{"id":20318,"date":"2026-07-14T12:12:14","date_gmt":"2026-07-14T10:12:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/?post_type=veranstaltung&#038;p=20318"},"modified":"2026-07-14T12:30:22","modified_gmt":"2026-07-14T10:30:22","slug":"arrangements-und-politiken-des-komischen","status":"publish","type":"veranstaltung","link":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/veranstaltung\/arrangements-und-politiken-des-komischen\/","title":{"rendered":"Arrangements und Politiken des Komischen"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Das Komische entfaltet sich auf unendlich vielf\u00e4ltigen Wegen. Immer kommt es dabei zu fein austarierten Arrangements verschiedener Codes und Kan\u00e4le, Medien und Materialit\u00e4ten, Objekte, K\u00f6rper und Bedeutungen in spezifischen Raum- und Zeitregimes; nicht nur in der strategischen Inszenierung von Komik, sondern auch in sich spontan und\/oder zuf\u00e4llig ereignenden Komikmomenten. Dabei k\u00f6nnen \u2013 teils durch virtuose Orchestrierung \u2013 verbale und non-verbale, textuelle, visuelle oder akustische Elemente zu Arrangements des Komischen zusammentreten bzw. ihrerseits als komische Arrangements sp\u00fcrbar werden. Wo gelacht wird oder gelacht werden soll, geht es um Fragen der performativen Operationalisierung, ein gekonntes Ins-Verh\u00e4ltnis-Setzen sprachlicher Patterns und akrobatischer Bewegungsmuster, um die pointierte Ausstellung des gleicherma\u00dfen Erwartbaren wie \u00dcberraschenden, um eine irritierende, wiewohl als belachenswert markierte Ver- und Entkn\u00fcpfung von Handlungselementen, um die Kombination von (vermeintlich) Unzusammenh\u00e4ngendem, um perfektes oder gescheitertes Timing, um ein Spiel mit Taktung und Taktlosigkeit, mit Abl\u00e4ufen und ihrer St\u00f6rung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Scheitern etwa kann nur dann zu genuin komischem Scheitern im Zeichen fremdbestimmter K\u00f6rperlichkeit avancieren, wenn es auf das Widerspiel von Spontaneit\u00e4t und Inszenierung, von Unmittelbarkeit und Redundanz\/Rekurrenz durchsichtig wird. Eindr\u00fccklich vor Augen f\u00fchrt dies das elfmalige Stolpern des Butlers James (alias Freddie Frinton) \u00fcber den Kopf eines Tigerfells in <em>Dinner for One<\/em> (1963 [1934]; L. Wylie); ein wenig origineller (aber gleichwohl buchst\u00e4blicher) <em>running gag<\/em>, dessen kunstvolles Arrangement sp\u00e4testens dort offenkundig wird, wo Repetition und Variation ineinander umschlagen, wo also der zunehmend alkoholisierte James zur eigenen \u00dcberraschung einmal dem Tigerfell auszuweichen vermag, dann aber auf dem R\u00fcckweg strauchelt, schlie\u00dflich distinguiert dar\u00fcber hinwegschreitet und am Ende volltrunken dar\u00fcber springt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Derlei tief im Ged\u00e4chtnisarchiv des Komischen verortete Szenarien beruhen auf einer gl\u00fccklichen F\u00fcgung zwischen produktions\u00e4sthetisch brillanter Darstellung und dem wirkungs\u00e4sthetischen Angebot, ebendiese Darstellung mittels entsprechender <em>comic literacy<\/em> voll auskosten zu k\u00f6nnen. Die Arrangements, um die es der zweiten Jahrestagung des DFG-Netzwerks <a href=\"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/projekt\/comic-literacies\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Comic Literacies \u2013 Kulturtechniken des Komischen <\/em><\/a>zu tun ist und zu deren Untersuchung wir anregen, operieren somit beidseitig: Sie bed\u00fcrfen zum einen der kreativen Performanz komplexer oder gezielt reduzierter, r\u00e4umlich und zeitlich vielfach gerahmter Dramaturgien und Choreographien. Zum anderen adressieren sie \u2013 gem\u00e4\u00df dem Zugang des Netzwerks \u2013 die kulturtechnische Kompetenz, das komisch Arrangierte in seinem Affizierungspotential zu aktualisieren. Hier zielt die Tagung auf Mikroanalysen spezifischer Strukturprinzipien in Literatur, Film und Serie, in Theater, Oper und Musik, in Kabarett, Stand-Up-Comedy oder der Vielfalt netzbasierter Formate (Reels, Memes etc.).