KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen
event
 
Montag, 10. Dezember 14:00 Uhr - 19:00 Uhr
Kolloquium zum Abschied von Ludger Heidbrink
Tagung: Das Ende der Freiheit? Eine Debatte über den Liberalismus in Zeiten der Finanz- und Klimakrise
Ort: Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Gartensaal, Goethestr. 31, 45128 Essen
Veranstalter: KWI

Der Marktliberalismus gerät durch andauernde soziale Gerechtigkeitskonflikte, die Ressourcen- und Klimakrise und jüngst die Schulden- und Finanzkrise unter zunehmenden Rechtfertigungsdruck. Seine Kritiker betrachten ihn selbst als Auslöser gesellschaftlicher Krisenphänomene und befürworten alternative Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen. Kann der Liberalismus auf die gegenwärtigen globalen Herausforderungen angemessen reagieren und zur gesellschaftlichen Transformation in Richtung auf eine nachhaltig organisierte Gesellschaft beitragen? Über diese Frage diskutieren am 10. Dezember Politikwissenschaftler, Philosophen, Soziologen und Wirtschaftswissenschaftler auf einer Tagung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI).

Anlass der Veranstaltung ist die Berufung von Prof. Dr. Ludger Heidbrink an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, in ihrer Folge verlässt Prof. Dr. Heidbrink nach acht Jahren als Leiter des Forschungsbereichs „Verantwortungskultur“ das KWI.

Durch die insbesondere von den Industrieländern verfochtene Liberalisierung und Deregulierung (inter-)nationaler Märkte und die damit einhergehende Privatisierung von öffentlichen Gütern und Dienstleistungen vollzog sich im 20. Jahrhundert der Übergang vom vorwiegend politisch definierten Systemwettbewerb zum ökonomisch geprägten Standortwettbewerb der Staaten untereinander. Mit dem Aufstieg des Marktliberalismus zum dominierenden Ordnungssystem freiheitlich verfasster Gesellschaften wuchs allerdings gleichzeitig die Kritik, dass seine Versprechen – darunter Wohlstand für alle, gerechte Güteraufteilung und Freiheit im Konsum – nicht ohne hohe soziale und ökologische Kosten eingehalten werden können.

Im Rahmen der Tagung referieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in verschiedenen Panels über den Liberalismus der Gegenwart und Zukunft: Welche Rolle kann der Staat im Kontext der ökologischen Begrenzung und der Gestaltungsnotwendigkeit globaler Gemeinschaftsgüter spielen? In welchem Verhältnis stehen wirtschaftlicher und politischer Liberalismus zueinander und welche Antworten können sie auf die Herausforderung der „planetary boundaries“ liefern, wenn Fragen der individuellen Lebensführung zunehmend zu Fragen des weltgesellschaftlichen Zusammenlebens werden? Welche Aufgaben fallen dem (Wirtschafts-) Bürger zu? Können sich Individuen und zivilgesellschaftliche Gruppen, Staaten und die Staatengemeinschaft sowie Unternehmen und die Wissenschaft dazu verpflichten, in einem neuen Gesellschaftsvertrag gemeinsame Verantwortung für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen zu übernehmen?

Tagungsprogramm

Leitung:
Prof. Dr. Claus Leggewie (Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen)

ReferentInnen:
Dr. Steffen Bauer (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, Bonn),
Prof. Dr. Michael Baurmann (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf),
Prof. Dr. Ludger Heidbrink (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel),
Silke Helfrich (freie Bildungsreferentin und Publizistin),
Prof. Dr. Corinna Mieth (Ruhr-Universität Bochum),
Prof. Dr. Birger Priddat (Universität Witten/Herdecke, Jena),
Prof. Dr. Gary Schaal (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg)

Moderatoren:
Dr. habil. Volker Heins, PD. Dr. Alfred Hirsch und apl. Prof. Dr. Friedrich Jaeger (Senior Fellows am KWI)

Inhatlicher Kontakt:
Dr. Johannes Reidel, Fellow am KWI, Johannes.Reidel@kwi-nrw.de

Anmeldung bis zum 5. Dezember bei:
Maria Klauwer, Kulturwissenschaftliches Institut Essen, Tel. 0201 7204-153, maria.klauwer@kwi-nrw.de