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CfP: KWI-Blogreihe “Fäden. Kulturtechniken der Handarbeit”

Um Fäden spannen sich diverse Bedeutungsebenen auf: von medien- und texttheoretischen, gerade in der poststrukturalistischen Theorie (Text als ‚Gewebe aus Zitaten‘), erzähltheoretischen, die auf Fragen der Kohärenz zielen (‚roter Faden‘), nämlich die Linearität und Kausalität eines Plots (im Fiktionalen) oder einer Argumentationsstruktur (in Essayistik und Wissenschaft), hin zu rhetorischen und (gendertheoretisch reaktivierten) mythologischen (‚Ariadnefaden‘). Fäden werden vielfach metaphorisch genutzt: Fäden lassen sich lösen, bisweilen kommt es zu Verknotungen, Fäden kann man wieder aufnehmen und verlieren, man kann etwas einfädeln.

Jenseits dessen sind Fäden ein konkretes Element handwerklicher Praxis. Insbesondere für solche (Näh-, Spinn-, Strick- und Web-)Fäden interessiert sich die neue Blogreihe des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen. Dekorative Objekte wie Tapeten, Vorhänge und Wandteppiche, die aktuell auch im Fokus einiger Ausstellungen stehen, sind ebenso Ergebnis dieser Fäden wie Kleidungsstücke.

Erwünscht sind Beiträge gleichermaßen aus Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften wie aus Technik- und Kulturgeschichte, Kultursoziologie und Ideengeschichte. Zu diskutieren wären bspw. die Zeitlichkeit und der Rhythmus der Handarbeit (und deren Konsequenzen z.B. für die künstlerische Repräsentation), das Verhältnis von Privatem (und Innerlichem) und Öffentlichem, was auch die Räume tangiert (häusliche Arbeit vs. strickende Frauen in Cafés, Zügen etc.), die geschlechtliche Dimension, auch in historischer Einordnung (Tricoteuses während der Französischen Revolution, Frauen in Leineweberfabriken), das Verhältnis von Körper (Hand) und Material sowie Körper und Geist und die Situierung der Handarbeit zwischen Arbeit und (Er-)Schöpfung sowie Ablenkung, Erholung und Muße. Die kurzen Blogtexte sollen eine Länge von nur 12.000 Zeichen (ca. 4 Seiten) haben (Chicago-Zitation in Endnoten) und erscheinen ab Mai/Juni 2026 mit je eigener DOI auf dem Blog des KWI (mit ISSN); vergleichbare Reihen gab es zu Klima und Letzten Sätzen.

Vorschläge (max. 1/2 Seite) können mit kurzer biographischer Notiz bis zum 17.3.2026 an Dr. Laura M. Reiling (laura.reiling@kwi-nrw.de) geschickt werden. Den vollständigen Call finden Sie hier.