Visual Literacy

Inzwischen ist die Rede von der visuellen Kultur so alltäglich, dass es an der Zeit ist, sie ernst zu nehmen. Wenn wir unsere Informationen durch Bilder erhalten, sollten wir lernen, sie zu „lesen“. Bildung – egal auf welcher Stufe – darf nicht ausschließlich textbasiert sein. Visual literacy gibt Antworten auf die Frage, wie Bilder agieren, wie sie argumentieren und reflektieren und – damit unmittelbar verknüpft: Welche rhetorischen Strategien werden von den Machern und Mittlern eingesetzt, die Bilder in Auftrag geben und publizieren?

Da der virtuelle Raum den öffentlichen Raum erweitert und verändert hat, sind auch die visuellen Aktionsradien größer geworden. Wenn religiöse Termini wie Glaube und Skepsis beim digitalen Bildgebrauch eine Rolle spielen, sollte man daran erinnern, dass wahr oder falsch nicht die einzige Rezeptionshaltung zum Bild sein kann und stattdessen die Frage stellen, welche materiellen und medialen „Ermöglichungsbedingungen“ von bildlichem Sinn es gibt und wie diese sich analysieren lassen.

Visuelle Geschichte und -theorie ist eine genuin interdisziplinäre Wissenschaft, die in Deutschland noch zu schwach institutionalisiert ist. Als Kunst ist das Bild längst Teil der Kunstgeschichte geworden, als Medium Teil der Medienwissenschaft, als Dokument Teil der Geschichtswissenschaft und als soziales Phänomen Teil der Soziologie. Und dennoch informieren sich diese Bereiche noch nicht ausreichend über ihre jeweiligen Angebote, und könnten noch überzeugender an gemeinsamen Fragestellungen, Methoden und Konzeptsprachen arbeiten.

Hier setzt eine Bildwissenschaft mit dem Fokus auf Visual Literacy Disziplinen übergreifend an. Das KWI bietet sich als interdisziplinäre und -universitäre Institution an, um diesen Diskurs zu organisieren und, als Scharnier zwischen den künstlerischen und musealen Institutionen, sowie den Universitäten der UAR, auch aktiv zu gestalten.

Ansprechpartnerin: Dr. Anja Schürmann

Aktuelles

Female Photoclub NRW eröffnet „Sichverbinden“

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Die Schaufenster sind offen! Unter dem Thema „Sichverbinden“ haben sich nicht nur 13 Fotografinnen des Female Photoclub NRW sowie Fatemeh Rezaei (Academy in Exile/KWI) verbunden, unter kuratorischer Begleitung von Anja Schürmann (KWI) verbindet sich die Ausstellung auch zum Straßenraum. Bis mindestens zum 26. Mai 2024 können die Arbeiten über zwischenmenschliche, kulturelle und ökologische Verflechtungen, um […]

Deutscher Fotobuchpreis verliehen

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Vergangenes Wochenende wurde im Rahmen des Internationalen Festivals Fotografischer Bilder  in Regensburg der Deutsche Fotobuchpreis verliehen. In zwölf Kategorien ehrt dieser Preis das besondere Medium des Fotobuchs. Dieses Jahr erhielt der luxemburgische Fotograf Marc Schroeder die Goldmedaille für seinen Band „Order 7161“ in der Kategorie „dokumentarisch-journalistisch“. Kunsthistorikerin Anja Schürmann, die am KWI zum künstlerischen Fotobuch […]

Anja Schürmann in die Jury des Deutschen Fotobuchpreises berufen

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Der Deutsche Fotobuchpreis ist ein jährlicher Wettbewerb, bei dem die besten Fotobücher des deutschsprachigen Raumes (Deutschland, Österreich, Schweiz) in mehreren Kategorien von einer unabhängigen Jury ausgezeichnet werden. In die diesjährige Jury wurde auch Anja Schürmann berufen, die am KWI zum künstlerischen Fotobuch forscht. Um den Facettenreichtum des Mediums Fotobuch abzubilden, wird der Preis in verschiedenen […]

KWI-Blog: Neue Serie zu Visual Literacy

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Muss man dafür lesen können? Visual Literacy als Reflexionsraum In unserer so bilderreichen Zeit wird die Frage nach der Bildkompetenz des Betrachters immer virulenter. Die Bezeichnung Visual Literacy beschreibt ebenjene Fähigkeit, Bilder zu verstehen und zu analysieren, eröffnet jedoch als Begriff selbst weitere Verständnisräume. Beschreibt Visual Literacy eine Kompetenz, eine Vermittlungsleistung oder tatsächlich eine Art […]

Erinnerung, Erzählung, Erkundung: Kathrin Yacavone und Bernd Stiegler geben neues Heft der FOTOGESCHICHTE heraus

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Gerade ist das neue Heft der FOTOGESCHICHTE erschienen, einer Zeitschrift mit Beiträgen zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie. Herausgegeben von Kathrin Yacavone, Thyssen@KWI Fellow,  und Bernd Stiegler, Universität Konstanz, widmet sich die Ausgabe dem Thema „Fotoalben im 20. und 21. Jahrhundert“. Zum Heft: Fotoalben bündeln Bilder zu Geschichten. Sie sind Fibeln und Speicher des vergesellschafteten […]

Tagung „Die Fotografie und ihre Institutionen“

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Am 23. und 24. Juni fand am Kulturwissenschaftlichen Institut die Tagung „Die Fotografie und ihre Institutionen: Netzwerke, Sammlungen, Archive, Museen“ statt. In neun Sektionen, einem Abendprogramm und einem Roundtable diskutierten Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis über Geschichte und zukünftige Perspektiven der Institutionalisierung der Fotografie, sowie über fotografische Sammlungslogiken und -prämissen einzelner Institutionen. Die Tagung bildete […]