{"id":19786,"date":"2026-04-20T10:32:53","date_gmt":"2026-04-20T08:32:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/?post_type=veranstaltung&#038;p=19786"},"modified":"2026-06-10T13:11:28","modified_gmt":"2026-06-10T11:11:28","slug":"das-wars","status":"publish","type":"veranstaltung","link":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/veranstaltung\/das-wars\/","title":{"rendered":"Das war&#8217;s? Schwellenangst und Schwellenkunst am akademischen Karriereende"},"content":{"rendered":"<p>Weil Wissenschaft immer noch als Beruf und Berufung gilt, stellt das verordnete Aufh\u00f6ren f\u00fcr Professor*innen trotz guter Pensionsaussichten h\u00e4ufig eine Zumutung dar. W\u00e4hrend der Zugang zum Wissenschaftssystem vielf\u00e4ltig thematisiert und beforscht wird, sprechen wir nur z\u00f6gernd \u00fcber das Ende unserer Karrieren. Gerade von hier aus ergeben sich aber Akteurs- und\u00a0 Strukturfragen, die sich\u00a0 unter dem Druck schwindender Ressourcen zu Generationenkonflikten, Verteilungsk\u00e4mpfen und Gerechtigkeitsproblemen verdichten k\u00f6nnen. Bisher sind diese eher punktuell in Arbeiten aus der Hochschul- und Organisationsforschung, der Wissenschaftssoziologie und der Wissenschaftsgeschichte bearbeitet worden.<\/p>\n<p>Julika Griems Vortrag erg\u00e4nzt diese Studien um kulturwissenschaftliche und erz\u00e4hltheoretische Perspektiven und konzentriert sich dabei auf das institutionelle Ritual der Abschiedsvorlesung und ihre narrativen Affordanzen. Sie erg\u00e4nzt die Analyse dieses faktualen Genres um eine Lekt\u00fcre des letzten Bandes von J. J. Voskuils Institutionenroman-Saga Het Bureau, einer fiktionalisierten Mikrosoziologie des Alltags eines volkskundlichen Forschungsinstituts. Wie reale akademische Akteur*innen findet auch Voskuils tragikomischer Anti-Held Maarten Koning Mittel und Wege, um am Ende nicht aufh\u00f6ren zu m\u00fcssen. Aus diesen l\u00e4sst sich ein Repertoire von Formen rekonstruieren, mit denen die Verlaufsmuster akademischer Lebensl\u00e4ufe auf Proben von Sinnstiftung gestellt werden. Zur Diskussion wird auch stehen, wie sich unterschiedliche Materialtypen wie z. B. Antrittsvorlesungen, Interviews, Lebensl\u00e4ufe, Nachrufe, Anekdoten und literarische Quellen in einer interdisziplin\u00e4ren Analyse integrieren lassen.<\/p>\n<p><em>\u00dcber die Konferenz &#8220;Aufh\u00f6ren. K\u00f6nnen&#8221; (10.06.2026 &#8211; 12.06.2026)<\/em><\/p>\n<p>Zum Auftakt des ifk Schwerpunkts <em>Vor den letzten Dingen<\/em> widmet sich die Konferenz den Schwierigkeiten und Freuden des Aufh\u00f6rens. Hans Magnus Enzensberger hoffte 1989 auf mehr gesellschaftliche Anerkennung fu\u0308r \u00bbHelden des Ru\u0308ckzugs\u00ab, die er etwa in Michail Gorbatschow verk\u00f6rpert sah. Das derzeitige politische Personal kultiviert hingegen oftmals \u2013 nicht nur geschlechterpolitisch problematisch \u2013 m\u00e4nnlichen Dezisionismus und Aussitzen statt aufrechten Abgang. Auch in anderen machtimpr\u00e4gnierten Bereichen f\u00e4llt das Aufh\u00f6ren schwer: So etwa das Beenden einer kohlenstoffbasierten, extraktiven Form der Energiegewinnung und des Wirtschaftens. Es fehlt zwar nicht an wissenschaftlichen Nachweisen dafu\u0308r, dass, wenn man einfach weitermacht, viele Systeme kollabieren werden, Ru\u0308ckzug, gew\u00e4hlte Abstinenz oder Verzicht, um dem Zusammenbruch zu entgehen, erweisen sich aber vielerorts als unpopul\u00e4r. Es scheint daher an der Zeit, sich eingehender mit der Kultivierung von Praktiken des Beendens im Kapitaloz\u00e4n zu befassen; mit ihrer Geschichte, mit ihren Wissensvoraussetzungen, ihren Selbsttechniken oder mit den Interdependenzen zwischen Theorieproduktion, Systemen und Praktiken. Wie sehen solche Praktiken, im Gro\u00dfen und im Kleinen, aus? Was geh\u00f6rt dazu und was braucht es, um sie zu lernen und einzuu\u0308ben \u2013 und umgekehrt andere zu verlernen? Und nicht zuletzt ist Aufh\u00f6ren nicht nur eine Zivilisationstechnik, sondern mitunter auch eine Kunst.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","event_category":[44],"class_list":["post-19786","veranstaltung","type-veranstaltung","status-publish","hentry","event_category-kwi-on-tour"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung\/19786","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/veranstaltung"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19786"}],"wp:term":[{"taxonomy":"event_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/event_category?post=19786"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}