28.05.

Di / 19:00

Training ist nicht genug. Zum Umgang mit KI ausgehend vom Begriff der Generativität

Teil der Reihe "Kritik des Digitalen"

Mona Leinung (KWI) & Markus Rautzenberg (Folkwang Universität der Künste)

Vortragssaal, Kunstakademie Karlsruhe, Reinhold-Frank-Straße 81, 76133 Karlsruhe

Die Beurteilung von KI teilt sich momentan zumeist in zwei Lager, die beide gleichermaßen ungenügend sind: Die eine übersteigert die Risiken ins Apokalyptische, die andere marginalisiert die Potentialität von KI in einer Weise, dass sie unanalysierbar wird. Die eine überschätzt, die andere unterschätzt sie. Die erste – man könnte sie „Frankenstein-These“ nennen – geht davon aus, dass sich das von uns geschaffene Wesen in ein tyrannisches Monster verwandle, das andere – die „Papageien-These“ – postuliert, dass KI nur nachplappere, was wir ihr eingegeben haben und deswegen keinerlei Potential zur eigenen Entwicklung abseits ihres „Schöpfers“ aufweise. Man sieht bereits hier, dass beide Thesen ohne jemals davon zu sprechen, Elternschaftskonzepte als Explikationsmetaphern nutzen.

Es drängt sich also die Frage auf, ob die Position der Elternschaft ein Erklärungsmodell für die sozialen und epistemischen Implikationen zwischen Mensch und KI liefern kann, ohne dabei in einseitigen kulturellen Narrativen aufzugehen. Elternschaft scheint wie keine andere soziale Beziehung durch eine fundamentale Verkoppelung von Intimität und Alterität gekennzeichnet zu sein, die ebenso Verheißung einer gemeinsamen Zukunft darstellt, als auch Konfliktpotenzial und Bedrohung.

Der Vortrag von Prof. Dr. Markus Rautzenberg und Mona Leinung versucht dem Verhältnis von Mensch und KI unter diesem Gesichtspunkt nachzugehen: Wie lässt sich mit (künstlichen) Wesen leben, die wir geschaffen haben, aber selten vollends kontrollieren können? Folgt aus der Anerkennung der Andersartigkeit auch eine Verantwortung zur Fürsorge? Und falls ja, wo verläuft die Grenze zwischen Training und Bildung?