Jeder Versuch, die Zukunft vorherzusagen, entspringt dem Wunsch nach Kontrolle. Vorhersage und Bewertung gehen dabei Hand in Hand. Der Designhistoriker Glenn Adamson schreibt in A Century of Tomorrows: „Prophetische Zukunftsforschung ist wie eine Linse, die manche Dinge scharf in den Fokus rückt, während sie andere verzerrt und das Sichtfeld drastisch einschränkt. Nicht ohne Grund sind Kristallkugeln das Standardwerkzeug von Wahrsagern.”
Auf dem 3. Essener Symposium für Fotografie blickte ein international besetztes Podium am 4. und 5. Februar 2026 auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein gemeinsam mit rund 160 Gästen in die Kristallkugel der Zukunft der Fotografie – und nahm dabei nicht nur KI-generierte und sozialmediale Bilder in den Blick, sondern auch Bildwelten aus der Quantenphysik und aus selbstfahrenden Autos. In Vorträgen und Diskussionen zeigte sich dabei eine bemerkenswerte Offenheit für Unsicherheiten, Brüche und widersprüchliche Entwicklungen.
Dieser Blick verstand sich, in Anlehnung an Ursula K. Le Guin, weniger als Wetterbericht: nicht dazu da, Vorhersagen zu treffen, sondern um mögliche Perspektiven zu öffnen.
Die Veranstaltung wurde vom Zentrum für Fotografie Essen ausgerichtet. In diesem Jahr lag die Federführung bei der Fachgruppe Fotografie der Folkwang Universität der Künste, in Kooperation mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI).
(Text: Anja Schürmann)