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Projekt Migration und Komik. Inklusions- und Exklusionsprozesse durch Komik und Satire in Spätaussiedlermilieus

Leitung: Dr. Halyna Leontiy

Förderer: Science Support Centre (SSC) der Universität Duisburg-Essen - Pilotprojekt Oktober 2010 - März 2011

Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die Beziehungen zwischen Einheimischen und Zugewanderten (sowie die der Zugewanderten untereinander) am Beispiel der Spätaussiedlergruppen in Deutschland auf einem neuen Weg zu erforschen. Es soll nämlich aus der Perspektive der Kultursoziologie sowie der Sprach- und Kommunikationssoziologie die Funktion der Satire und Komik für die Aussiedler bei der Verarbeitung der Migrationsgeschichte sowie der Akkulturation in Deutschland in Bezug auf Inklusions- bzw. Exklusionsprozesse ermittelt werden. Die Frage ist, inwiefern Komik und Satire mehr Zugehörigkeit zwischen der zugewanderten und der einheimischen deutschen Bevölkerung bewirken können bzw. inwiefern sie exkludierend, separierend und ausgrenzend wirken. Dies soll mithilfe einer für dieses Projekt entworfenen Methodenkombination (Ethnographie, narrative Interviews, Gesprächs- und Videoanalyse, Sequenzanalyse im Sinne der sozialwissenschaftlichen Hermeneutik ) untersucht werden. Methodologisch richtet sich das Projekt an den Prämissen einer hermeneutischen Wissenssoziologie aus, die ein rekonstruktives Vorgehen bei der Erforschung sozialer Wirklichkeit ermöglichen.

Die Untersuchung verläuft auf zwei Ebenen: (1) Zum einen auf der Ebene der institutionellen Komik am Beispiel des Aussiedler-Kabaretts von Lilia Tetslau sowie des „KB-Shows“ von Aussiedlerjugendlichen. Das Kabarett/die Comedy der Aussiedler sollen mit dem türkischen Kabarett/der Comedy kontrastiert werden. Hierzu stellen sich folgende Fragen: Wie und mit welchen stilistischen Mitteln werden die Beziehungen zwischen den Einheimischen und den Aussiedlern im Kabarett humoristisch bzw. satirisch dargestellt? Wie ist die Reaktion des Publikums (sowohl der Einheimischen als auch der Aussiedler) auf die Inhalte des Kabarettprogramms? Gibt es eine Aussiedler-Komik, über die alle gemeinsam lachen können? (2) Zum anderen soll in Bezug auf die alltägliche konversationelle Praxis des Komischen bzw. des Satirischen am Beispiel verschiedener Aussiedler-Gruppen sowie zu verschiedenen Anlässen die Bildung von Formen der Inklusion bzw. Exklusion durch kulturspezifisch geprägte, pragmatisch im Alltag eingesetzte Komik rekonstruiert werden. Dieser Teil der Forschung wird ethnographisch an zwei Orten Deutschlands durchgeführt: Zum einen in Hochstätt, dem Stadtteil Mannheims mit der höchsten Anzahl von Migranten (unter den 2.802 Bewohnern sind 218 Aussiedler), und zum anderen in der Stadt Lahr bei Freiburg – einer Stadt mit der höchsten Konzentration der Aussiedler in Deutschland: 8.600 von ca. 43.000 Einwohner, was 20% beträgt. Hierbei werden die zentralen Aussiedlergruppen in Lahr miteinander kontrastiert.

Im dem vom SSC geförderten Zeitraum sollen Voruntersuchungen durchgeführt werden, die dem Aufbau eines DFG-Forschungsprojektes dienen. Zu diesem Zwecke werden sowohl umfassende Literaturrecherchen durchgeführt als auch der Zugang zu den ethnographischen Forschungsfeldern eröffnet. Die Pilotstudie ist (1) für die Erarbeitung eines spezifischen, an der neuen Forschungsfrage ausgerichteten Designs und (2) für einen Pretest des geplanten Methodenmix erforderlich.