Mit Günter Leypoldts neuestem Buch „Literature’s Social Lives. A Socio-Institutional History of Literary Value” (Oxford University Press 2025) steht ein aktuelles literatursoziologisches opus magnum im Gartensaal des KWI zur Diskussion. Der Heidelberger Amerikanist wird in seine Studie einführen, die zwischen romantischer Periode und Gegenwart amerikanische Literaturproduktion und -rezeption auf ihre inneren und äußeren Spannungen hin durchleuchtet: Aus den verschiedenen Perspektiven von Autor:innen und Leser:innen geht es um sich wandelnde und immer wieder neu formierende Erfahrungen von Kunst und Broterwerb, Konsum und Vergnügen, Identitätsstiftung und Meisterschaft. Um Distinktion ringen viele Akteur:innen im literarischen Feld, und greifen dabei in Netzwerk- und Kanonfigurationen auf verschiedene Strategien der Bewertung und Inwertsetzung zurück. Günter Leypoldt rekonstruiert diese historischen Dynamiken nicht allein unter dem Brennglas philologischer Einzelanalysen. Er führt verschiedene disziplinäre Terminologien, Konzepte und Theorien in einer umfassenden Prüfung zusammen, um auch den globalen Kontexten sowie den weitreichenden medialen und ökonomischen Implikationen des Gebrauchs wie des Genusses von Literatur in Konkurrenz zu anderen Künsten und Kulturtechniken gerecht zu werden.
Die Basler Literatursoziologin Carolin Amlinger wird Günter Leypoldts Studie aus fachlich versierter Perspektive einordnen. Moderiert werden die Buchvorstellung und das Gespräch von Julika Griem.