09.01.

Di / 20:00

Die DDR der DEFA

Ein Abend in der CineScience-Reihe "Darf's ein bisschen mehr sein?"

Ekkehard Knörer

Filmstudio Glückauf, Rüttenscheider Str. 2, 45128 Essen

Das Kino der DDR, durch und durch Sache des Staates, hat Spielräume zwischen Propaganda und Dissidenz ausgelotet. Der dominante ästhetische Modus: ein keineswegs nur sozialistischer Realismus. In diesem Modus entwirft das DEFA-Kino ein Bild der DDR, in dem sich sehr konkrete Wirklichkeiten und nur in Andeutungen präsente Tabus unauflöslich verbinden. Dieses Bild hat seine Wahrheit. Und diese Wahrheit hat Grenzen.

Ekkehard Knörer ist Kulturwissenschaftler, Mitherausgeber der Zeitschriften Merkur und Cargo und freier Autor u.a. für die taz.

 

Über die Cine Science Reihe “Darf’s ein bisschen mehr sein?”

Im Wintersemester 2023/24 wird sich die Reihe aus ganz unterschiedlichen Blickrichtungen dem KWI-Jahresthema „Mehr oder Weniger“ nähern und dabei den Rahmen denkbar weit spannen. Eine Herangehensweise ergibt sich aus der schieren Quantität. Denn wenn es ein Phänomen gibt, das seit zwanzig Jahren die Kino- und Serienlandschaft dominiert, dann sind es die wuchernden Franchises, Spin-offs, Sequels und Prequels, die Zuschauer binden sollen.

Aber auch ein thematischer Zugriff kommt in der Reihe zu seinem Recht, etwa wenn Filme sich mit der Schere zwischen Reichtum und Armut, Ausbeutungsstrukturen oder neuen und alten Formen von Prekarität auseinandersetzen. So schlägt sich das aus der Literatur bekannte Genre der Autosoziobiographie zunehmend auch auf der Leinwand nieder. Schließlich werden uns formale und formsprengende Probleme umtreiben: Für wieviel Wirklichkeit war eigentlich im sozialistischen Realismus der DDR-Filmkunst Platz? Dieser und anderen Fragen geht CineScience im kommenden Herbst und Winter unter dem Titel „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ auf den Grund.