Projektbereiche

Projekt KlimaWelten: Eine globale (Medien)Ethnografie

Leitung: Prof. Dr. Claus Leggewie (KWI), Prof. Dr. Jörg Bergmann (BGHS Bielefeld University )
Koordination: Dr. Heike Greschke (BGHS Bielefeld University)

Laufzeit: 2010-2012

Klimawandel ist ein Thema von hoher gesellschaftlicher Relevanz und Aktualität. Schmelzende Gletscher und steigende Meeresspiegel, heftige Stürme und Überschwemmungen erzeugen hohe (soziale) Kosten und mediale Aufmerksamkeit, die Politik, Wirtschaft und auch Wissenschaft zu eindeutigen Stellungnahmen drängen.
Aber was genau ist eigentlich Klimawandel? Wie wird er im Alltag von Individuen erfahrbar und welche sozialen Folgen bringt er mit sich? Während die Ursachen und physikalischen Auswirkungen des Klimawandels, wie etwa der Anstieg des Meeresspiegels, mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht werden können, lassen sich deren soziale Folgen und die kulturellen Deutungs- und Bewältigungsformen nicht einfach aus Modellen der zukünftigen physikalischen Struktur der Erdoberfläche ableiten. Denn selbst wenn der Klimawandel den gesamten Globus betrifft, kann er im Alltag nur über lokale kulturelle Kodierungen und Deutungsmuster erfahren werden.

Wir wissen heute wenig über die vielfältigen kulturspezifischen Wahrnehmungen und Traditionen des Umgangs mit Klimaveränderungen und Meeresdynamiken, die verschiedene Gesellschaften im Laufe der Evolution entwickelt haben und wie diese das Verhältnis zum Diskurs des globalen Klimawandels prägen. Wir verzichten damit nicht nur auf wertvolles Wissen, das bei der Entwicklung intelligenter Lösungen der Klimaprobleme unserer Zeit nützlich sein könnte, de facto fehlt auch eine empirisch gesicherte Basis, auf der wissenschaftliche Prognosen zu den weltweiten gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels erst möglich sind.

In einer global angelegten kollaborativen Team-Ethnografie untersucht das Forschungsteam "KlimaWelten" seit April 2010 in verschiedenen Küstenregionen der Welt mit Methoden der video-ethnografischen Feldforschung, ob und wie Klimawandel lokal wahrgenommen und gedeutet wird und welche kulturspezifischen Praktiken des Umgangs mit Meeresdynamiken sich lokal ausgebildet haben. Diese über die Kontinente hinweg verstreuten Studien werden in der Zusammenschau zu einem Teleidoskop, in dem sich ein zentraler Topos des globalen Klimadiskurses in einer Vielzahl lokaler kultureller Deutungen bricht.

Filmische Begleitung des Projekts

KlimaweltenFür ihren Dokumentarfilm "Klimawelten. Von den Kap Verden zur Hudson Bay" begleitete Tink Diaz die Ethnologinnen Jelena Adeli und Claudia Grill während ihrer Aufenthalte in Westafrika und der kanadischen Arktis mit der Kamera. Das Ziel dieser Langzeitbeobachtung war es, unterschiedliche Umgangsweisen mit dem Klimawandel im Kontext kulturspezifischer Naturvorstellungen auf möglichst unmittelbare Weise vor Augen zu führen. Die beiden Forscherinnen erscheinen im Film meist zusammen mit einer ihnen vertrauten Person aus der lokalen Bevölkerung. Der zentrale narrative Strang des Films kreist eher selten explizit um die klimabezogenen Wahrnehmungen und Verhaltensweisen der lokalen Protagonist/innen. Vielmehr werden diese Wahrnehmungen und Verhaltensweisen indirekt vermittelt über die alltäglichen Freuden, Sorgen, Nöte und Konflikte der Menschen vor Ort.

Weitere Informationen:
Themenabend ARTE: "Klimawandel oder Nach uns die Sintflut?"
Dossier zum Klimawandel bei ARTE

Forschungsprogramm der Nachwuchsgruppe KlimaWelten

Website des KlimaWelten-Projekts

Website "The Socio-cultural Landscapes of Global Climate Change: ethnographic views from all over the worlds".

Abschlussbericht