Die Postervorstellung findet im Rahmen des 12. Kongresses der Deutschen Alzheimer Gesellschaft „Demenz: Hinsehen. Helfen. Handeln.“ statt.
Ein Großteil der Menschen mit Demenz in Deutschland lebt in Privathaushalten und wird überwiegend von Angehörigen versorgt, die vor enormen Herausforderungen stehen. Dabei gewinnen Live-In Hilfen, meist osteuropäische Betreuungskräfte, die für einen begrenzten Zeitraum im Haushalt der versorgten Person wohnen, zunehmend an Bedeutung. Belastbare Zahlen zu dieser Versorgungsform liegen nicht vor. Auch der Versorgungsalltag und die Perspektive aller Beteiligten sind noch kaum erforscht. Das von uns durchgeführte DFG-Projekt „Osteuropäische Live-In Hilfen in häuslichen Versorgungstriaden bei Demenz (TriaDe)“ untersucht die häuslichen Versorgungsarrangements bei Demenz und die triadische Konstellation der beteiligten Akteur*innen als dynamisches Ganzes. Dabei liegt der Fokus auf Interaktionen und Aushandlungsprozessen innerhalb der Triade und ihre Auswirkungen auf die Versorgung und das Zusammenleben. In den Blick genommen werden Versorgungsarrangements und die ihnen zugrunde liegenden informellen Versorgungskonzepte, die Aushandlung von Kommunikationswegen und die moralischen Verantwortlichkeiten in der Triade. Ein explorativ-qualitativer Ansatz mit ethnographischen Feldaufenthalten und narrativen Interviews ermöglicht Einblicke in die Perspektiven aller Beteiligten auf dieses Versorgungsarrangement. Die ersten Ergebnisse zeigen eine Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen und Deutungen innerhalb der Triade. Angehörige äußern Bedenken und Hoffnungen, während Menschen mit Demenz die Live-In Hilfen unterschiedlich in ihrem Haushalt aufnehmen. Die Live-In Hilfen haben vielfältige Motive, sich in die Versorgung einzubringen. Die Versorgung mit Live-In Hilfen kann Angehörige unterstützen und entlasten, bietet Vorteile für Menschen mit Demenz und birgt Chancen für die Live-In Hilfen selbst. Gleichzeitig ist sie ein potenziell konfliktträchtiges Arrangement mit wechselseitigen Abhängigkeiten und Machtverhältnissen. Sie stellt eine komplexe Dynamik dar, die Herausforderungen und Chancen für alle Beteiligten hervorbringt. Im Rahmen der Diskussion auf dem Kongress möchten wir unser Forschungsprojekt vorstellen und uns mit den Erfahrungen und Perspektiven der Triade auseinandersetzen und Möglichkeiten zur Verbesserung dieser Versorgungsarrangements aufzeigen. Ein besseres Verständnis dieser Dynamik kann dazu beitragen, die Situation für alle Beteiligten zu verbessern und die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu erhöhen.