Projektbereiche

Projekt Aktives Altern – Migration – Biographie

Wissenschaftliche Leiterin: Dr. Thea D. Boldt
Wissenschaftliche Hilfskraft: Eva Schwab

Förderer: Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
Laufzeit: August 2010 - März 2011

Europäische Gesellschaften stehen vor der Herausforderung des demographischen Wandels. Bei einer verringerten Geburtenrate steigt gleichzeitig die durchschnittliche Lebenserwartung nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern. Vor diesem Hintergrund werden viele soziale, politische und wissenschaftliche Fragen neu gestellt.

Das Altern der europäischen Gesellschaften kann in direktem Zusammenhang mit ihrer ethnischen Vielfalt diskutiert werden. Aus statistischer Sicht gab es 2005 etwa in der Bundesrepublik bereits 15,3 Millionen Personen mit sog. Migrationshintergrund. Die Prognose, dass die internen sowie Ländergrenzen überschreitenden Migrationsprozesse in europäischen Gesellschaften noch weiter zunehmen werden und der Anteil von älteren MigrantInnen noch weiter steigen wird, verdeutlicht die Relevanz dieser Fragestellung für die Zukunftsfähigkeit Europas. Wir gehen in diesem Kontext davon aus, dass biographische Ressourcen älterer Menschen mit Migrationshintergrund an Bedeutung zunehmen und sowohl in wissenschaftlichen Untersuchungen als auch gesamtgesellschaftlich stärker einbezogen werden sollten.

Das Ziel des Projekts ist es zunächst einen Überblick über die international bereits vorhandene wissenschaftliche Literatur an der Schnittstelle der Phänomene aktives Altern, Migration und Bio-graphie zu geben. In einem Bericht zum Forschungsstand soll untersucht werden, ob und in welcher Art und Weise die vorhandenen wissenschaftlichen Studien sich damit beschäftigt haben, welche bio-graphischen Konzepte und Handlungsstrategien ältere Frauen und Männer mit Migrationshintergrund verfolgen, welche Bedürfnisse, Erwartungen und Einstellungen mit der Biographie im fortgeschrittenen Alter verbunden sind und im Rahmen welcher sozialen und historischen Kontexte diese produziert werden. Auf dieser Grundlage sollen in einem Workshop mit renommierten internationalen WissenschaftlerInnen aus den Bereichen Biographie-, Integrations-, Multikulturalitätsforschung und Gerontologie Forschungsdesiderata identifiziert werden und so neue Forschungsfragen formuliert werden. Die Ergebnisse des Workshops werden in einem Tagungsband herausgegeben und sollen zur Entwicklung weiterer empirischer Studien in diesem Feld anregen.

In Hinblick auf das Konzept des aktiven Alterns soll insbesondere auf die biographische Bedeutung des Übergangs in die Rente als lebensgeschichtlicher Wendepunkt eingegangen werden. Daraufhin gilt es zu fragen, welche Zusammenhänge zwischen der Migrations- und Intergrationserfahrung biographisch konstruiert werden und wie diese Zusammenhänge den biographischen Übergang in das fortgeschrittene Alter prägen.

Das Projekt betrachtet MigrantInnen als aktiv Handelnde, die ihre biographischen und kulturellen Ressourcen nutzen, um den Prozess des Alt-Werdens zu gestalten. Es soll dazu beitragen, die Lebenserfahrung von älteren Menschen in die Prozesse gesellschaftlicher Wissensproduktion zu integrieren. Es verfolgt die Perspektive, MigrantInnen als eine Ressource und nicht als Problem europäischer Gesellschaften zu betrachten.