{"id":18257,"date":"2025-10-10T07:45:52","date_gmt":"2025-10-10T05:45:52","guid":{"rendered":"https:\/\/staging-v2.kulturwissenschaften.de\/?post_type=veranstaltung&#038;p=18257"},"modified":"2026-01-28T13:59:34","modified_gmt":"2026-01-28T12:59:34","slug":"300-und-die-festung-europa","status":"publish","type":"veranstaltung","link":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/veranstaltung\/300-und-die-festung-europa\/","title":{"rendered":"300 und die &#8220;Festung Europa&#8221;. Mythische Tendenzen in der neurechten Popkultur"},"content":{"rendered":"<p>Der Vortrag besch\u00e4ftigt sich mit weitergehenden Codierungsformen, mit denen die Identit\u00e4re Bewegung eine neurechte Symbolwelt geschaffen hat, die aus sehr spezifischen mythischen Quellen sch\u00f6pft, die meist bereits popul\u00e4rkulturell gefiltert wurden, wie etwa der Kinofilm 300 von Zack Snyder. Aus dieser Popmythologie wurde ein radikales eurozentrisches oder selbstbenannt \u201eethnopluralistisches\u201c Narrativ gewonnen, das sich f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Publikum nur mit Kontextwissen erschlie\u00dft. In medialen Beispielanalysen wird deutlich: die visuelle \u00c4sthetik der Identit\u00e4ren Bewegung formiert sich in ihrer konsequent durchgestylten Bildsprache, die auf Professionalit\u00e4t, Klarheit und Emotionalisierung setzt \u2013 ganz \u00e4hnlich wie moderne Werbekampagnen oder Influencer-Marken.<\/p>\n<p>Die Identit\u00e4re Bewegung nutzt vorwiegend \u00e4sthetisch ansprechende, kontrastreiche Bilder. Ihre \u00e4sthetisierte M\u00e4nnlichkeit dient der Inszenierung von St\u00e4rke, Disziplin und Opferbereitschaft. Ihre Videos sind oft mit dramatischer Musik unterlegt, beinhalten Drohnenaufnahmen, Zeitlupen, moderne Typografie und Schwarz-Wei\u00df-\u00c4sthetik. Inhalte werden klar strukturiert, emotional erz\u00e4hlt und mit Pathos aufgeladen. Diese visuelle Codierung kn\u00fcpft an etablierte und vertraute Muster an, um ideologische Inhalte zu verschleiern und einem gr\u00f6\u00dferen Publikum nahezubringen.<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Prof. Dr. Marcus Stiglegger lehrt Film- und Medienkulturwissenschaft in Regensburg und Ludwigsburg. Nach einem Studium der Ethnologie, Film- und Theaterwissenschaft in Mainz und einer Dissertation zum Thema Geschichte, Film und Mythos (SadicoNazista. Geschichte &#8211; Film &#8211; Mythos, Hagen: Eisenhut 2014, 3. Auflage.) habilitierte er zum Thema Seduktionstheorie des Films (Ritual &amp; Verf\u00fchrung, Berlin: Bertz + Fischer 2006). Seine Forschungsgebiete sind Autorentheorie, Genretheorie, Seduktionstheorie des Films und Erinnerungskultur. In seinem aktuellen Projekt \u201eHoloFiction\u201c \u2013 arbeitet er an einem Buch- und Ausstellungsprojekt \u00fcber filmische Inszenierungen des Holocaust. Au\u00dferdem ist er Mitverantwortlicher des Podcasts &#8220;Projektionen \u2013 Kinogespr\u00e4che&#8221;.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die CineScience-Reihe \u201eGef\u00e4hrliche Sch\u00f6nheit\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Kaum ein Medium versteht es so wirkungsvoll, Macht zu inszenieren, Pathos zu erzeugen und Ideologie in verf\u00fchrerische Bilder zu kleiden wie der Film. Ob kathartische Schlachten, heroisch \u00fcberh\u00f6hte Figuren oder dystopische Weltentw\u00fcrfe \u2013 die Leinwand ist voller Szenen, die \u00e4sthetisch \u00fcberw\u00e4ltigen und das Publikum in ihren Bann ziehen k\u00f6nnen. Oft ist es gerade ihre \u201eSch\u00f6nheit\u201c, die die Wucht der Botschaft in den Hintergrund r\u00fcckt oder sogar vergessen l\u00e4sst; als \u201efaszinierend\u201c charakterisierte etwa Susan Sontag die Bildsprache, in die Leni Riefenstahl den Faschismus kleidete. Unter dem Titel \u201eGef\u00e4hrliche Sch\u00f6nheit\u201c widmet sich CineScience im Wintersemester 2025\/26 dieser sinistren Vereinnahmungskunst. Gezeigt werden Filme, die politische Mythen produzieren, Monumente errichten und in stilisierten Dystopien autorit\u00e4res Denken spiegeln, aber auch solche, die subtilere Formen der Propaganda betreiben. Das Spektrum reicht von vermeintlich harmloser Unterhaltung \u00fcber (post-)sowjetische Kriegsverherrlichung bis hin zu martialischen Blockbuster-Filmen.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","event_category":[90],"class_list":["post-18257","veranstaltung","type-veranstaltung","status-publish","hentry","event_category-cinescience"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung\/18257","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/veranstaltung"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18257"}],"wp:term":[{"taxonomy":"event_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/event_category?post=18257"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}