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein ma\u00dfgebliches weiteres Anliegen der Tagung ist es, das Konzept des Arrangements vom engen \u00e4sthetisch-artistischen Verst\u00e4ndnis \u2013 mitsamt mannigfachen Ausdifferenzierungen in den verschiedenen K\u00fcnsten \u2013 auf eine soziokulturelle und, vielleicht dezidierte noch, auf eine politische Dimensionalit\u00e4t zu \u00f6ffnen. Zum Lemma dieser \u00d6ffnung taugt wom\u00f6glich Michel Foucaults schillernder Terminus des \u201aDispositivs\u2018 (<em>Dispositive der Macht. \u00dcber Sexualit\u00e4t, Wissen und Wahrheit<\/em>. Berlin 1978, S. 119f.). Als \u201eheterogenes Ensemble\u201c aus Gesagtem und Ungesagtem, aus Diskursen, Medien und Institutionen, aus Regularien, gouvernementalen Praktiken und Selbsttechniken integrieren Dispositive nicht zuletzt auch die Konventionen und Transgressionen des Komischen. Dieses kann sich dabei sowohl als Ph\u00e4nomen alltagskultureller Interaktion, z.B. als ausgetauschter Witz, aber auch als durchgestaltetes Artefakt bzw. als aufw\u00e4ndig produzierte Auff\u00fchrung vor Publikum zeigen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Arrangements solcherart als Dispositive aufzufassen, erschlie\u00dft neben der beschriebenen mikrologischen Perspektive eine Makroebene der Komik-Produktion und Komik-Rezeption, auf welcher dann auch \u00dcberlegungen zur soziologischen, medientechnologischen, \u00f6konomischen und eben politisch-ideologischen Rahmenpragmatik verhandelt werden k\u00f6nnen. Es erlaubt dar\u00fcber hinaus, der heute mehr denn je brisanten Beobachtung nachzugehen, dass sich mit gewissen Arrangements des Komischen unweigerlich Machteffekte und Machtverh\u00e4ltnisse verbinden, dass diese gezielt intendiert werden oder sich in besagtem Ensemble intervenierender <em>agencies<\/em> schlichtweg einstellen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn ebenso wie das Komische selten v\u00f6llig schmerzfrei \u00fcber die B\u00fchne geht und ungeachtet des aristotelischen Postulats mitunter gemeinsame Sache mit dem Abgr\u00fcndigen, Exzessiven, Abjekten, jedoch auch Tragischen und Melodramatischen macht, sind die es erzeugenden Kompositionsregimes niemals unschuldig oder uninteressiert. Noch dort, wo sie Kunstfertigkeit oder Kontingenz hervorkehren, nehmen komisierende Arrangements immer auch Bezug auf normative Ordnungsmuster, sozio\u00f6konomische Hierarchien, ja sogar biopolitische Disziplinierungen. Sie steuern Blickrichtungen und filtern somit Wahrnehmung, sie verteilen Redeanteile und bringen demnach zum Sprechen oder zum Verstummen, sie priorisieren und marginalisieren Verhaltensmuster, Lebensstile oder Gender-Rollen, sie pr\u00e4mieren oder stigmatisieren gewisse K\u00f6rperlichkeiten, Hautfarben oder Herk\u00fcnfte, kurzum: Sie aktivieren, gewollt oder ungewollt, allerlei <em>biases<\/em> und Zurichtungen, derer sich das Spiel komischer Ambiguit\u00e4ten mit zuweilen problematischen Konsequenzen bedient.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist dieser, im weiten Sinn politische <em>impact<\/em> komischer Arrangements, zu dessen Erkundung die interdisziplin\u00e4re Tagung des Netzwerks alle (film-, kultur-, literatur-, medien-, musik- und theaterwissenschaftlich, aber auch linguistisch, soziologisch und ethnologisch) Interessierten herzlich einl\u00e4dt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weitere Informationen bieten der <a href=\"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/arrangements_tagung_muc_cfp_10-12.3.2027_final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Call for Papers<\/a> und die <a href=\"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/projekt\/comic-literacies\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Homepage des Netzwerks<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","event_category":[722,44],"class_list":["post-20318","veranstaltung","type-veranstaltung","status-publish","hentry","event_category-aesthetische-praktiken","event_category-kwi-on-tour"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung\/20318","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/veranstaltung"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/veranstaltung"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20318"}],"wp:term":[{"taxonomy":"event_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kulturwissenschaften.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/event_category?post=20318"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}