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Was war Kulturkrieg? Auseinandersetzungen um Ideologie, Weltanschauung und Wissenschaft seit 1850

Debatten um Gendern, Identitätspolitik oder den Status wissenschaftlicher Erkenntnis werden heute oft als Ausdruck einer neuartigen gesellschaftlichen Polarisierung verstanden. Begriffe wie „Kulturkrieg“ oder „Kampf um Werte“ dienen dabei zur Beschreibung scheinbar unversöhnlicher Gegensätze, um die herum Rote Linien zur Markierung von Fronstellungen gezogen werden. Doch wie neu sind diese Konfliktmuster tatsächlich?

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Expropriation in Modern History. Discussion with Nicholas Mulder

The coercive seizure of property has been an important phenomenon in the last two centuries of global history. From the age of colonial expansion and absolutism through the emancipations of unfree populations and the world wars and revolutions of the twentieth century, the large-scale taking and redistribution of property has driven profound political, economic and social change.

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Produkitiv spalten? Polarisierung als kommunikative Herausforderung

Die Spaltung der Gesellschaft ist längst zu einem Gemeinplatz geworden. Hilft es uns aber weiter, sich an diesen wuchernden Topos zu klammern? Ist es nicht eher die Aufgabe guter Sozialwissenschaft, auch bei diesem Befund skeptisch nachzufragen? Ganz in diesem Sinne hat es der Bremer Soziologe Nils C. Kumkar unternommen, Polarisierung nicht nur als Krisensymptom, sondern als Funktionselement, nicht nur als Defizit, sondern auch als Routine demokratischer Selbstverständigung zu beschreiben.

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Die Kunst des roten Fadens. Vorträge und Gespräch

„Leider fehlt der rote Faden!“ – egal, ob es um ein Buch, einen Theaterabend, einen Film oder auch einen Lebenslauf geht, die metaphorische Rede vom „roten Faden“ ist nie fern. Von seiner An- oder Abwesenheit, so wird suggeriert, hängen die Kohärenz und Verständlichkeit eines Werkes ab. Kein Wunder also, dass Schreibratgeber unermüdlich erklären, wie rote Fäden einzubauen sind.

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Recht unter Druck: Verfassung zwischen Interpretation und Praxis

Mit Samira Akbarian und Susanne Baer diskutieren auf der KWI-Bühne die juristisch versierten Autorinnen zweier auf den ersten Blick sehr unterschiedlicher Bücher: Während die ehemalige Verfassungsrichterin und HU-Professorin Baer uns in den Maschinenraum des obersten deutschen Gerichts und seines breiten Spektrums an Urteilen führt, widmet sich ihre Frankfurter Kollegin Akbarian dem spezifischen Problem des zivilen Ungehorsams.

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Reaktionsmaschine. Grenzmarkierungen, Überschreitungen und Lagerbildung in Sozialen Medien

Digitale Streitwelten prägen heutzutage maßgeblich politische Wahrnehmungen, öffentliche Debatten und demokratische Aushandlungsprozesse. Sie sind zum Krisensymptom unserer Zeit geworden – und bilden den Ausgangspunkt von Rupert Gaderers neuestem Buch Reaktionsmaschine. Tribunale sozialer Medien (Matthes & Seitz, 2026). Soziale Medien strukturieren Informationsflüsse, ordnen Aufmerksamkeit, suggerieren unmittelbare Handlungsmacht und tragen zur Ausbildung einer hochreaktiven Öffentlichkeit bei. Diese Reaktionsmaschine produziert Falschnachrichten, schürt Hass und bringt Menschen dazu, einander öffentlich anzugreifen und zu beleidigen.

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Böse Bücher? Politiken des Zeigbaren im Kinder- und Jugendbuch

Wie entstehen kulturelle Grenzziehungen, welche Macht entfalten sie – und was steht auf dem Spiel, wenn sie verschoben werden? Die Podiumsdiskussion nimmt aktuelle Buchverbote in den USA zum Anlass, um über die Grenzen des Zeigbaren im Kinder- und Jugendbuch zu sprechen. Allein im Schuljahr 2024/25 verschwanden über 6.800 Bücher aus US-Schulbibliotheken – oft mit diffusen Begründungen und unter Berufung auf ein nicht näher erläutertes ‚Kindeswohl‘. Auch in Deutschland wurden 2025 in Bibliotheken mutwillig Bücher mit LGBTQ-Bezug zerstört. Die Veranstaltung fragt nach den politischen und ästhetischen Dimensionen solcher Verbote: Fördern sie Selbstzensur? Wie reagiert der Markt darauf?

