{"id":12819,"date":"2023-09-11T11:36:14","date_gmt":"2023-09-11T09:36:14","guid":{"rendered":"https:\/\/staging-v2.kulturwissenschaften.de\/?post_type=veranstaltung&#038;p=12819"},"modified":"2024-03-06T12:01:16","modified_gmt":"2024-03-06T11:01:16","slug":"workshop-fehlendes-fingerspitzengefuehl-soziologie-und-poetologie-von-takt-und-taktlosigkeit","status":"publish","type":"veranstaltung","link":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/veranstaltung\/workshop-fehlendes-fingerspitzengefuehl-soziologie-und-poetologie-von-takt-und-taktlosigkeit\/","title":{"rendered":"Workshop: (Fehlendes) Fingerspitzengef\u00fchl. Soziologie und Poetologie von Takt und Taktlosigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Taktlos agiert, wer sich \u00fcberschw\u00e4nglich selbst lobt, im falschen Moment lacht, anderen die M\u00f6glichkeit zur Mitsprache abspricht, ein Geschlecht falsch deutet, sich irgendwie <em>cringy<\/em> verh\u00e4lt, unerw\u00fcnscht Hilfe anbietet, K\u00f6rperabst\u00e4nde nicht respektiert, die Schw\u00e4chen seines Gegen\u00fcbers blo\u00dfstellt, ein Geheimnis ausplaudert, Kritik unn\u00f6tig harsch formuliert, oder die Zuvorkommenheit anderer f\u00fcr den eigenen Vorteil ausnutzt. Taktlosigkeit kann sich aber auch in \u00fcbertriebener R\u00fccksicht artikulieren, etwa, wenn anstatt der kleinen L\u00fcge ein aufrichtiges Wort erwartet w\u00fcrde. In der modernen Gesellschaft haben sich die Regelsysteme des sozialen Verkehrs nicht nur differenziert, sondern diese Regeln und kulturellen Konventionen treten auch aus ihrer Latenz hervor und werden in ihrer Kontingenz sichtbar. Damit stellt sich auch die Frage, welche Regel dar\u00fcber entscheidet, wie Regeln in konkreten Situationen anzuwenden sind? Die Ausgangsthese des Workshops lautet: Man braucht <em>Fingerspitzengef\u00fchl<\/em>, um im sozialen Umgang das richtige Ma\u00df zu finden.<\/p>\n<p>Der Workshop n\u00e4hert sich der vielf\u00e4ltigen Semantik des (fehlenden) Fingerspitzengef\u00fchls \u00fcber eine interdisziplin\u00e4re Perspektive. Im Zentrum stehen soziologische, kultur- und literaturwissenschaftliche Fragen nach Medien, Formen und Funktionen des (fehlenden) Fingerspitzengef\u00fchls. Wer mit Fingerspitzengef\u00fchl kommuniziert, so Niklas Luhmann, habe gelernt, dass &#8220;nicht Tatsachen, sondern nur Mitteilungen verwunden&#8221; k\u00f6nnen. Wir gehen davon aus, sich <em>Fingerspitzengef\u00fchl <\/em>als eine Kulturtechnik der Konfliktkontrolle verstehen l\u00e4sst, \u00fcber die sich (In)Kommunikabilit\u00e4ten in der Situation steuern lassen.<\/p>\n<p>Die folgenden Leitfragen geben die Suchrichtung des Workshops vor: In welchen medialen Formaten und literarischen Genres und Gattungen wird (fehlendes) Fingerspitzengef\u00fchl problematisiert? Wie differenziert sich die Semantik historisch aus? Wie wird ein Wissen um Situationstypiken, Modelle und Strategien der Kommunikation in Szene gesetzt?In welchen gesellschaftlichen Felder und Kontexten spielen diese Szenen? Welche Typen von Interaktionen werden modelliert? Von welchen impliziten gesellschaftlichen, z.B. politischen, institutionellen Voraussetzungen gehen die Texte aus? Welche Themen- und Figurenkreise sowie Rollenkonstellation und Geschlechterverh\u00e4ltnisse treten auf? Welche Bezugsprobleme der kommunikativen Adressierung und Anrede Alter Egos werden vorgef\u00fchrt? Welche Fehlleistungen problematisiert? Welche S\u00e4tze, Gesten und Handlungen, werden als besonders taktlos diskreditiert oder als taktvoll empfohlen? Welche K\u00f6rperpolitiken, Affektmodelle, Disziplinarregime und moralischen Schemata werden implementiert? Wie werden in den Texten Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Ordnungsebenen des Sozialen dargestellt, werden z.B. strukturelle Probleme der Gesellschaft \u00fcber taktvolles Verhalten in Interaktionen versch\u00e4rft, oder Macht- und Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse tradiert? F\u00fcr welches Problem ist Takt und Fingerspitzengef\u00fchl in den Texten eine L\u00f6sung? Und worin liegen umgekehrt die Leistungen der Taktlosigkeit?<\/p>\n<p>Am 7.3. findet um 17:30 Uhr der \u00f6ffentliche Vortrag &#8220;<a href=\"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/veranstaltung\/zum-taktvollen-umgang-mit-menschen-und-dem-dritten-in-der-kommunikation-am-beispiel-von-goethes-wahlverwandtschaften-und-jane-austens-persuasion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zum taktvollen Umgang mit Menschen und dem Dritten in der Kommunikation. Am Beispiel von Goethes <em>Wahlverwandtschaften<\/em>\u00a0und Jane Austens <em>Persuasion<\/em><\/a>&#8221; von R\u00fcdiger Campe (Yale University) statt.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","event_category":[646],"class_list":["post-12819","veranstaltung","type-veranstaltung","status-publish","hentry","event_category-more-or-less"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung\/12819","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/veranstaltung"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12819"}],"wp:term":[{"taxonomy":"event_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/event_category?post=12819"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}