{"id":14994,"date":"2024-07-05T09:40:52","date_gmt":"2024-07-05T07:40:52","guid":{"rendered":"https:\/\/staging-v2.kulturwissenschaften.de\/?p=14994"},"modified":"2024-07-11T13:19:05","modified_gmt":"2024-07-11T11:19:05","slug":"die-neue-lust-an-der-entlarvung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/die-neue-lust-an-der-entlarvung\/","title":{"rendered":"Die neue Lust an der Entlarvung"},"content":{"rendered":"<p>Kaum ein Bild hat in den letzten Monaten so viele Hobbydetektive im Social Web auf den Plan gerufen, wie das erste Foto von Prinzessin Kate nach ihrer OP \u2013 Tausende pr\u00fcften das Bild bis ins kleinste Detail auf Retuschen und den vermeintlichen Einsatz von KI. Diese \u201eneue Lust an der Entlarvung\u201c (<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/roland-meyer-a6a5766b\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Roland Meyer<\/a>), diese Art von \u201ewilder\u201c Forensik war Thema des Abends \u201e<a href=\"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/veranstaltung\/podiumsdiskussion-bilder-unter-verdacht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bilder unter Verdacht<\/a>\u201c am 26.6.24 im KWI. Der Medienwissenschaftler Roland Meyer diskutierte gemeinsam mit Gastgeberin <a href=\"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/person\/dr-anja-schuermann\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anja Sch\u00fcrmann<\/a> (KWI) und Moderatorin <a href=\"https:\/\/www.kunstgeschichte.hu-berlin.de\/personen\/wissenschaftliche-mitarbeiterinnen\/katja-mueller-helle\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Katja M\u00fcller-Helle<\/a> (HU Berlin) sowie den geladenen G\u00e4sten <a href=\"https:\/\/foto.folkwang-uni.de\/de\/info\/team\/steffen-siegel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Steffen Siegel<\/a> (Folkwang Universit\u00e4t der K\u00fcnste) und <a href=\"https:\/\/www.slav.uzh.ch\/de\/seminar\/mitarbeitende\/litwiss\/sylviasasse.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sylvia Sasse<\/a> (Universit\u00e4t Z\u00fcrich) \u00fcber forensische wie pseudoforensische Lekt\u00fcren und die Frage nach der Wahrhaftigkeit (digitaler) Bilder.<\/p>\n<p>Seit der Verbreitung digitaler Fotografie in den 1990ern sind inzwischen hochprofessionelle Verfahren entwickelt worden, um eine mutma\u00dfliche Bildmanipulation identifizieren zu k\u00f6nnen. Mit Hilfe generativer K\u00fcnstlicher Intelligenz k\u00f6nnten Bilder nun jedoch \u201ekomplette Fakes\u201c sein, seitdem st\u00fcnden schlagartig <em>alle<\/em> Bilder unter Verdacht, so Meyer. Neben der professionellen Bildforensik, die rein technisch die Bilder analysiert, habe sich nun eine popul\u00e4re Forensik etabliert, die online stattfindet. Diese wilde Forensik sei jedoch hoch anf\u00e4llig f\u00fcr Manipulation, ebenso wie die \u201ePseudo-Forensik\u201c, der sich Literaturwissenschaftlerin Sylvia Sasse widmet: Sie berichtete von russischen TV-Formaten, die mittels Pseudo-Forensik gezielte Desinformation betreiben: echte Aufnahmen aus dem Ukrainekrieg werden als vermeintlich gef\u00e4lscht \u201eentlarvt\u201c und der Blick der Zuschauer damit bewusst im Sinne der russischen Kriegspropaganda gelenkt. Um solche Pseudo-Forensik ihrerseits aufzudecken und auch den Fallstricken der wilden Forensik \u00a0zu entgehen, bedarf es einmal mehr eines hohen Ma\u00dfes an Bildkompetenz, ein Aspekt, auf den Gastgeberin Anja Sch\u00fcrmann ihr Augenmerk richtete. Steffen Siegel erg\u00e4nzte die Debatte um ihre historiographische Dimension und die materiellen Bedingungen von Bildlichkeit, bei der schon eine falsche Lagerung oder gescheiterte Restaurierungsversuche historischer Fotografien einen hohen Einfluss auf ihre Lesbarkeit haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Am Ende des Abends wurden die noch ausstehenden Fragen des fachkundigen Publikums bei einem kleinen Weinempfang weiter er\u00f6rtert. Die Veranstaltung war eine Kooperation des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) mit dem <a href=\"https:\/\/www.virtuelle-lebenswelten.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SFB 1567 \u201eVirtuelle Lebenswelten\u201c (RUB)<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.kunstgeschichte.hu-berlin.de\/institut\/das-technische-bild\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Forschungsstelle \u201eDas Technische Bild\u201c (HU Berlin)<\/a>. Ausgangspunkt bildete die 19. \u00a0Ausgabe der <em><a href=\"https:\/\/www.degruyter.com\/serial\/bdw-b\/html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bildwelten des Wissens<\/a><\/em>\u00a0und deren Thema \u201eBilder unter Verdacht\u201c. Sie ist <a href=\"https:\/\/www.degruyter.com\/document\/doi\/10.1515\/9783111085692\/html?lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">open access bei DeGruyter verf\u00fcgbar<\/a>.<\/p>\n<p>Vortr\u00e4ge und Diskussion sind <a href=\"https:\/\/youtu.be\/HM5q7lG4e8Y\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auf dem KWI-YouTube-Kanal<\/a> noch einmal zum Nachschauen ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein Bild hat in den letzten Monaten so viele Hobbydetektive im Social Web auf den Plan gerufen, wie das erste Foto von Prinzessin Kate nach ihrer OP \u2013 Tausende pr\u00fcften das Bild bis ins kleinste Detail auf Retuschen und den vermeintlichen Einsatz von KI. 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