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Dialoge zwischen Kultur- und Sozialwissenschaften

Die deutsche Tradition der Kultursoziologie wird international rezipiert; anschließend an die Cultural Studies britischer Prägung trauen sich Kulturwissenschaften seit längerem Gesellschafts- und Machtanalysen zu.  Versucht man jedoch, die bereits in sich ausdifferenzierten disziplinären Formationen von Sozial -und Kulturwissenschaften an einen Tisch zu holen, verbleibt die Zusammenarbeit häufig in gut eingespielten Routinen: Soziolog:innen zitieren aus literarischen Werken, um gesellschaftliche Zusammenhänge zu veranschaulichen; Literaturwissenschaftler:innen wenden Gesellschaftstheorien an, um ihren Roman-Interpretationen Relevanz zu verleihen. Auf beiden Seiten ‚gebraucht‘ man Elemente der jeweils anderen Forschung auf nicht immer reflektierte Weise – als Theorie-Referat oder rhetorische Strategie; als Verweis auf Konzepte und Einzelwerke, deren Passförmigkeit und exemplarisch gemachte Geltungsansprüche nicht immer überprüft werden.

Am KWI stellen wir uns konkrete Themen, die idealerweise eine weniger asymmetrische Form der Zusammenarbeit von Geistes- und Sozialwissenschaftler:innen hervorbringen. Wir haben nach der sozialen Produktivität und den ästhetischen Affordanzen von Sozialfiguren ebenso wie nach der kulturellen Arbeit gefragt, die mit Listen verrichtet wird, Mikrotopoi und Institutionenromane analysiert und soziale und ästhetische Praktiken des Aufhörens sowie die Poesie der Reformen wechselseitig beleuchtet. Mit Blick auf zwei neuere Verbundprojekte am und im Umfeld des KWI wird sich nachhaltiger ergründen lassen, was eine Kultur- und Technikgeschichte der Kühlung und eine Soziologie des Schwitzens methodisch voneinander lernen können.

Gerade mit Blick auf Verbundforschung kann noch genauer bestimmt werden, welche Theorielinien aus Geistes- und Sozialwissenschaften einander ausschließen oder ergänzen; wie sich Methoden nicht nur addieren, sondern auch integrieren lassen. Und lässt sich vielleicht sogar gemeinsam Terminologie bilden – und über Fächergrenzen und disziplinäre Komplexe hinaus gemeinsam schreiben? Mit einer praxistheoretisch begründeten Explikation disziplinär geprägter Routinen des Lesens und Schreibens, des Sammelns, Beobachtens, Beschreibens, Interpretierens und Argumentierens können sich Grundlagen für überzeugendere Kooperationen zwischen Kultur- und Sozialwissenschaften ergeben.

Aktuelles

Guilty Pleasures in den Medien

Guilty Pleasures in den Medien

Zum Start des Projekts „Towards a Genealogy of Guilty Pleasures“  waren die Forschenden medial sehr gefragt. In zwei Hörfunksendungen und einem Interview haben Roxanne Phillips und Paul Buckermann über Guilty Pleasures als Spiegel gesellschaftlicher Normen, Genuss in krisenhaften Zeiten und heimliche Vergnügen diskutiert und verschiedene Facetten des Themas aus literaturwissenschaftlicher und soziologischer Perspektive verdeutlicht. Das […]

DFG-Projekt zur häuslichen Betreuung von Menschen mit Demenz veröffentlicht Empfehlungen

DFG-Projekt zur häuslichen Betreuung von Menschen mit Demenz veröffentlicht Empfehlungen

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt TriaDe „Osteuropäische Live-In-Hilfen in häuslichen Versorgungstriaden bei Demenz“ veröffentlichte vergangene Woche ein Ergebnispapier mit Empfehlungen zur künftigen Versorgung Demenzerkrankter in Deutschland. Unter anderem wurde das Papier an das Bundesministerium für Gesundheit übermittelt. Im Rahmen einer Arbeitstagung am KWI zur Zukunftsfähigkeit der Live-in-Versorgung von Demenzerkrankten erarbeiteten 35 Expert:innen […]

DFG verlängert Demenzprojekt: Weitere Familien gesucht

DFG verlängert Demenzprojekt: Weitere Familien gesucht

Seit inzwischen drei Jahren untersuchen Wissenschaftler:innen des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen und der Universität Oldenburg die häusliche Versorgung von Menschen mit Demenz. Dabei interessierte sich das Forschungsteam, das aus Forschenden aus der Kommunikationswissenschaft, der Soziologie, der Versorgungsforschung und der Ethik besteht, vor allem auf die Frage, was sich in der Kommunikation und der Versorgung von Menschen […]

NEU: VW Stiftung finanziert Guilty Pleasures-Projekt

NEU: VW Stiftung finanziert Guilty Pleasures-Projekt

Wir freuen uns über den Start des interdisziplinären Forschungsprojekts „Towards a Genealogy of Guilty Pleasures: Performing Reflexive Consumption“ welches für zwei Jahre von der VolkswagenStiftung finanziert wird. Paul Buckermann (KWI), Morten Paul (RUB) und Roxanne Phillips (KWI) konnten erfolgreich den Forschungszuschuss in der Förderinitiative „Aufbruch – Neue Forschungsräume für die Geistes- und Kulturwissenschaften“ einwerben. Ihr […]

Tagungsrückblick „Live-in-Versorgung: Zukunfts- oder Auslaufmodell?“

Tagungsrückblick „Live-in-Versorgung: Zukunfts- oder Auslaufmodell?“

Am 27. und 28. November 2025 fand am KWI die zweitägige Arbeitstagung „Live-in-Versorgung: Zukunfts- oder Auslaufmodell?“ im Rahmen des Forschungsprojekts “Osteuropäische Live-in Hilfen in häuslichen Versorgungstriaden bei Demenz” statt. Ziel der Veranstaltung war es, Forschungsergebnisse vorzustellen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und gemeinsam zentrale Herausforderungen sowie mögliche Zukunftsszenarien der häuslichen Live-in-Versorgung zu diskutieren. Forschende, Vertreter:innen aus Praxis, […]

Rückblick: Buchpräsentation „Eine Polin für Herrn Kögel“

Rückblick: Buchpräsentation „Eine Polin für Herrn Kögel“

Am 30. Oktober 2025 fand in der Kreuzeskirche Essen auf Einladung des DFG-Forschungsprojekts „Osteuropäische Live-in Hilfen in häuslichen Versorgungstriaden bei Demenz“ eine Buchpräsentation mit anschließender Podiumsdiskussion statt. Im Mittelpunkt stand der Roman Eine Polin für Herrn Kögel (Königshausen & Neumann, 2024) von Barbara Städtler-Mach, ehemalige Professorin für Anthropologie und Ethik im Gesundheitswesen. Das Buch erzählt […]