{"id":16789,"date":"2025-03-11T11:06:53","date_gmt":"2025-03-11T10:06:53","guid":{"rendered":"https:\/\/staging-v2.kulturwissenschaften.de\/?post_type=veranstaltung&#038;p=16789"},"modified":"2025-06-04T11:12:13","modified_gmt":"2025-06-04T09:12:13","slug":"gewaltlust-1900-zur-herausbildung-eines-modernen-gefuehls","status":"publish","type":"veranstaltung","link":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/veranstaltung\/gewaltlust-1900-zur-herausbildung-eines-modernen-gefuehls\/","title":{"rendered":"Gewaltlust 1900"},"content":{"rendered":"<p>Wer Lust aus Gewalt zieht, scheint sich schuldig zu machen oder irritiert zumindest moralische Empfindungen. Allerdings deuten die vielen kulturellen Artefakte, in denen Gewalt erfahren werden kann \u2013 von Computerspielen und Horrorfilmen \u00fcber True Crime Podcasts bis zu Genres von Pornografie \u2013 darauf hin, dass Gewaltlust weit verbreitet ist. Daher steht zu vermuten, dass sie nicht zu untersch\u00e4tzende gesellschaftliche Funktionen aus\u00fcbt. Es existiert eine dunkle Seite des Lustprinzips, die sich im Genie\u00dfen von Herabsetzung und Dominanz offenbart. Sie kennt vielf\u00e4ltige Formen: Gewaltlust kann ein beidseitiges Begehren sein, das Menschen gezielt miteinander ausleben. Sie kann sich als sozialer Sadismus in Misogynie und Rassismus Bahn brechen und eine besorgniserregende politische Schlagkraft entwickeln. Als Masochismus kann sie sich auch gegen das eigene Selbst wenden.<\/p>\n<p>Sigmund Freud spekuliert kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, dass Gewaltlust in Kombination mit den Schuldgef\u00fchlen, die ihr auf dem Fu\u00dfe folgen, Kultur erst begr\u00fcndet. Gerade in der Zeit um 1900 wird viel \u00fcber den Zusammenhang von Lust und Gewalt nachgedacht, etwa in der entstehenden Sexualwissenschaft und in der Psychologie. Vor diesem Hintergrund sp\u00fcren Iris D\u00e4rmann (<a href=\"https:\/\/www.matthes-seitz-berlin.de\/buch\/sadismus-mit-und-ohne-sade.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Sadismus mit und ohne Sade<\/em>, Berlin 2023<\/a>) und Roland Spalinger (<a href=\"https:\/\/www.zora.uzh.ch\/id\/eprint\/260394\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Heiliges Leiden. Weiblich codierter Masochismus in Dolorosas (alias Maria Eichhorn<\/em>) &#8220;<em>Confirmo te chrysmate&#8221;<\/em><\/a>, Z\u00c4K 2024) in zwei Kurzvortr\u00e4gen der Frage nach, inwiefern Gewaltlust ein spezifisch modernes Gef\u00fchl ist. Zur Diskussion steht, ob die Gewaltr\u00e4ume und Bildwelten des europ\u00e4ischen Kolonialismus genauso wie die patriarchalen Strukturen der b\u00fcrgerlichen Familie um 1900 zentrale Katalysatoren einer Lust an der Unterwerfung sind, die sich von der strafenden und r\u00e4chenden Gewalt vorheriger Epochen unterscheidet. Einen privilegierten Ort der Artikulation findet, so ihre These, diese moderne Gewaltlust auch in der Literatur, die jedoch zugleich M\u00f6glichkeiten der kritischen Verarbeitung bereith\u00e4lt.<\/p>\n<p>Welche m\u00f6glicherweise produktiven Irritationen der Blick auf die Zeit um 1900 f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Gewalt und Lust bereith\u00e4lt, ist Gegenstand des Gespr\u00e4chs, das Iris D\u00e4rmann und Roland Spalinger im Anschluss an ihre Kurzvortr\u00e4ge mit Morten Paul und Roxanne Phillips f\u00fchren. L\u00e4sst sich ausgehend von den Verhandlungen von Gewaltlust am Anfang des 20. Jahrhunderts auch ein neues Licht auf unsere Gegenwart werfen?<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","event_category":[669,670],"class_list":["post-16789","veranstaltung","type-veranstaltung","status-publish","hentry","event_category-wisssommer","event_category-guilty-pleasures"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung\/16789","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/veranstaltung"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16789"}],"wp:term":[{"taxonomy":"event_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/event_category?post=16789"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}