04.07.

Do / 18:30

Podiumsdiskussion: Ostdeutschland literarisch

Stephan Pabst, Kerstin Stüssel

Online (Zoom) & Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI); Gartensaal, Goethestr. 31, 45128 Essen

Mit dem Ende der DDR und den gesellschaftlichen Transformationsprozessen im Zuge der Wiedervereinigung gehen innerdeutsche Konfliktlinien einher, die bis heute wirkmächtig sind. Sie zeichnen sich in politischen Debatten um Dirk Oschmanns Der Osten. Eine westdeutsche Erfindung oder um die anstehenden Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg ab. Und sie machen vor Literatur und Literaturbetrieb nicht halt, wie sich vergangenen Herbst zeigte: Mehrere Romane, die sich literarisch mit Ostdeutschland befassten, standen 2023 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises – doch nur zu Charlotte Gneuß’ Gittersee kursierte eine Mängelliste, die Fehler in der Darstellung der 1970er Jahre anmahnte. Dabei schien der in Ludwigsburg geborenen Autorin, deren Eltern in der DDR aufwuchsen, sowohl eine Diskursposition abgesprochen zu werden als auch, dass sie ‚angemessen‘ über die DDR schreiben könne.

In der Veranstaltung „Ostdeutschland literarisch“ erkunden die Literaturwissenschaftler*innen Stephan Pabst (Halle) und Kerstin Stüssel (Bonn) im Gespräch mit Moderatorin Roxanne Phillips (KWI) auktoriale Diskurspositionen und hinterfragen vermeintlich (un)angemessene Erzählverfahren am Beispiel von Romanen von Charlotte Gneuß, Anne Rabe, Lukas Rietzschel und Peter Richter. Einerseits steht zu fragen, wie, weshalb und von wem Autor*innen ‚Ost-Identitäten‘ zu- oder aberkannt werden. Welche Funktionen gehen damit einher? Unter welchen Bedingungen nehmen Autor*innen solche Diskurspositionen an oder lehnen sie auch gänzlich ab? Andererseits wird diskutiert, wie derartige Debatten das Verhältnis von Literatur und deutsch-deutscher Wirklichkeit verhandeln – und wie die Texte es hingegen selbst tun. Welche Genres und Erzählverfahren kommen zum Einsatz und was leisten sie?