{"id":16595,"date":"2025-02-05T13:12:33","date_gmt":"2025-02-05T12:12:33","guid":{"rendered":"https:\/\/staging-v2.kulturwissenschaften.de\/?post_type=veranstaltung&#038;p=16595"},"modified":"2026-01-23T09:31:48","modified_gmt":"2026-01-23T08:31:48","slug":"cringe-konsumieren","status":"publish","type":"veranstaltung","link":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/veranstaltung\/cringe-konsumieren\/","title":{"rendered":"Cringe konsumieren"},"content":{"rendered":"<p>Unter der \u00dcberschrift <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/lifeandstyle\/2024\/dec\/28\/the-year-in-stuff-from-chicken-wine-to-cucumbers-and-mini-mullets\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>The Year in Stuff<\/em><\/a> hat der <em>Guardian<\/em> in einem Stilr\u00fcckblick f\u00fcr das Jahr 2024 eine Liste modischer Dinge und Konsumg\u00fcter ver\u00f6ffentlicht. Der Abend greift zwei Elemente dieser Liste auf, in denen sich <em>guilty pleasures<\/em> verk\u00f6rpern, n\u00e4mlich Miranda Julys Roman <em>All Fours<\/em> und der Stanley Cup als ein durch TikTok popularisiertes Accessoire. In beiden F\u00e4llen lassen sich Praktiken und Darstellungen eines Geltungskonsums finden, deren geschlechtlich codierte \u00c4sthetiken ambivalente Affekte des Fantums und der Affiliation einerseits, der Abwendung und des Ekels andererseits provozieren. Ausgehend von der Bestimmung von <em>guilty pleasure<\/em> als \u201ccontemporary technique for legitimizing and reinforcing social inequalities\u201d (<a href=\"https:\/\/blog.kulturwissenschaften.de\/guilty-pleasures-as-conspicuous-consumption\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">so Paul Buckermann im KWI-Blog<\/a>), diskutieren Theresa Heyd und Heide Volkening zusammen mit Roxanne Phillips \u00dcberkreuzungen und Verbindungen von Geschlecht und Klasse im Hinblick auf <em>Cringe<\/em>-Urteile.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Teil I. <em>Digitale Gef\u00e4\u00dfe: Stanley Cups und konsumiertes Geschlecht<\/em> (Theresa Heyd)<\/p>\n<p>Der Stanley Cup ist das sinnbildliche digitale Artefakt des Jahres 2024. Von einem unscheinbaren Thermobecher entwickelte er sich durch seine mediatisierte Reproduktion auf TikTok und Instagram zu einem begehrten, gesammelten und vielf\u00e4ltig diskursivierten Accessoire. Stanley Cups sind in mehrfacher Hinsicht sp\u00e4tkapitalistische Zeichen des Exzesses \u2013 durch ihre Gr\u00f6\u00dfe, ihre Verf\u00fcgbarkeit in allen Schattierungen des Regenbogens und ihr umfangreiches Zubeh\u00f6r wie Snack-Schalen, Tragetaschen und passende Deckel und Strohhalme. Diese exzessiven Praktiken werden weiblich codiert, sie werden mit Sorge-, Sch\u00f6nheits- und K\u00f6rperarbeit in Verbindung gebracht (etwa dem Pausenbrot und der Fl\u00fcssigkeitszufuhr) und sie werden durch digitale Stereotype wie die mormonische Szene der Momfluencerinnen beeinflusst und reproduziert. Daraus resultieren intensive soziolinguistische Praktiken \u00fcber Stanley Cups in Online-R\u00e4umen \u2013 seien es affirmative Video-Formate wie die Get Ready With Me-Routinen, in denen Cups geliebte Objekte werden, oder stilisierte Reproduktionen, die vergeschlechtlichte Sprechweisen in den Mittelpunkt stellen. Diese Analyse versteht den Stanley Cup als ein digitales Gef\u00e4\u00df f\u00fcr weiblichen Exzesses, das Diskurse \u00fcber Konsum, Geschlecht und ambivalente Affekte transportiert.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Teil II. <em>Bourgeoisie in der Vorstadt: Inneneinrichtung, Kunst und All Fours<\/em> (Heide Volkening)<\/p>\n<p>Seit seiner Ver\u00f6ffentlichung 2024 hat Miranda Julys autofiktionaler Roman <a href=\"https:\/\/www.kiwi-verlag.de\/buch\/miranda-july-auf-allen-vieren-9783462001174?pt_ref=buchlink&amp;utm_campaign=9783462001174&amp;utm_medium=buchlink&amp;utm_source=perlentaucher.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>All Fours<\/em><\/a> in sozialen Medien sowohl f\u00fcr \u00f6ffentliche Ablehnung und Aufregung als auch f\u00fcr euphorisches Fantum und Gemeinschaftsbildung gesorgt. Ermuntert durch die Autorin begannen ihre Instagram Follower*innen mit der Bildung des sogenannten <em>All Fours<\/em> Group Chat, den July als Fl\u00fcsternetzwerk von Leser*innen beschrieben hat, die sich in Themen des Romans wie Menopause, Eheleben, Mutterschaft und Begehren wiedergefunden haben. <em>All Fours<\/em> verbindet diese Themen mit einer Reflexion \u00fcber die Rolle von Kunst im Zeitalter exzessiven Konsums. Selbst ein Gegenstand von Genuss und \u00e4sthetischem Urteil setzt der Roman Inneneinrichtungen und Kunst als Ph\u00e4nomene sozialer Distinktion in Szene und spielt die damit verbundenen Fragen gesellschaftlicher Stratifikation durch. Nachdem die namenlose Protagonistin und Erz\u00e4hlerin ein am \u201earistokratischen Modell\u201c (Pierre Bourdieu) orientiertes Zimmer eines franz\u00f6sischen Luxushotels in einem durchschnittlichen Motelzimmer einer kalifornischen Kleinstadt nachgebildet hat, durchlebt sie dort eine Reihe von h\u00e4ufig als <em>cringe<\/em> beschriebenen Momenten. In der Reflexion von Klasse, Geschlecht und Alter, Hoch- und Unterhaltungskultur entwirft der Roman Szenarien von non-guilty pleasures.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":16851,"template":"","event_category":[670],"class_list":["post-16595","veranstaltung","type-veranstaltung","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","event_category-guilty-pleasures"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung\/16595","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/veranstaltung"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16851"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16595"}],"wp:term":[{"taxonomy":"event_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/event_category?post=16595"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}