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Zwischen Prestige und Intervention: Vom sozialen Gebrauch der Literatur. Ein Abend mit Günter Leypoldt und Carolin Amlinger

Mit Günter Leypoldts neuestem Buch „Literature’s Social Lives. A Socio-Institutional History of Literary Value” (Oxford University Press 2025) steht ein aktuelles literatursoziologisches opus magnum im Gartensaal des KWI zur Diskussion. Der Heidelberger Amerikanist wird in seine Studie einführen, die zwischen romantischer Periode und Gegenwart amerikanische Literaturproduktion und -rezeption auf ihre inneren und äußeren Spannungen hin durchleuchtet.

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KI und die Berechenbarkeit des Individuellen. Eine Mediengeschichte des Stils

Ausgehend von der traditionsreichen und vieldiskutierten ästhetischen Kategorie des Stils fragt Medienwissenschaftlerin Kathrin Yacavone in ihrem Vortrag nach den Veränderungen dieses Begriffs und seiner Anwendung sowie Ausdeutung im Bereich der digitalen, computerbasierten Medien und algorithmisierten Kunstformen. Sie untersucht, inwiefern Individualstil im Spannungsfeld mit Technik und Digitalisierung objektiviert beziehungsweise operationalisiert wird, und erörtert beispielhaft Versuche zur Berechenbarkeit des Individuellen.

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Truth and Judgement at the Limits of Liberalism

Are today’s “red lines” still institutional boundaries – or have they become moral performances of exposure and outrage? This lecture offers a new reading of contemporary polarization. Rather than locating its origins solely in the radical right, it argues that liberal institutions of judgement have been undermining themselves from within. It traces how neoliberalism has eroded these institutions, reshaping how truth is produced and politically mobilised.

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Neues Jahresthema: Rote Linien | Red Lines

Rote Linien sind derzeit allgegenwärtig – nicht nur als Metapher, sondern als reale, politische wie symbolische Praxis. Sie werden gezogen, überschritten, eingerissen, neu markiert. Was bedeutet es, eine rote Linie zu ziehen – und wer hat das Recht dazu? In Zeiten geopolitischer Spannung und kultureller Auseinandersetzungen sind rote Linien mehr denn je präsent: als Warnsignale, als Grenzen der Akzeptanz, als Verpflichtungen, die sich nicht mehr halten lassen. Das KWI-Jahresthema folgt 2026/27 diesen Denkfiguren der „Roten Linien“: Mit welchen machtpolitischen und ästhetischen Verfahren werden sie gezogen und zu welchem Zweck? Wie werden sie überschritten, ignoriert oder verteidigt?

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Conference: Crisis and Form. Politicizations of Art

In 1936, in the face of the fascist aestheticization of politics, Walter Benjamin called for a politicization of art - so that the masses, per his famous dictum, would finally attain rights and not merely expression. Today, that technological promise seems fulfilled - anyone can create and share content. Yet the structural problem he identified have intensified: platform capitalism, algorithmic control, and AI have fragmented the public sphere and fuelled authoritarian tendencies.

KWI Welcomes New Fellows of Cohort No 12

This April, we are delighted to welcome our new group of fellows. Six researchers will join us for the next six months. Learn more about the new fellows and their research interests.

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From Libaries to Data Centres. An (Architectural) History of Information Storage

For a long time, there was no question as to where information would be stored: libraries, which emerged as a distinct building structure and central institution of western modernity in the mid-19th century, were the physical sites where information was collected, organized, and made increasingly available. The industrial age had brought radical changes in publishing and, with them, lower production costs for books, requiring efficient techniques and procedures to ensure compact storage and rapid availability.

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DFG-Projekt zur häuslichen Betreuung von Menschen mit Demenz wird verlängert

Seit inzwischen drei Jahren untersuchen Wissenschaftler:innen des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und der Universität Oldenburg die häusliche Versorgung von Menschen mit Demenz. Nun gibt es eine erfreuliche Nachricht: Das Projekt kann um weitere sechs Monate verlängert werden. Dadurch erhält das Forschungsteam die Möglichkeit, die bisherigen Erkenntnisse zu vertiefen und weitere Perspektiven einzubeziehen.

