Die Künste stehen nicht ohne Grund im Mittelpunkt aktueller Debatten um Antisemitismus. Spätestens seit den Kontroversen um die Ruhrtriennale 2020 und die documenta fifteen 2022 sowie verstärkt mit dem islamistischen Terroranschlag auf Israel vom 7. Oktober 2023 zeigt sich eine quantitative Zunahme und inhaltliche Verschärfung der inhaltlichen Auseinandersetzung über antisemitische Statements, Kunstwerke und Protestaktionen. Entsprechende Diskussionen drehen sich dabei rasch um öffentliche Finanzierung, Antisemitismusdefinitionen, Ein- und Ausladungspolitik, Hass auf Israel, die Rolle postkolonialer Theorie und die Gefahren für jüdisches Leben in Deutschland.
Die Künste werden in diesen Debatten oft stellvertretend für gesamtgesellschaftliche Konflikte um Antisemitismus, Israelfeindlichkeit und Erinnerung in Deutschland wahrgenommen. Die Verläufe und Themen einzelner Skandale ähneln sich dabei über verschiedene Künste – von bildender Kunst über Musik bis zum Film – hinweg. Schließlich wirken in künstlerischen Feldern aber auch eigene Regeln, wenn spezifische kunstbetriebliche Mechanismen künstlerische Karrierewege, thematische Trends und institutionelle Ankerkennungsgefüge beeinflussen.
Bei dieser Veranstaltung gehen Expert*innen der Frage nach, inwieweit sich die aktuellen Skandale um Antisemitismus in den Künsten mit allgemeinen soziologischen Skandalmodellen erklären lassen und welche Rolle den Besonderheiten von künstlerischen Feldern in der Verbreitung von Antisemitismus zugerechnet werden kann. Gäste sind: Dr. Uta Karstein ist Soziologin und forscht an der Universität Leipzig zu Skandalen in der Kunst. Dr. Jakob Baier ist Sozialwissenschaftler und forscht an der Universität Bielefeld zum Thema Antisemitismus in der Kulturproduktion.