KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Projekt Rahmenprogramm zur Umsetzung der Energiewende in den Kommunen des Ruhrgebiets

Leitung: Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick (Wuppertal Institut), Prof. Dr. Claus Leggewie (KWI)
Partner: Wuppertal Institut für Umwelt, Klima, Energie GmbH, Technische Universität Dortmund
Koordination: Lea Schmitt

Förderer: Stiftung Mercator
Laufzeit: 08/2013 - 03/2016

Verbundhomepage: http://www.energiewende-ruhr.de/


Film zum Zukunftsrat am 4. und 5. September 2015 in Lünen


© KWI


Mit seinem 2013 verabschiedeten Klimaschutzgesetz wird Nordrhein-Westfalen zum Vorreiter beim Klimaschutz und sendet wichtige Signale im Hinblick auf die ambitionierten Klimaschutzziele auf nationaler wie europäischer Ebene. Nach dem neuen Gesetz sollen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 25 Prozent und bis zum Jahr 2050 um mindestens 80 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 verringert werden. Das Vorhaben der Umsetzung einer kommunalen Energiewende geschieht dabei vor dem Hintergrund eines mehrdimensionalen Strukturwandels, in dem sich das Ruhrgebiet befindet. In diesem Zusammenhang rücken Fragen nach den strukturellen, politisch-kulturellen und institutionellen Bedingungen sowie nach Problemen und Lösungsansätzen für die Umsetzung der kommunalen Energiewende in den Fokus.

Im Mittelpunkt des gemeinsamen Forschungsprojekts steht die Frage, welche konkreten Barrieren und Zielkonflikte die Umsetzung der Energiewende in den Kommunen erschweren und welche Lösungsansätze hierfür gefunden werden können. Dabei will das Projekt den zahlreichen lokalen und regionalen Initiativen des Ruhrgebiets keine weitere Initiative hinzufügen, sondern vielmehr bestehende Erfahrungen systematisch auswerten, kommunenübergreifende Lernprozesse ermöglichen und das Wissen über Handlungsoptionen für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende in den Kommunen durch gezielte Forschungsvorhaben ergänzen. Das Verbundprojekt geht diesen Aspekten auf unterschiedliche Weisen nach.

Ausgangspunkt für die Forschung des Kulturwissenschaftliche Instituts Essen ist die Situation, dass ein Vorhaben wie die Energiewende nicht allein als technisch-organisatorisches Großprojekt verstanden werden kann. Vielmehr unterliegt ihm eine grundsätzlich kulturelle Dimension, da es die Frage nach möglichen sozialen Zukünften aufwirft: In welcher Zukunft möchte man leben, wohin möchte man sich entwickeln? Mit der Energiewende verschiebt sich der Fokus maßgeblich von einer Gegenwarts- hin zu einer Zukunftsorientierung, was einen Wertewandel darstellt, der selten explizit gemacht wird: Energie- und Klimaschutzkonzepte spielen heute eine Rolle, um die Lebensqualität zukünftiger Generationen zu erhalten. Abseits der Diskussion technischer Innovationen wird es also vor allem darum gehen, ein Vorhaben wie die Energiewende in Zusammenhang zu setzen mit den Lebensgewohnheiten, Alltagswahrnehmungen und Zukunftserwartungen der BürgerInnen, auf deren Unterstützung und Legitimation sie maßgeblich angewiesen ist.

Aus diesem Grund verfolgt das KWI im Rahmen des Verbundprojekts insbesondere folgende Aspekte: Vor dem Hintergrund, dass man einer gemeinsam getragenen Zukunft im Ruhrgebiet näherkommen würde, wenn multiple Zukunftsagenden aneinander anschlussfähig gemacht werden können, wird mit Hilfe ethnographischer Methoden erforscht, welche Bilder guten Lebens die BürgerInnen selbst entwickeln. Es soll damit untersucht werden, welche Zukunftsvorstellungen „bottom-up“ die Mobilisierung der Energiewende im Ruhrgebiet ergänzen, modifizieren oder auch konterkarieren. Darüber hinaus werden identifizierte Agenten des Wandels im Rahmen eines Mehr-Generationen-Zukunftsdialogs miteinander ins Gespräch gebracht, um an einem konkreten Beispiel unterschiedliche Zukunftsagenden zu eruieren, mögliche Konflikte zu antizipieren sowie Lernprozesse und den Austausch untereinander zu fördern. Erforscht wird, inwiefern dieses deliberative Beteiligungsformat zu einer gemeinsamen Erzählebene der beteiligten Akteur verhilft und dazu beitragen kann, den Transformationsprozess durch die Einspeisung sozialen und lokalen Wissens diskursiv mitzugestalten.

Publikationen


Der Zukunftsrat. Ein Kooperationsinstrument zwischen Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaftlichen AgentInnen des Wandels im Bereich Energiewende & Nachhaltigkeit. Policy Paper
Der Zukunftsrat. Ein Kooperationsinstrument zwischen Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaftlichen AgentInnen des Wandels im Bereich Energiewende & Nachhaltigkeit. Policy Paper
Lea Schmitt, Britta Acksel, Stefan Schweiger, Jennifer Kappmeier-Klenk
Mai 2016, 12 S.