{"id":19950,"date":"2026-05-21T12:12:26","date_gmt":"2026-05-21T10:12:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/?post_type=veranstaltung&#038;p=19950"},"modified":"2026-07-02T11:11:10","modified_gmt":"2026-07-02T09:11:10","slug":"zwischen-zugang-abbruch-und-aufloesung-scheitern-als-erkenntnismoment-ethnografischer-forschung","status":"publish","type":"veranstaltung","link":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/veranstaltung\/zwischen-zugang-abbruch-und-aufloesung-scheitern-als-erkenntnismoment-ethnografischer-forschung\/","title":{"rendered":"Zwischen Zugang, Abbruch und Aufl\u00f6sung: Scheitern als Erkenntnismoment ethnografischer Forschung"},"content":{"rendered":"<p>In der Ethnografie dominieren nach wie vor Berichte \u00fcber erfolgreiche Feldzug\u00e4nge und gelingende Forschungsergebnisse. Selten thematisiert werden hingegen gescheiterte Feldzug\u00e4nge, abgebrochene F\u00e4lle oder die kontinuierlichen Anpassungen, die im Forschungsprozess an die Bedingungen des Feldes erforderlich sind. Dabei er\u00f6ffnen gerade diese <em>Fehlverl\u00e4ufe <\/em>wichtige Einblicke in die Dynamiken des Forschungsfeldes. Damit geraten jene Aspekte ins Nicht-Thematisierte, die sich in der tats\u00e4chlichen Feldpraxis als zentral erweisen: gescheiterte Zug\u00e4nge, br\u00fcchige Beziehungen oder pl\u00f6tzlich aufl\u00f6sende Settings. Der Beitrag greift diese Leerstellen auf und diskutiert Scheitern als konstitutiven Bestandteil ethnografischen Forschens.<\/p>\n<p>Grundlage bildet ein mehrj\u00e4hriges ethnografisch angelegtes DFG-Projekt \u201e<em>Osteurop\u00e4ische Live-In-Hilfen in h\u00e4uslichen Versorgungstriaden bei Demenz\u201d, <\/em>welches seit 2023 an der Universit\u00e4t Oldenburg und am Kulturwissenschaft Institut Essen (KWI) durchgef\u00fchrt wird. Das Forschungsfeld ist durch besondere Vulnerabilit\u00e4t, moralische und rechtliche Ambivalenzen sowie hohe Fluktuation gepr\u00e4gt: Betreuungshilfen wechseln im Turnus von wenigen Wochen im Haushalt der zu pflegenden Personen, Versorgungsarrangements l\u00f6sen sich abrupt auf, Demenzverl\u00e4ufe ver\u00e4ndern Interaktionsm\u00f6glichkeiten, die Menschen mit Demenz ziehen ins Pflegeheim oder in eine Demenz-WG und nicht selten versterben sie w\u00e4hrend des Forschungsprozesses. Das Feld der <em>Live-In<\/em>-Care in Deutschland wird als <em>Dauerkrise<\/em> verstanden (Grenz et al. 2025), was auch den Forschungsprozess beschreibt. Forschende sehen sich permanent unvorhersehbaren H\u00fcrden gegen\u00fcbergestellt und m\u00fcssen kontinuierlich Zugangsm\u00f6glichkeiten und Beziehungen erschlie\u00dfen, h\u00e4ufig ohne, dass dies unmittelbare Ergebnisse oder R\u00fcckmeldungen liefert. Auch wenn ein Zugang zun\u00e4chst gelingt, kann er h\u00e4ufig sehr schnell wieder abbrechen. Hinzu kommt, dass methodische oder technische Erg\u00e4nzungen, wie Video- oder Fotodokumentationen, oft nicht realisierbar sind. In solchen F\u00e4llen kann das urspr\u00fcnglich geplante Datenmaterial nicht erhoben werden, und das Forschungsdesign muss angepasst und umstrukturiert werden.<\/p>\n<p>Der Beitrag versteht diese Erfahrungen nicht als individuelle Schwierigkeiten des einzelnen Ethnografen oder Ethnografin, sondern als analytisches Fenster in das Forschungsfeld selbst: Was zeigt sich \u00fcber h\u00e4usliche Versorgungsarrangements, die darin bestehenden institutionelle Rahmungen und Machtasymmetrien und ihnen unterliegenden Care-\u00d6konomien gerade im Moment des forschungspraktischen Misslingens? Ziel des Beitrags ist es, Scheitern nicht als Defizit, sondern als Erkenntnismoment zu verstehen, das etwas \u00fcber die Struktur und Dynamik des Feldes, \u00fcber Grenzen ethnografischer Pr\u00e4senz und \u00fcber die situierte Position der Forschenden selbst aussagt. Der Beitrag l\u00e4dt dazu ein, \u00fcber (vermeintliches) Scheitern im ethnografischen Kontext zu reflektieren, sowohl \u00fcber das Erkenntnispotenzial, das daraus f\u00fcr die Analyse der Forschungsfelder entstehen kann, als auch \u00fcber die Anstrengungen, Schwierigkeiten und Wege, die sich als Sackgassen erweisen und den Forschungsprozess verl\u00e4ngern, erschweren oder notwendigerweise ver\u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","event_category":[44],"class_list":["post-19950","veranstaltung","type-veranstaltung","status-publish","hentry","event_category-kwi-on-tour"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung\/19950","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/veranstaltung"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19950"}],"wp:term":[{"taxonomy":"event_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/event_category?post=19950"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}