21.06.

Fr / 13:15

Sexualität, Geburten und Demenz – Ethnografie hinter verschlossenen Türen

Im Rahmen der 9. Feldarbeitstage der TU Dortmund "Perspektiven Differenz. Zur Ethnographie des kommunikativen Handelns"

Nadine Giesbrecht (KWI)

Seminarraum 2/3, Internationales Begegnungszentrum (IBZ), TU Dortmund, Emil-Figge-Str. 59, 44227 Dortmund

Die vielfältigen lebensweltlichen, kulturellen und sozialen Hintergründe von Forschenden und Erforschten führen oft zu Perspektivendifferenzen, die durch kommunikatives Handeln ausgeglichen werden können. Der Ansatz des kommunikativen Handelns bietet ein Werkzeug, um diese Differenzen zu erkennen und produktiv in den Forschungsprozess zu integrieren (Abu-Lughod, 1991; Haraway, 1988). Empirische Sozialforschung ist somit immer auch ein Akt kommunikativen Handelns. Besonders in der ethnografischen Forschung spielt kommunikatives Handeln eine zentrale Rolle und manifestiert sich auf unterschiedliche Weise im Forschungsprozess.

Ein wesentliches Beispiel für die Bedeutung kommunikativen Handelns ist der Zugang zu Forschungsfeldern, der einen kritischen Schritt in der ethnografischen Forschung darstellt und oft mit erheblichen Herausforderungen verbunden ist. Anhand der Forschungsfelder Sexualität und Amateurpornografie, Schwangerschaft und Geburt im Geburtshaus sowie häusliche Versorgungsarrangements bei Demenz wird exemplarisch untersucht, wie kommunikatives Handeln den Zugang zu intimen und privaten Forschungsfeldern ermöglichen kann. Dabei werden die vielfältigen Herausforderungen beleuchtet, denen sich Ethnograf*innen stellen müssen, wenn sie hinter verschlossene Türen blicken. Zu diesen Herausforderungen zählen institutionelle Barrieren wie der Zugang zu sensiblen oder abgeschotteten Gemeinschaften, sprachliche und kulturelle Hindernisse sowie ethische Überlegungen im Umgang mit informierten Einwilligungserklärungen und Datenschutzbestimmungen.

Der Vortrag zeigt auf, wie diese Herausforderungen durch den gezielten Einsatz von kommunikativen Handeln überwunden werden können. Es werden Strategien und Methoden zur Bewältigung dieser Barrieren diskutiert, darunter die Beziehungsarbeit, die Nutzung von Gatekeepern sowie reflexive Ansätze zur Sensibilisierung für die eigene Positionierung und die Machtverhältnisse im Forschungsfeld.