05.12.

Di / 20:00

Serielle Realitäten im Film und im Fernsehen

Ein Abend in der CineScience-Reihe "Darf's ein bisschen mehr sein?"

Herbert Schwaab, Universität Regensburg

Filmstudio Glückauf, Rüttenscheider Str. 2, 45128 Essen

Serie kann industrielle Warenproduktion, Wiederholung und Redundanz bedeuten, womit häufig abwertend die Fernsehserie verbunden wurde. Serie bedeutet aber auch Realismus, wenn etwa Balzac in den Romanen der “Comédie humaine” Netzwerke sozialer Interaktionen von Dingen und Menschen nachzeichnet oder dokumentarische Werke wie An American Family von 1973 in seriellen Langzeitstudien Orte, Menschen und Lebensformen sehr genau erkunden.

Dieser Abend setzt sich in einem Alternieren zwischen filmischen und televisuellen Werken damit auseinander, ob die aktuelle Hegemonie des Seriellen auf so unterschiedlichen Feldern wie Soap Operas und Filmen des Marvel Cinematic Universe, Doku-Serien und True Crime Formaten des Reality TVs, dem Ultrarealismus der Filmzyklen von Rohmer und Linklater sowie melodramatischen Quality TV Serien wie Emergency Room oder The Sopranos neue Perspektiven auf eine prekärer werdende Wirklichkeit eröffnen oder damit eher die Überschreibung der Wirklichkeit mit mechanischen Mitteln der Welterzeugung verbunden ist.

Herbert Schwaab ist Medienwissenschaftler aus Regensburg. Dissertation 2006 in Bochum mit einer film- und fernsehphilosophischen Arbeit. Lehrt, veröffentlicht und forscht unter anderem zu Fernsehserien, Autismuskultur, Fahrradmobilität und dem Anime.

 

Über die Cine Science Reihe “Darf’s ein bisschen mehr sein?”

Im Wintersemester 2023/24 wird sich die Reihe aus ganz unterschiedlichen Blickrichtungen dem KWI-Jahresthema „Mehr oder Weniger“ nähern und dabei den Rahmen denkbar weit spannen. Eine Herangehensweise ergibt sich aus der schieren Quantität. Denn wenn es ein Phänomen gibt, das seit zwanzig Jahren die Kino- und Serienlandschaft dominiert, dann sind es die wuchernden Franchises, Spin-offs, Sequels und Prequels, die Zuschauer binden sollen.

Aber auch ein thematischer Zugriff kommt in der Reihe zu seinem Recht, etwa wenn Filme sich mit der Schere zwischen Reichtum und Armut, Ausbeutungsstrukturen oder neuen und alten Formen von Prekarität auseinandersetzen. So schlägt sich das aus der Literatur bekannte Genre der Autosoziobiographie zunehmend auch auf der Leinwand nieder. Schließlich werden uns formale und formsprengende Probleme umtreiben: Für wieviel Wirklichkeit war eigentlich im sozialistischen Realismus der DDR-Filmkunst Platz? Dieser und anderen Fragen geht CineScience im kommenden Herbst und Winter unter dem Titel „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ auf den Grund.