20.06.

Di / 19:00

Genug gelacht?

Ein Abend zur Dosierung von Komik

Julika Griem (KWI), Felicitas Hoppe (Autorin), Roxanne Phillips (LMU München)

Online (Zoom) & Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Gartensaal, Goethestr. 31, 45128 Essen

Ein Abend im Rahmen des Jahresthemas “Mehr oder Weniger”

Manchmal bleibt uns das Lachen im Halse stecken, oder wir wissen nicht, ob wir lachen oder weinen sollen. Schon diese Redensarten zeigen, dass die Wirkung von Komik und Humor von der Dosierung abhängt: Grenzen dürfen überschritten werden, damit es lustig werden kann, aber ob der komische Auf- und Abbau von Spannungen Erleichterung verschafft, hängt sehr vom Einzelfall ab. Gegenwärtig wird besonders intensiv verhandelt, welche Rahmen wir für Komik setzen wollen und können.

Wie Menschen auf Komik reagieren, hängt von vielen Faktoren ab. Neben Thema und sozialer Situation spielen die individuelle Disposition von Rezipient*innen, ihre Stimmung und ihr kontextuelles Wissen sowie die eingesetzten medialen, ästhetischen und artistischen Verfahren eine Rolle. Entsteht dabei comic relief, etwa in Form eines heiteren Lachens, das Anspannungen reduziert, beweisen die jeweiligen Komödiant*innen ein gutes Händchen für die beste Mischung und Abstimmung der Faktoren. Komik bedarf insofern adäquater Dosierung: Gags werden bspw. mit der Dreierregel portioniert (Idee präsentieren, Muster etablieren, Muster subvertieren); auflockernde Elemente werden entlang des narrativen Spannungsbogens verteilt, bis zum richtigen Zeitpunkt – scheinbar plötzlich ­­– die Pointe folgt. Komödiant*innen müssen das Maß zwischen Unter- und Übertreibungen austarieren und mit Fingerspitzengefühl Ablenkungsmanöver einleiten, um Erwartungen zu unterlaufen und die Wirkung des Scherzes zu steigern.

Zugleich existiert aber auch eine eher zügellose Komik, die spektakuläre Verwüstungen, Chaos und Dreck sowie Unfälle, Schläge und körperlichen Schmerz zelebriert, die ausufernde Wiederholungsschleifen oder Kettenreaktionen ins Werk setzt und bei der Absurditäten, boshafte Verzerrungen oder vulgärer Humor Grenzen nicht nur überschreiten, sondern sprengen. Sie kann deshalb in betretener Stille münden – oder aber ein enormes, sogar ansteckendes Lachen freisetzen, das den gesamten Körper ergreift, ihn unaufhörlich schüttelt und biegt, mitsamt Schnappatmung, Lachtränen und unwillkürlich ausgestoßenen Lauten. So maßlos diese Komik wirkt, auch sie kommt nicht ohne wohlkalkulierte Dosierung aus.

An diesem Abend am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen stellen wir eine Sammlung komischer Bilder, Filmsequenzen, Literatur und Musik vor, und laden die Teilnehmer*innen dazu ein, mitzulachen und mitzudiskutieren. Anhand der Impulse, die unsere Fundstücke geben, erkunden wir gemeinsam Möglichkeiten und Grenzen von Komik.