09.07.

Di / 18:00

Du sollst Danke sagen. Eine kurze Geschichte der Dankbarkeit

Vortrag mit Jürgen Dinkel

Jürgen Dinkel (Universität Duisburg-Essen)

Online (Zoom) & Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Gartensaal, Goethestr. 31, 45128 Essen

Danke, Danke, Danke! Wohl kaum eine Floskel wird im alltäglichen zwischenmenschlichen Miteinander so häufig verwendet, wie das kleine Wörtchen „Danke“. Als Reaktion auf eine empfangene Wohltat signalisiert die knappe Dankesbekundung den jeweiligen Adressaten, dass man deren gute Tat erkannt hat, sie erinnert und erwidert. Zugleich stellen Dankesbezeugungen keine universelle, anthropologische Praktik dar, sondern eine Geste, die erlernt und anerzogen werden muss. Danksagungen sind dementsprechend kulturell bedingt, haben eine Geschichte und sagen genau deshalb etwas über eine spezifische Kultur und Gesellschaft aus. Denn die Fragen, wer sich bei wem, für was wie zu bedanken hat wurden im Laufe der Zeit und in unterschiedlichen Gesellschaften jeweils verschieden beantwortet. In diesem Vortrag wird durch die Analyse von (Erziehungs-)Ratgebern, literarischen Texten, Benimmbüchern, Dankesschreiben und Denkmälern nachgezeichnet, wie sich die Beantwortung dieser Fragen im deutschsprachigen Raum verändert hat. Eine kurze Geschichte der Dankbarkeit von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart wird skizziert, die zugleich etwas über gesellschaftlichen Wandel und soziale Ungleichheiten aussagt.

Jürgen Dinkel ist Historiker und vertritt aktuell die Professur für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Duisburg-Essen. Er forscht zur Entstehung, Perpetuierung, Abbau und Wahrnehmung von Ungleichheiten in unterschiedlichen Skalen: von globalen Gerechtigkeitsdebatten bis hin zum alltäglichen familialen und individuellen Umgang mit Ungleichheit bei der Verteilung von Erbe und Nachlassvermögen. Seine Schwerpunkte liegen in der Zeit des 19. bis 21. Jahrhunderts, v.a. aber in der Analyse längerer Zeiträume. In neuen Projekten arbeitet er zum Zusammenhang von Dekolonisierung und Demokratisierung, zur Geschichte sozialer Mobilität in der Moderne und an einer kurzen Geschichte der Dankbarkeit.