18.01.

Do / 16:45

Überdauern lassen: Schalanskys buchförmiges Verzeichnen und die Future Library

Internationale Tagung "Judith Schalansky oder das Buch als Gedächtnis der Welt"

Laura Reiling, KWI

Maison Heinrich Heine, Cité internationale universitaire de Paris, 27C Bd Jourdan, 75014 Paris, France

Der Vortrag denkt zwei differente Formate respektive Schreib- und damit poetologische Existenzformen bei Judith Schalansky zusammen. Zum einen blickt er auf ihr „Verzeichnis einiger Verluste“ (2018), aber weniger auf die konkreten Verlust-Erzählungen, als vielmehr auf das Buch an sich. Gefragt wird u.a., inwiefern das Buch selbst Material eines Versuchs des Bewahrens ist. Von Verlusten in Buchform zu erzählen, ist selbst Archivierung qua literarischem Schreiben. Zentral ist das Vorwort, in dem Schalansky ihr Verfahren und die Schrift/das Archiv/die Bibliothek/das Buch in ihrer/seiner überdauernden Existenzform reflektiert. Zum anderen werden Form und Impetus des Verzeichnisses mit dem Projekt der seit 2014 existierenden Future Library der Künstlerin Katie Paterson konfrontiert. Autor*innen schreiben Texte, die im hölzernen Silent Room in der Deichmanske Bibliothek in Oslo abgelegt werden und erst in der Zukunft (2114) gelesen werden dürfen. Schalansky ist die neunte am Projekt beteiligte Autorin (2023). Diskutiert wird, wie dieses Projekt einer Anthologie für die Zukunft, an dem Schalansky beteiligt ist, mit ihrem eigenen Verlust-Verzeichnis korrespondiert und welche Art Buch-Gedächtnis sich hier darstellt.