{"id":11634,"date":"2023-03-15T11:24:00","date_gmt":"2023-03-15T10:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/staging-v2.kulturwissenschaften.de\/?post_type=veranstaltung&#038;p=11634"},"modified":"2023-09-18T10:46:13","modified_gmt":"2023-09-18T08:46:13","slug":"mehr-oder-weniger-autorschaft","status":"publish","type":"veranstaltung","link":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/veranstaltung\/mehr-oder-weniger-autorschaft\/","title":{"rendered":"Vortrag: Mehr oder Weniger Autorschaft"},"content":{"rendered":"<p><i>Eine Veranstaltung der Reihe &#8220;<\/i><a style=\"font-style: italic;\" href=\"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/veranstaltungsformate\/wenn-und-aber\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wenn und Aber<\/a><i>&#8221; im Rahmen des Jahresthemas &#8220;<\/i><a style=\"font-style: italic;\" href=\"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/veranstaltungsformate\/more-or-less\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr oder Weniger<\/a><i>&#8221; . Eine\u00a0Aufzeichnung des Vortrags finden Sie <a href=\"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/mediathek\/david-lauer-postauktoriales-schreiben-und-gestalten-in-zeiten-von-chat-gpt-3-und-stable-diffusion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>. Der Vortrag wurde auch im Rahmen der H\u00f6rsaal-Reihe im Deutschlandfunk ausgestrahlt. Den Podcast finden Sie <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunknova.de\/beitrag\/kuenstliche-intelligenz-ist-die-ki-akteurin-oder-werkzeug\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/i><\/p>\n<p>Ein Gespenst geht um, nicht nur in Europa: Es ist das Gespenst in der Maschine. Die einen vermeinen in ChatGPT und anderen\u00a0<em>large language models<\/em>\u00a0(LLM) die Vorboten einer kommenden k\u00f6rperlosen Superintelligenz zu erkennen, w\u00e4hrend die anderen darin blind plappernde stochastische Papageien sehen. Nicht nur in dieser Binarit\u00e4t zeigt sich, wie stark das Denken \u00fcber die neuen k\u00fcnstlichen Intelligenzen cartesianischen Pr\u00e4missen verhaftet bleibt, sondern auch in der einseitigen Fokussierung auf die Frage nach dem m\u00f6glichen Bewusstsein solcher Systeme. Beides wird der Neuartigkeit des Ph\u00e4nomens nicht gerecht. Stattdessen gilt es zu fragen, was wir eigentlich\u00a0<em>tun<\/em>, wenn wir mit LLMs interagieren \u2013 und was LLMs tun, wenn sie Sprache oder Bilder produzieren. Sind sie Urheber, Partner im gemeinsamen Handeln oder blo\u00dfe Werkzeuge unseres ausgedehnten Geistes? Verschieben sich Sch\u00f6pfung und Korrektur lediglich in der Logik eines Mehr-oder-Weniger? Der Vortrag unternimmt eine Ann\u00e4herung an die Interaktion mit LLMs im Spannungsfeld zwischen Autoren, Agenten und Aktanten in der geteilten sozialen, symbolischen und materiellen Welt.<\/p>\n<p><strong>ZUR PERSON<br \/>\n<\/strong><em>David Lauer studierte Philosophie, Soziologie und Religionswissenschaft in Marburg und Berlin, wo er an der Freien Universit\u00e4t promoviert wurde und sich 2017 habilitierte. Nach Stationen in Berlin, Gie\u00dfen und Hildesheim lehrt er seit 2016 Philosophie an der Universit\u00e4t Kiel. Er befasst sich insbesondere mit der Philosophie der Sprache und des Geistes und mit Fragen der Subjektivit\u00e4t und Intersubjektivit\u00e4t. Er ist regelm\u00e4\u00dfiger Kommentator des Philosophie-Magazins \u201eSein und Streit&#8221; im Deutschlandfunk Kultur.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>\u00dcber die Reihe &#8220;Wenn und Aber&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Was passiert, wenn man ein Buch mit einer KI zusammen schreibt? Wenn Sprache nicht mehr nur allein imagin\u00e4re, sondern auch reale Bilder erschafft? Was, wenn alles Entscheidende sich zwischen den Dingen ereignet und nicht in Blackboxes von Platinen oder Hirnschalen?<\/p>\n<p>Was diese Fragen eint, ist das aufregende Projekt, mit dem \u201cParlament der Dinge\u201d (der Technik, den Medien, der Natur) Ernst zu machen und sie gleichberechtigt in k\u00fcnstlerische Prozesse einzubeziehen. Obwohl Roland Barthes mit seinem Aufsatz La mort de l\u2019auteur schon 1968 zu bedenken gab, dass dem Autor\/der Autorin wom\u00f6glich weitaus geringere Bedeutung zukomme als bisher angenommen (n\u00e4mlich keine), ist in zeitgen\u00f6ssischen Diskussionen um Kunst und Literatur zunehmend wieder von einem emphatischen Autorschaftkonzept die Rede, das romantische Annahmen vom sch\u00f6pferischen Genie reproduziert.<\/p>\n<p>Digitale Literatur, generative Verfahren im Design oder der Bilderstellung, die mittels sprachgesteuerter Bildgeneratoren den alten Zwist zwischen iconic und linguistic turn neu perspektivieren, sind nur einige aktuelle M\u00f6glichkeiten, die das Schreiben, Denken und Gestalten als stetigen R\u00fcckkopplungsprozess zwischen Objektwelt und Bewusstsein verstehen und \u2013 im R\u00fcckgriff etwa auf den Surrealismus und dessen Techniken des automatischen Schreibens \u00a0\u2013 mehr geschehen lassen, als selbst zu produzieren. Wo Absurdit\u00e4ten von KI-generierten Bildern und Texten als feature eines Werkes hervortreten oder Natur als Vorlage einer Nicht-Ich Welt aufscheint, wird Kunst zur kollaborativen Aushandlung. Solche k\u00fcnstlerischen Experimente bauen den Autor:innengenius ab und halten nicht l\u00e4nger an einer Sonderstellung des Menschen fest. Aber verschwindet deswegen das k\u00fcnstlerische Subjekt? \u00bbIs the artist necessary for making art today\u00ab? Die vom KWI Essen und der Folkwang Universit\u00e4t der K\u00fcnste gemeinsam organisierte Reihe \u00bb<a href=\"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/veranstaltungsformate\/wenn-und-aber\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wenn und Aber<\/a>\u00ab widmet sich in den ersten drei Veranstaltungen diesen Verschiebungen des Auktorialen in der Kunst und diskutiert das emanzipatorische Potential von \u00e4sthetischen Formen des kollaborativen Schreibens und Gestaltens zwischen Mensch und Dingwelt.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","event_category":[646,651],"class_list":["post-11634","veranstaltung","type-veranstaltung","status-publish","hentry","event_category-more-or-less","event_category-wenn-und-aber"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung\/11634","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/veranstaltung"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11634"}],"wp:term":[{"taxonomy":"event_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/event_category?post=11634"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}