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10.06.

Mi / 16:30

Das war’s? Schwellenangst und Schwellenkunst am akademischen Karriereende

Vortrag auf der Konferenz "Aufhören. Können"

Julika Griem, KWI

ifk Arkade, Reichsratstraße 17, 1010 Wien

Über die Konferenz „Aufhören. Können“ (10.06.2026 – 12.06.2026)

Zum Auftakt des ifk Schwerpunkts Vor den letzten Dingen widmet sich die Konferenz den Schwierigkeiten und Freuden des Aufhörens. Hans Magnus Enzensberger hoffte 1989 auf mehr gesellschaftliche Anerkennung für »Helden des Rückzugs«, die er etwa in Michail Gorbatschow verkörpert sah. Das derzeitige politische Personal kultiviert hingegen oftmals – nicht nur geschlechterpolitisch problematisch – männlichen Dezisionismus und Aussitzen statt aufrechten Abgang. Auch in anderen machtimprägnierten Bereichen fällt das Aufhören schwer: So etwa das Beenden einer kohlenstoffbasierten, extraktiven Form der Energiegewinnung und des Wirtschaftens. Es fehlt zwar nicht an wissenschaftlichen Nachweisen dafür, dass, wenn man einfach weitermacht, viele Systeme kollabieren werden, Rückzug, gewählte Abstinenz oder Verzicht, um dem Zusammenbruch zu entgehen, erweisen sich aber vielerorts als unpopulär. Es scheint daher an der Zeit, sich eingehender mit der Kultivierung von Praktiken des Beendens im Kapitalozän zu befassen; mit ihrer Geschichte, mit ihren Wissensvoraussetzungen, ihren Selbsttechniken oder mit den Interdependenzen zwischen Theorieproduktion, Systemen und Praktiken. Wie sehen solche Praktiken, im Großen und im Kleinen, aus? Was gehört dazu und was braucht es, um sie zu lernen und einzuüben – und umgekehrt andere zu verlernen? Und nicht zuletzt ist Aufhören nicht nur eine Zivilisationstechnik, sondern mitunter auch eine Kunst.