Projektbereiche

Projekt Das Selbstbild in der Bilderwelt. Zur Soziologie der Person und ihrer Figuration in bildmedialen Beobachtungs- und Bewährungsanordnungen.

Leitung: Michael R. Müller, Hans-Georg Soeffner

Kooperationspartner: TU Dortmund
Förderer:Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: 07/2011 bis 07/2014

Waren noch zu Zeiten Georg Simmels Boulevards, Straßencafés und andere öffentliche Plätze die maßgeblichen Bühnen, auf denen man sich selbst darstellte und wechselseitig beobachtete, so finden heute entsprechende Selbstdarstellungs- und Austauschprozesse zunehmend auch in technisierten sozialen Umgebungen statt: in einem Verbund einander ergänzender Medien. Das Forschungsprojekt „Das Selbstbild in der Bilderwelt“ ist der Analyse dieser Entwicklung gewidmet. Es untersucht gesellschaftlich neuartige, durch bild- und medien¬technische Entwicklungen geprägte Formen personaler Selbstthematisierung.

Theoretisch-konzeptionell stützt sich das Projekt hierbei auf einen philosophisch-anthropologischen Begriff der sozialen Person, aus dem sich im Zuge empirischer Analysen die Möglichkeit einer komparativen Forschungsheuristik ergibt: Unterschiedliche historische und gesellschaftliche Formen der Thematisierung der je eigenen Person (sprachlich-diskursive Formen ebenso wie körperlich-bildhafte und technisch mediatisierte) treten als soziohistorische Modifikationen der anthropologischen Grundstruktur von Personalität in den Blick. Das empirisch-rekonstruktive Arbeitsprogramm des Projekts beinhaltet dementsprechend erstens Feldforschungen und Bilddatenauswertungen zu neuen, zeitgenössischen Formen der Selbstthematisierung in und mit Bildern sowie zweitens die Durchführung methodisch gezielter Kontrastierungen mit historischen Vorformen personalen Bildmediengebrauchs seit der Renais¬ance. Im Mittelpunkt des Interesses stehen hierbei insgesamt die komplexe Überlagerung von medialer Kommunikation und körperlicher Interaktion und die Genese neuer symbolischer Formen des Zeigens im Zusammenspiel von Bild und Körper.

Die systematischen Forschungsziele des Projektes strukturieren sich im Einzelnen wie folgt: In hermeneutisch-wissenssoziologischer Perspektive untersucht es die Formierung optisch-visuell geformter Beobachtungs und Bewährungsord¬nungen, die – so unsere mediatisierungstheoretische Hypothese – statt medialer „Simulacren“ ein konstitutiver Bestandteil des sozialen Alltags geworden sind. In modernisierungstheoretischer Perspektive zielt das Projekt auf eine ‘bedingte Prognostik’ zu neuen Ausprägungen gesellschaftlicher Individualisierung und den korrespondierender Strukturen einer sich wandelnden gesellschaftlichen Öffentlichkeit. In grundlagentheoretischer Orientierung wird schließlich eine medien-soziologisch fundierte und erweiterte Formulierung des Begriffs der sozialen Person angestrebt.