event
 
Montag, 02. März 18:15 Uhr
Referent: Dieter Birnbacher (Universität Düsseldorf)
Klimaverantwortung als Verteilungsproblem
Ort: KWI Essen
Veranstalter: KWI, edition Körlberstiftung, Europäische Horizonte

Klimaverantwortung ist in erster Linie ein Verteilungsproblem: Wer trägt die Verantwortung für die Minderung der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen, wer trägt die Verantwortung für die Anpassung an die nicht verhinderten oder nicht verhinderbaren klimatischen Effekte? In der internationalen Diskussion sind zu diesen Fragen eine verwirrende Vielfalt von Zuteilungsregeln vorgeschlagen worden. Sie spiegeln jeweils unterschiedliche Gerechtigkeits-vorstellungen, aber auch unterschiedlich optimistische Einschätzungen ihrer politischen Durchsetzbarkeit wider.
Ein grundlegender Dissens betrifft die Rolle des Verursacherprinzips in seiner historisch rückwärtsgewandten Anwendung: Gibt es stichhaltige Gründe, diejenigen Industrieländer besonders zu belasten, die im 19. und 20. Jahrhundert zu einem besonders hohen Anteil zur Klimaveränderung beigetragen haben? Und können die Industrieländer zur Verantwortung gezogen werden, wenn ihre gegenwärtigen Bewohner keine Schuld an den Klimasünden ihrer Vorfahren trifft und diese zudem weitgehend unwissentlich begangen wurden?

Birnbacher argumentiert – in Einklang mit der „United Nations Framework Convention on Climate Change“ – gegen eine mehr als rhetorische Funktion der historischen Gerechtigkeit und für eine solidarisch orientierte Verteilung von Klimaverantwortung, die auf die Vermeidung von gegenwärtigen und zukünftigen Rechteverletzungen zielt. Sie sollte die Verantwortung nach der Leistungsfähigkeit der Geberländer differenzieren und der Effizienz den Vorrang vor der Gleichheit geben.

Referent:
Dieter Birnbacher ist Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Philosophie an der Universität Düsseldorf