht auf historischen und kulturellen Bedingungen und Entwicklungen, die Differenz der hinter den Begriffen stehenden Theorien und Denkansätze erschwert die Kompatibilität und die Anknüpfungsmöglichkeit. Wenngleich während der Veranstaltung immer wieder der Versuch stark gemacht wurde, Vereinbarkeiten und Ähnlichkeiten aufzuweisen, blieb am Ende die Bilanz doch nüchtern, bisweilen auch skeptisch. Immerhin wurde sehr klar, dass der Umgang mit dem Begriff der Menschenwürde nicht leichtfertig sein sollte, interkulturell ist er nicht als Selbstverständlichkeit zu sehen. Für zukünftige Forschungen wurden daher gerade in den Differenzen und Spannungen, die dem Begriff der Menschenwürde, bei aller positiven, auch politischen Bedeutung und Wirkung, anhaften, besondere Herausforderungen gesehen.
Miriam Wienhold, 11.08.15
 

Zum letzten Mal in Essen: Der Literarische Salon

Der Literarische Salon 2015/16
© KWI
Seit fünf Jahren organisiert das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) den Literarischen Salon in Essen. Große Autorinnen und Autoren aus aller Welt waren in den letzten Jahren bei Navid Kermani und Claus Leggewie zu Gast. Sie lasen aus eigenen Büchern, brachten Texte mit und präsentierten, was sie darüber hinaus noch bewegt: Musik, Videos, Bilder. Doch die drei Termine des Literarischen Salons im Herbst und Winter 2015/16 sind die letzten in der Ruhrmetropole. Bevor es zu Ende geht, empfangen Kermani und Leggewie noch einmal drei herausragende Autoren. Mit Fadhil al-Azzawi besucht am 2. September 2015 einer der berühmtesten arabischen Gegenwartsautoren das Ruhrgebiet. Er wird aus seinem Roman "Der Letzte der Engel" lesen, ein gefeiertes und erhellendes Portät des Irak. Ihm folgt am 2. Dezember 2015 der Lyriker Michael Lentz. Seine Gedichte und Romane lassen aufhorchen, so spielerisch geht er mit Worten und Sätzen um. Den Abschluss des Literarischen Salons in Essen bildet am 14. Januar 2016 der Schotte John Burnside. Sein tiefgründiger Text verschafft dem Publikum Einblick in das Leben mit einem trunksüchtigen Vater und den Kampf gegen den eigenen Alkoholismus. Ein starkes Finale. Wir danken der Stiftung Mercator für die Förderung der erfolgreichen Reihe! Das Format wird am Spielort Köln in gewohnter Form fortgeführt. Hier empfangen Guy Helminger und Navid Kermani die Gäste im Kölner Stadtgarten. Nähere Informationen entnehmen Sie dem aktuellen Flyer "Der Literarische Salon im Herbst/Winter 2015/16".
Miriam Wienhold, 05.08.15
 
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