KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen
event
 
Dienstag, 19. November 20:00 Uhr
Gast: Christoph Spehr, Moderation: Marcel Siepmann (KWI)
CineScience Film und Gewalt: Gewalt der Bilder – gewalttätige Bilder?
Ort: Filmkunsttheater Eulenspiegel, Steeler Straße 208-212, 45138 Essen
Veranstalter: edition Körber-Stiftung

Als Dustin Hoffman alias „Babe“ 1976 im Film „Marathon Man“ vom ehemaligen Naziarzt Christian Szell (gespielt von Laurence Olivier) an einen Zahnarztstuhl gefesselt und ohne Betäubung mit dem Bohrer malträtiert wird, schaut die Kamera noch weg. Nur die Schmerzensschreie von „Babe“ ließen diese albtraumhafte Szene zu einer vieldiskutierten und oft gezeigten Schlüsselstelle in der Filmgeschichte werden. Auch in „A Clockwork Orange“ von Stanley Kubrick (1971) wurde schon durch das Instrument der Folter mit den Sehgewohnheiten und Schmerzgrenzen der Zuschauer gespielt, auf die explizite Darstellung des eigentlichen Gewaltaktes aber ebenfalls verzichtet.

Mit Filmen wie „Hostel“ von Eli Roth oder „Saw“ (beide aus den 2000er Jahren) von James Wan hat sich die Grenze jedoch verschoben. Nicht als Nischenfilme, sondern als Blockbuster mit Millionenpublikum setzten diese Filme neue Maßstäbe dafür, was im Kino gezeigt werden kann und was nicht, so dass sich in den folgenden Jahren sogar der Begriff des „torture porn“ dafür etablierte.

Der Historiker Marcel Siepmann (KWI) diskutiert mit dem Kultur- und Sozialwissenschaftler Dr. Christoph Spehr anhand verschiedener Filmausschnitte aus „A Clockwork Orange“, „Marathon Man“ und „Hostel“ mit dem Publikum die Fragen, warum sich diese Grenzen verschieben, was Zuschauer dazu bewegt, sich solche filmischen Darstellungen von Gewalt anzuschauen und was diese in ihnen auslösen.

Hinweis zum Veranstaltungsort:
Am 19. November findet die CineScience-Veranstaltung im Filmkunsttheater Eulenspiegel statt.

Referenten:
Dr. Christoph Spehr ist Kultur- und Sozialwissenschaftler und arbeitet als freischaffender Autor in Bremen.

Marcel Siepmann arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Davor war er als Academic Assistant am Käte-Hamburger Kolleg „Politische Kulturen der Weltgesellschaft: Chancen globaler Kooperation im 21. Jahrhundert“ tätig.

CineScience: Film und Gewalt
Im Alltag moderner Gesellschaften gilt Gewalt als unerwünscht, wird tabuisiert und bestraft. Gleichzeitig konfrontieren uns Filme, Dokumentationen und die täglichen Nachrichten ständig mit Gewaltdarstellungen unterschiedlicher Intensität. Gewalt im Film ist zunächst einmal nicht reale Gewalt, sondern vorgestellte, abgebildete und wahrgenommene Gewalt, sei es fiktionale, wie sie beispielsweise für die Genres Western, Krimi oder Horrorfilm stilbildend ist, oder auch faktisch kontextualisierte Gewalt wie z. B. in Dokumentarfilmen oder Wochenschauen.

In der CineScience-Reihe Film und Gewalt greift das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) an vier Abenden unterschiedliche Aspekte des Themas auf und beleuchtet diese anhand von Filmausschnitten mit Gästen aus der Wissenschaft und in der Diskussion mit dem Publikum im Filmstudio Glückauf. Die Reihe wird vom Verein zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) gefördert. Die Teilhabe der Bürger der Stadt und der Region ist ein Schwerpunkt der Arbeit des Vereins. Er unterstützt neue
Formen der öffentlichen Präsentation und Diskussion der Forschungsergebnisse des KWI. Er fördert die interuniversitäre Arbeit des Instituts und den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Kulturwissenschaften.

Hier können Sie den Flyer zur CineScience-Reihe Film und Gewalt herunterladen.

Kartenverkauf (Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro):
Beim Filmkunsttheater Eulenspiegel an der Abendkasse oder mit telefonischer Kartenreservierung unter der Rufnummer 0201-27 55 55.