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17.06.

Mi / 18:30

Die Kunst des roten Fadens

Vorträge und Gespräch

Andrea Polaschegg, Matías Martínez

Online (Zoom) & Gartensaal, Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Goethestraße 31, 45128 Essen

„Leider fehlt der rote Faden!“ – egal, ob es um ein Buch, einen Theaterabend, einen Film oder auch einen Lebenslauf geht, die metaphorische Rede vom „roten Faden“ ist nie fern. Von seiner An- oder Abwesenheit, wird suggeriert, hängen die Kohärenz und Verständlichkeit eines Werkes ab. Kein Wunder also, dass Schreibratgeber unermüdlich erklären, wie rote Fäden einzubauen sind. Dabei ist nicht nur zu überlegen, woran ein roter Faden – der ja gerade nicht in Signalfarben daherkommt – erkennbar sein soll, sondern auch, weshalb diese inzwischen ubiquitäre Denkfigur so verfängt und worauf sie sich historisch bezieht. In welchem Verhältnis steht sie etwa zum „Lebensfaden“, der in antiken Vorstellungen abrupt abgeschnitten werden kann, womit das Erzählen des Lebens ein Ende findet? Inwieweit enthält die Denkfigur auch latente Vorannahmen über die Funktionsweise und Verfasstheit bestimmter Medien?

In zwei Kurzvorträgen mit anschließendem Gespräch spüren Andrea Polaschegg (Bonn) und Matías Martínez (Wuppertal) den Verwendungsweisen und Funktionen des roten Fadens aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive kritisch nach. Was leistet die beständige Rede vom „roten Faden“ eigentlich genau – und was nicht?