16.01.

Di / 20:00

Autosoziobiographie und Film

Ein Abend in der CineScience-Reihe "Darf's ein bisschen mehr sein?"

Elena Meilicke, Universität der Künste Berlin/Filmakademie Wien

Filmstudio Glückauf, Rüttenscheider Str. 2, 45128 Essen

Seit dem Erfolg von Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“ und dem Literaturnobelpreis für Annie Ernaux haben Autosoziobiographien auf dem Buchmarkt Konjunktur. Wie aber sieht es im Bereich des Films aus? Der Vortrag stellt autosoziobiographische Erzählweisen im zeitgenössischen Essayfilm vor, Erzählweisen also, die das Persönliche mit dem Politischen und Gesellschaftlichen verbinden und Fragen von Klasse und Herkunft thematisieren. Auffällig ist, wie konsequent dabei ein althergebrachtes, oft diskreditiertes filmisches Verfahren zum Einsatz gebracht wird: die Voiceover-Erzählung. Entsprechend perspektiviert der Vortrag filmische Autosoziobiographien als Erzählungen, die sich zwischen Stimme und Bild entfalten, und fragt nach Poetik und Politik des Voiceovers in filmischen Autosoziobiographien.

Elena Meilicke ist Medien- und Kulturwissenschaftlerin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Medientheorie an der Universität der Künste Berlin. Promotion zu Paranoia als Medienpathologie („Paranoia und technisches Bild“, Berlin: de Gruyter 2021), weitere Arbeitsschwerpunkte sind Medien und Gender; zeitgenössische Film- und Serienästhetik; Geschichte, Theorie und Praxis der Filmkritik; sowie Formen des Dokumentarischen. Aktuell arbeitet sie an einer Monographie zur Wissens-, Medien- und Kulturgeschichte der Resilienz. Außerdem ist sie Teil eines künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsprojekts zu filmischen Autosoziobiographien, das an der Filmakademie Wien angesiedelt ist. Elena Meilicke schreibt regelmäßig zu Film- und Medienthemen für Zeitschriften wie „Cargo“, „Texte zur Kunst“ und „Merkur“ und wurde mit dem Siegfried-Kracauer-Preis für Filmkritik ausgezeichnet.

 

Über die Cine Science Reihe „Darf’s ein bisschen mehr sein?“

Im Wintersemester 2023/24 wird sich die Reihe aus ganz unterschiedlichen Blickrichtungen dem KWI-Jahresthema „Mehr oder Weniger“ nähern und dabei den Rahmen denkbar weit spannen. Eine Herangehensweise ergibt sich aus der schieren Quantität. Denn wenn es ein Phänomen gibt, das seit zwanzig Jahren die Kino- und Serienlandschaft dominiert, dann sind es die wuchernden Franchises, Spin-offs, Sequels und Prequels, die Zuschauer binden sollen.

Aber auch ein thematischer Zugriff kommt in der Reihe zu seinem Recht, etwa wenn Filme sich mit der Schere zwischen Reichtum und Armut, Ausbeutungsstrukturen oder neuen und alten Formen von Prekarität auseinandersetzen. So schlägt sich das aus der Literatur bekannte Genre der Autosoziobiographie zunehmend auch auf der Leinwand nieder. Schließlich werden uns formale und formsprengende Probleme umtreiben: Für wieviel Wirklichkeit war eigentlich im sozialistischen Realismus der DDR-Filmkunst Platz? Dieser und anderen Fragen geht CineScience im kommenden Herbst und Winter unter dem Titel „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ auf den Grund.