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24.11.

Di / 18:30

Rote Linien und Weiße Elefanten – Zensurphänomene im Theater vor und nach ’89

Vorträge und Gespräch

Torben Ibs, Christian Müller

Online (Zoom) & Gartensaal, Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Goethestr. 31, 45127 Essen

Als weiße Elefanten auf roten Linien tanzten: Theatermacher:innen in der DDR spielten mit der Zensur, oft bis aus dem Spiel bitterer Ernst wurde und Zensur in staatliche Repression umschlug. Als „weisser Elefant“ wurde dabei eine besondere Form des Umgangs mit der Zensur bezeichnet: eine Szene oder Textstelle, die so offensichtlich gegen die staatlichen Vorgaben verstieß, dass sie geradezu nach Beanstandung und Streichung verlangte. Während die Zensur sich daran abarbeitete, konnten subtilere und den Künstler:innen wichtigere Aussagen möglicherweise unbehelligt bleiben.

Ob es diese Strategie im DDR-Theater tatsächlich gab oder ob es sich eher um einen Mythos handelt, ist bis heute umstritten. Sicher ist: Theater in der DDR war ein Ort, an dem rote Linien sichtbar wurden, verschoben und immer wieder neu verhandelt werden mussten.

Im Zentrum des Abends steht die 2026 im Theaterverlag Berlin erscheinende Publikation “Weisse Elefanten”, die Christian Müller vom Citizen.KANE.Kollektiv gemeinsam mit dem Theaterjournalisten Torben Ibs herausgibt. Sie dokumentiert sowohl die künstlerische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Theaterzensur in der DDR und anderen ehemals sozialistischen Staaten als auch heutige Zensurphänomene in einer Zeit eines neuen Kulturkampfs zwischen nationalistischen und linksliberalen Strömungen. Zeitzeug:inneninterviews, Recherchen, Fotografien und historische Materialien machen Erfahrungen mit Zensur, staatlicher Überwachung und Selbstzensur in ihrer Ambivalenz und unterschiedlichen Perspektiven sichtbar.

Dabei geht der Blick über die Geschichte hinaus: Welche Strategien halfen Künstler:innen, sich Freiräume zu bewahren? Was lässt sich aus diesem historischen Erfahrungswissen für die Gegenwart lernen? Eine Gegenwart, in der ‘Neutralitätsgebot’ und ‘Kunstfreiheit’ zu politischen Kampfbegriffen wurden. Welche Formen von Zensur zeigen sich heute? Wo werden möglicherweise die roten Linien der Kunstfreiheit morgen gezogen?

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Jahresthemas „Rote Linien“ des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen statt und lädt dazu ein, sich auf die Suche nach den Grenzen und Möglichkeiten von Theaterkunst gestern, heute und morgen zu machen.