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29.09.

Di / 14:15 – 17:00

Kanon und Konstellationen: Doppeleditorische Annäherungen an Hanna Meuter und Mathilde

Vortrag im Rahmen der Sektion Soziologiegeschichte auf dem DGS Kongress 2026

Alexander Wierzock, Lara Pellner, Jens Herold

Im Rahmen der Beschäftigung mit den beiden Soziologinnen Hanna Meuter (1889-1964) und
Mathilde Vaerting (1884-1977) lässt sich nach den Voraussetzungen, Chancen und Schwierigkeiten einer konstellationsorientierten Edition fragen. Im Gegensatz zur Edition einer Einzelpersonen, die einen Lebenslauf, ein Gesamtwerk und eine zwar nie vollständige, aber doch relativ klar abgrenzbare Briefüberlieferung vor sich hat, muss eine Edition, die Konstellationen von zwei oder mehr Personen gerecht werden will, zeitlich und materiell sorgfältig zugeschnitten werden. Das Material, in dem konvergierende und kooperierende Personen sichtbar werden, umfasst Briefe, Rezensionen, sonstige gegenseitige Textreferenzen (etwa Buchwidmungen) sowie Zeugnisse für gemeinsames Auftreten gegenüber Dritten und Institutionen. Hinzu treten häufig Spuren gemeinsamer intellektueller Anliegen, Zwecke und Vorhaben – etwa parallele Themenführungen sowie geteilte Methoden und Theorien. Die Chancen konstellationsorientierter Editionen liegen darin, diese Ermöglichungsräume – intellektueller und institutioneller Art – auszuloten (zur Methodologie der Konstellationsforschung siehe Henrich 1986, Mulsow (Hg.) 2005, Gostmann 2016). Der soziologiehistorische Kanon, der überwiegend auf „Klassiker” gerichtet ist, kann durch diese Perspektivierung um eine Dimension ergänzt werden, in der das Handeln von Akteuren (in Form von episodischen Kooperationen oder langfristigen Allianzen) auf historische Kontingenz trifft. Berühmte Beispiele für den Fall einer Zweierkonstellation sind Marx und Engels oder Adorno und Horkheimer. Denkbar sind aber ebenso die Anknüpfung an gerade nicht kanonisierte Konstellationen. Meuter und Vaerting, die in der Weimarer Republik zur ersten Soziologinnen-Generation gehörten und zwischen 1929 bis 1934 einen intensiven Briefverkehr pflegten, bilden hierfür einen instruktiven Anknüpfungspunkt. Anhand ihrer Nachlassmaterialien lässt sich zeigen, wie sich historische Konstellationen aus unterschiedlichen Texten eekonstruieren lassen. Vaerting und Meuter standen dabei – die eine als öffentlich angefeindete Professorin in Jena, die andere im Feld der Kölner Schule der Soziologie um Leopold von Wiese – für zwei unterschiedliche institutionelle Positionen innerhalb der deutschsprachigen Soziologie der Zwischenkriegszeit.

Über die Sektion Soziologiegeschichte (Sek 63) „Who’s next? Kanonisierung in der Soziologie zwischen Editionen und digitaler Infrastruktur“:

Editionen als zentraler Grundbestandteil der soziologischen Literatur und Manifestationen der Kanonbildungsprozesse des Faches werden in dieser Sitzung anhand von Überlegungen zu verschiedenen Personen und Editionstypen kritisch beleuchtet.