Projektbereiche

Projekt Climates of Migration – Klimawandel und Umweltmigration in historischer Perspektive

Leitung und Koordination: Dr. Franz Mauelshagen (KWI), Dr. Uwe Lübken und Prof. Dr. Christof Mauch (beide vom Rachel Carson Center, München)

Förderer: Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Laufzeit: Dezember 2010 - Juni 2014

Webseite: www.climatesofmigration.org

Projektziel
Große Teile der Weltbevölkerung sind von der Veränderung der globalen und lokalen Klimaverhältnisse und den damit einhergehenden Umweltfolgen betroffen. Zu den Auswirkungen gehören auch Massenmigrationen, die heute bereits beobachtet werden können und in Zukunft noch zunehmen werden. Seit längerem geht es daher in der Klimadebatte auch um Umweltflüchtlinge und Klimamigranten. Historische Beispiele werden dabei immer wieder herangezogen, obwohl sie bislang kaum sozialwissenschaftlich fundiert untersucht wurden. Das auf drei Jahre angelegte interdisziplinäre Forschungsprojekt Climates of Migration soll dies nun ändern: Wissenschaftler am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen erforschen ab Ende 2010 den Zusammenhang zwischen Klima und Migration. Es widmet sich aktuellen und historischen Beispielen und berücksichtigt dabei sowohl klimatische als auch soziokulturelle Faktoren. Klima(wandel) wird dabei nicht nur als „Push-Faktor“ betrachtet, sondern auch als „Pull-Faktor“: und zwar hinsichtlich der klimatischen Erwartungen der Migranten an die Zielregion.

Teilprojekte
Climates of Migration umfasst drei Teilprojekte, die unterschiedliche Erscheinungsformen von klimabedingter Migration in den Mittelpunkt stellen:

  • CLIMATES OF FAMINE befasst sich mit Wanderungsbewegungen in der Folge einer Verknappung von Ressourcen in der Herkunftsregion (z.B. Agrarkrisen).
  • DISASTER MIGRATION betrachtet Migrationsbewegungen aufgrund von klimatischen oder meteorologischen Extremereignissen. Beide Teilprojekte stehen insofern in einem engen inhaltlichen Zusammenhang, als Migration in beiden Fällen als eine mögliche oder notwendige Reaktion auf Umweltveränderungen untersucht wird.
  • CLIMATES OF COLONISATION vollzieht demgegenüber einen Perspektivwechsel und lenkt den Blick auf die Zielregionen. Hier geht es um die Frage, wie die Umweltveränderungen im neuen Siedlungsgebiet wahrgenommen werden und das soziale, kulturelle und politische Leben von Gesellschaften beeinflussen. Dabei werden unterschiedliche Migrationsmotive und Ausgangsbedingungen berücksichtigt, wie Zwangsmigration oder koloniale Wanderungsbewegungen.


Projektplan
Das Projekt-Team erarbeitet gemeinsam eine chronologische Datenbank CLIMMIGRATION.dat zur Umweltmigration in den letzten 500 Jahren und gewichtet dabei soziale Faktoren und Klimafaktoren.
Den Kern der Arbeit bilden Fallstudien im Rahmen der Teilprojekte Climates of Famine, Climates of Colonisation und Disaster Migration. Sie werden anhand der besten Datenlage ausgewählt und in einer Synthesestudie zusammengefasst.
Die Forschungsergebnisse werden voraussichtlich in einer digitalen Dokumentation am Rachel Carson Center in München präsentiert.

Forschungsergebnisse und Projektauswertung
Die Datenbank CLIMMIGRATION.dat soll öffentlich zugänglich gemacht werden. Sie bietet eine Grundlage für mögliche und wünschenswerte Anschlussforschungen.
Das Projektteam entwirft ein nicht-deterministisches Modell zur Beschreibung des Verhältnisses zwischen Klima und Migration. Es soll die sozialen, politischen und ökologischen Komponenten des Interaktionsgefüges Mensch, Gesellschaft und natürliche Umwelt gleichermaßen in den Blick nehmen, um den Dualismus zwischen naturwissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Forschung zu überwinden.

Von den Projektergebnissen sind wichtige Einsichten von politischer Tragweite zu erwarten. Das gilt insbesondere für die Rolle des Klimas als Migrationsmotiv. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts versprechen auch einen Beitrag zur Verbesserung der Grundlagen für die Bildung von Szenarien im Bereich der Klimafolgenforschung und bei der Umweltmigration.