KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Projekt Globale Wissenskulturen

Leitung und Koordination: PD Dr. Alexandra Przyrembel (KWI)

Das Projekt „Globale Wissenskulturen“ untersucht die Sammlung und Produktion von Wissen in globalen Zusammenhängen. Dieses Wissen materialisierte sich auf verschiedenste Weise und wurde nicht nur produziert und ausgetauscht, sondern auch verändert und inszeniert.

(De-)Kolonisierung von Wissen

Vor allem seit der Zeit des Kolonialismus bewegte sich Wissen auf komplexen Wegen innerhalb einer immer stärker vernetzten Welt. Das materialisierte Wissen in Form von Objekten, die von Forschungsreisenden aus den Kolonien mitgebracht worden sind, ist heute ein fester Bestandteil der Sammlungen der westlichen Museen. Aber darüber hinaus begannen sich Künstler und Sammler in den 1920er Jahre für diese Objekte auch in einem anderen Kontext, nämlich als Kunstwerke, zu interessieren. Dadurch erfuhren diese Objekte nach ihrer Ankunft in Europa einen Bedeutungswandel. Wir fragen in diesem Zusammenhang nicht nur nach der Veränderung des mit diesen Objekten verknüpften Wissens, sondern auch nach der Veränderung der Kategorie „Wissen“ an sich.

Akustische Wissenskulturen

Nicht nur Objekte liegen im Interessenbereich des Wissensspeichers Museum. Mittlerweile rücken auch Klänge in den Blick musealer Sammlungstätigkeit und Inszenierung. In kaum einer Region hat sich die Klanglandschaft in den letzten Jahrzehnten so sehr verändert wie im Ruhrgebiet. Museen und Klangarchive versuchen diese Veränderung zu dokumentieren. Parallel dazu sind die Sound Studies zu einer interessanten neuen Disziplin der Kulturwissenschaften aufgestiegen. Daran schließen sich Fragen an unser Projekt an. Wo liegen hier die Schnittflächen und Anknüpfungspunkte zur Geschichte des Wissens? Wie funktionieren Klänge als ein Medium für die Zirkulation von Wissen?

Moral-Politik und Wissen

Ein weiterer Schwerpunkt des Forschungsbereichs liegt in der Moral-Politik. Moral-Politik möchte die unterschiedlichen Interessenlagen, die von verschiedenen Seiten – den Medien, humanitären Organisationen, politischen Parteien – an einen Konflikt herangetragen werden, analysieren. Allen voran interessiert sich der Forschungsschwerpunkt für Medien – insbesondere für Zeitschriften, die seit Ende des 19. Jahrhunderts in immer höheren Auflagen erschienen und die öffentliche Meinung gestalteten. Eine Vielzahl von Presseartikeln prägte schon im 19. Jahrhundert das globale Wissen über humanitäre Katastrophen und Gewalt. Neue Medien wie die Fotografie veränderten außerdem unsere Sehgewohnheiten und die Form des Wissens. Das Projekt interessiert sich für den Völkermord an den Armeniern, fragt aber auch nach Kontinuitäten und Diskontinuitäten der Moral-Politik bis in das 21. Jahrhundert. Eine beispiellose Dichte von schriftlichen Publikationen, Berichte von Korrespondenten, Missionaren, Botschaftern und Reisenden, wie auch Fotografien und Bilder unterrichteten in der Zeit zwischen 1894 und 1922 die Weltöffentlichkeit über die Massaker der christlichen Minderheit im Osmanischen Reich.

Das Team „Globale Wissenskulturen“ unter der Leitung von PD Dr. Alexandra Przyrembel, gemeinsam mit Svenja Lilly Kempf und Niko Pankop, organisiert Veranstaltungen, Workshops und Tagungen. Am 16. und 17.2.2015 findet in Berlin die Tagung „(De-)Colonizing Knowledge: Figures, Practices and Narratives“ statt, die gemeinsam mit dem Arbeitsbereich Globalgeschichte (Prof. Dr. Sebastian Conrad) der FU Berlin durchgeführt wird.