KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen
event
 
Mittwoch, 12. März 18:00 Uhr
Mit Wilfried Loth, Günter Verheugen und Mathias Jopp
Buchvorstellung und Diskussion: „Europas Einigung. Eine unvollendete Geschichte“
Ort: Vertretung der Europäischen Kommission (Europäisches Haus), Unter den Linden 78, 10117 Berlin
Veranstalter: edition Körber-Stiftung

Wie ist die Europäische Union zu ihrem heutigen Erscheinungsbild gekommen, wie funktioniert sie und wie könnte sie sich in Zukunft weiterentwickeln? All diese Fragen thematisiert Historiker Wilfried Loth in seinem Buch „Europas Einigung. Eine unvollendete Geschichte“ (Campus Verlag, Frankfurt/M. – New York 2014).

Nachdem die archivgestützte historische Erforschung des europäischen Integrationsprozesses in den letzten beiden Jahrzehnten einen gewaltigen Aufschwung genommen hat, wird hier zum ersten Mal der Versuch unternommen, die Erträge dieser Forschungen im Zusammenhang zu sehen und sie bis zur Gegenwart fortzuschreiben. Die Europäische Union erscheint in dieser Darstellung als das Ergebnis der Bemühungen, die demokratische Ordnung in Europa unter den Bedingungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (und darüber hinaus) zu sichern. Vier unterschiedliche, aber eng miteinander verflochtene Motivationskomplexe wirken dabei mit: das Streben nach Friedenssicherung zumindest unter den europäischen Staaten, das Bemühen um eine Einbindung der potentiellen Hegemonialmacht Deutschland, die Sorge um europäische Selbstbehauptung gegenüber der Weltmacht USA und in der Zeit des Kalten Krieges auch gegenüber der Weltmacht Sowjetunion, schließlich die Suche nach Wirtschaftsräumen, die ein produktives Wachstum unter den Bedingungen weltwirtschaftlicher Konkurrenz ermöglichten. Diese vier Motivationskomplexe wurden nicht immer gleich stark empfunden und sie kamen in der Umsetzung in konkrete Regelungen auch nicht absolut zur Deckung. Daher gestaltete sich der europäische Integrationsprozess von Anfang an äußerst schwierig, und es bedurfte eines hohen Maßes an Staatskunst, ihn über Hindernisse voranzubringen. Gleichwohl hat er die Staaten und Gesellschaften, die daran beteiligt waren, in einem Maße verändert, das ein Ausscheiden einzelner Mitglieder aus der Union höchst schwierig und damit unwahrscheinlich erscheinen lässt. Die Europäische Union ist zu einer Schicksalsgemeinschaft geworden, die weiterer Gestaltung bedarf.

Weitere Informationen


Autor:
Prof. Dr. Dr. h.c. Wilfried Loth ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Duisburg-Essen und Mitglied des KWI-Vorstands. Als langjähriger Vorsitzender der Historiker-Verbindungsgruppe bei der Europäischen Kommission und Präsident des Deutsch-Französischen Historikerkomitees ist er einer der besten Kenner der Geschichte der Europäischen Integration.

Referent:
Prof. Günter Verheugen, EU-Kommissar a. D. und Honorarprofessor an der Europa-Universiät Viadrina in Frankfurt (Oder).

Moderation:
Prof. Dr. Mathias Jopp, Direktor des Instituts für Europäische Politik, Berlin.

Veranstalter:
Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Europäische Politik in Berlin.