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Günter Leypoldt und Carolin Amlinger über den sozialen Gebrauch der Literatur

Ein literatursoziologisches opus magnum stand diese Woche am KWI zur Diskussion. Auf Einladung von KWI-Direktorin Julika Griem stellte der Heidelberger Amerikanist Günter Leypoldt seine neue Studie zur Literaturproduktion und -rezeption im anglophonen Raum von der Romantik bis zur Gegenwart vor: „Literature’s Social Lives. A Socio-Institutional History of Literary Value” (Oxford University Press 2025). Die Basler Literatursoziologin Carolin Amlinger ordnete Leypoldts Thesen in der anschließenden Diskussion ein.

Leypoldt erläuterte dabei sein praxeologisch-ethnographisches Verfahren, mit dem er den sogenannten public square der Literaturproduktion analysiert. Dabei ging es, das Verhältnis von Kunst und Kommerz diskutierend, um die Bedeutung literarischer Preise als Element des Reputationsgewinns in der Laureatus-Position, um die Rolle stabiler Institutionen für den Erhalt des literarischen Feldes, um das ökonomische Funktionieren ästhetischer Werte und um die Auswirkungen künstlerischer Subventionssysteme und Kurationsnetzwerke (Stichwort: verdichtete Räume/Netzwerke).

Leypold verwies dabei auf die Verteilung von schwachen und starken Werten und befragte deren Geltungsanspruch. Wichtige Aspekte, auch in der Diskussion, waren hierbei die Tabuisierung bzw. das Arkanwissen von Einzelhandelsverkäufen gedruckter Bücher durch Datenanbieter wie BookScan, die Prekarität langfristiger Autorschaft sowie die Scholastifizierung der Preiskultur, etwa mit Blick auf die Position der Buchhändlerin in Literaturjurys.

Text: Laura M. Reiling