Projektbereiche

Projekt Perspektiven der Verantwortungsgesellschaft

Leitung: Prof. Dr. Ludger Heidbrink (Essen/Kiel), PD Dr. Alfred Hirsch (Essen/Hildesheim)
Mitarbeit: Regina von Görtz, Judith Schildt

Laufzeit: 2004-2007

Die Rede von der „Verantwortungsgesellschaft“ spielt in den gegenwärtigen Debatten eine zentrale Rolle. In Politik und Wirtschaft, beim Umbau der Sozialsysteme und in internationalen Zusammenhängen werden verstärkt Verantwortungsforderungen an gesellschaftliche Akteure gestellt, die von der privaten Vorsorge über das soziale Engagement bis zum Ruf nach globaler Solidarität reichen. Dabei treten zunehmend die mentalen und kognitiven Prämissen verantwortlichen Handelns in den Vordergrund: Die Übernahme von Verantwortung setzt kulturell geprägte Wert- und Handlungsmuster voraus, die zur Orientierung der Handelnden beitragen. Erforderlich sind aber auch leistungsfähige Institutionen, mit deren Hilfe sich soziale Verantwortungskonflikte bewältigen lassen.

Vor diesem Hintergrund untersucht die Forschungsgruppe die Verantwortungskultur in der Zivilgesellschaft, die sich durch Forderungen nach eigenverantwortlicher Lebensführung und gemeinwohlorientiertem Handeln auszeichnet. Die zivilgesellschaftliche Verantwortungskultur beruht auf der Vorstellung, dass die Bürger ihren sozialen Verpflichtungen nachkommen und sich an der demokratischen Selbstorganisation des politischen Gemeinwesens beteiligen. Diese Entwicklung geht mit verstärkten sozialen Ansprüchen an den Einzelnen, aber auch mit den Chancen einer neuen Kultur der Selbständigkeit einher.

In diesen Zusammenhang gehört auch die Politik der Verantwortung, die durch veränderte Staatsaufgaben und den Wandel der demokratischen Institutionen gekennzeichnet ist. Mit der Verlagerung der Verantwortung vom Staat auf gesellschaftliche Akteure stellt sich die Frage, worin die verbliebenen Verantwortungsaufgaben des Staates bestehen und wie sich die politische Verantwortungsfähigkeit angesichts zunehmender sozialer Selbstorganisation in Zukunft aufrecht erhalten lässt.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Rolle des Verantwortungsprinzips in der Marktwirtschaft. Dabei geht es nicht nur um „Corporate Social Responsibility“-Aktivitäten von Unternehmen, sondern auch um den Verbraucher, dessen Rolle bei der Gestaltung einer nachhaltigen Marktwirtschaft vielfach vernachlässigt wird. Um die ökonomischen und ökologischen Herausforderungen der Zeit bewältigen zu können, müssen kulturell geprägte Handlungsorientierungen gefördert und politische Rahmenbedingungen entwickelt werden, die zur Übernahmen von Verantwortung durch Unternehmen und Konsumenten beitragen.

Schließlich befasst sich die Forschungsgruppe mit der Globalisierung des Verantwortungsprinzips, die durch die Suche nach transnationalen Formen der Konfliktlösung und die Herausbildung einer menschenrechtlichen Entwicklungs- und Friedenspolitik gekennzeichnet ist. Dabei geht es vor allem um die Frage, welche moralischen und rechtlichen Verantwortungskulturen erforderlich sind, um die kulturellen Differenzen innerhalb der sich formierenden Weltgesellschaft auf humanem Weg bewältigen zu können.

pdf iconAbschlussbericht

Fellows:
* Prof. Dr. Robert Bernasconi
* Prof. Dr. Lothar Brock
* Prof. Dr. Klaus Günther
* Prof. Dr. Wolfgang Kersting
* Prof. Dr. Helmut Klages
* Prof. Dr. Wolfgang Maaser
* Prof. Dr. Paul Nolte
* Prof. Dr. Walter Reese-Schäfer