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KWI-Schreibwochenende für Promovierende Mai 2026

Intensive Arbeit am Text von Qualifikationsschriften ist in den Geistes- und Sozialwissenschaften unverzichtbar. Gerade Doktorand:innen, die nicht in strukturierten Programmen, wie zum Beispiel Graduiertenschulen oder Sonderforschungsbereichen, promovieren, vermissen oftmals den Austausch und können auch von den Folgen von Vereinzelung und Selbstisolation betroffen sein. Um diesen Herausforderungen zu begegnen und junge Forscher:innen in ihrer Arbeit zu unterstützen, veranstaltet das KWI ein Schreibwochenende mit einem spezifischen Angebot für Promovierende in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften.

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300 und die „Festung Europa“. Ein Abend in der CineScience-Reihe „Gefährliche Schönheit“

Marcus Stiglegger analysiert anhand beispielhafter Filmausschnitte die visuelle Ästhetik der Identitären Bewegung, mit der diese eine neurechte Symbolwelt geschaffen hat: Filme wie etwa 300 von Zack Snyder dienten u.a. als Inspirationsquelle für ein radikales eurozentrisches oder selbstbenannt „ethnopluralistisches“ Narrativ, das sich nur mit Kontextwissen für ein größeres Publikum erschließt.

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What Will Photography Be? An Invitation to Speculate

The 3rd Essen Symposium for Photography aims at adressing interest in the medium's prospective forms and uses. It is looking for speculations that critically engage with recent developments in the open and much-diversified field of visual media and try to position photography's future role within such a realm.

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Schöne neue Welten. Ein Abend in der CineScience-Reihe „Gefährliche Schönheit“

Wenn das Kino einen Blick in die Zukunft wirft, ist das Ergebnis selten erfreulich. Das ist auch nicht weniger erstaunlich, denn Harmonie gibt erzählerisch wenig her. Entsprechend neigt das populäre Medium Film seit jeher zu dystopischen Entwürfen. Dies gilt selbst für einen Film wie die britische Produktion Things to Come (1936), die zwar von utopischen Ideen angetrieben war, deren totalitäre Tendenzen heute aber wenig einladend wirken. Und es gilt erst recht für Peter Watkinsʼ Punishment Park (1971), dessen zu Zeiten des Vietnamkriegs entstandene Schreckensvision eines US-Terror-Regimes heute schmerzhaft zeitgenössisch erscheint.

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Buchvorstellung „Odenwald“. Lesung und Gespräch mit Thomas Meinecke

Der achte Roman von Thomas Meinecke führt in den Odenwald – genauer: nach Amorbach. Das Städtchen ist der Ort, in dem der Philosoph Theodor Adorno seine Kindheitssommer verbachte und der für ihn zu einer Quelle der Sehnsucht wurde. Dem gehen in diesem Buch das literarische Ich des Autors Thomas Meinecke, seine Freund*innen Malwida und Walter, sowie Cord und Kordula nach. Durch die Auseinandersetzung mit dem Odenwald als Seelenlandschaft kommt auch das Fürstenhaus Leiningen ins Spiel, das vor Ort ansässig seit dem 18. Jahrhundert eine sogenannte bewegte Geschichte erlebte.

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Workshop „Gelehrsamkeit“. Letzte Orientierungsversuche angesichts eines obsoleten Phänomens in den Geisteswissenschaften

Gelehrsamkeit war nie ein unumstrittenes Ideal akademischer Existenz, wie beispielsweise schon die Einsprüche in Descartes’ Discours de la méthode zeigen. Was die heutige Verfasstheit der Wissenschaften betrifft, ist Gelehrsamkeit um 1900 in ganz verschiedene Bereiche diffundiert. Mit dem Auszug der Mathematik, der Natur- und Technikwissenschaften aus der Philosophischen (bzw. aus der Medizinischen) Fakultät, der einherging mit einer Szientifizierung auch der Geisteswissenschaften, erhielten Expertentum und fachliche Spezialisierung eine Bedeutung, die ihnen im Jahrhundert der ‚Höheren Kritik‘ (Erhard Schüttpelz) so noch nicht unbedingt zukam. Ob es indes zutreffend ist, aus diesen Entwicklungen eine Verfallsgeschichte zu konstruieren, muss dahingestellt bleiben.

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