Heisenberg-Projekt „Krise der Kritik?“ startet am KWI

Zum 1. Oktober 2022 startete am KWI das Projekt „Krise der Kritik? Kapitalismus, Neoliberalismus und Demokratie ‚nach dem Boom‘“. Es wird im Rahmen des Heisenberg-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für mindestens drei Jahre gefördert.

Unter der Leitung des Historikers Tim Schanetzky untersucht das Projekt eine Krise der Kapitalismuskritik in den 1980er und 1990er Jahren: Struktur-, Macht- und Verteilungsfragen, so die Annahme, wurden von Themen wie Menschenrechte, Verbraucher- und Umweltschutz abgelöst; Anerkennungsprobleme und identitätspolitische Fragen gewannen an Gewicht, während (neo-)marxistische Kritik unter einem erodierenden wissenschaftlichen Fundament litt. Begleitet wurde dies von einem Aufstieg der Neuen Sozialen Bewegungen. Der politische Umbruch von 1989/90 verstärkte diese Prozesse: Der Westen beschrieb sich nun als Sieger eines Systemwettstreits, und auch auf der Linken sah man ein Zeitalter ohne Utopie heraufziehen. Diese Epoche endete erst mit dem Erstarken der globalisierungskritischen Bewegung am Ausgang der 1990er Jahre.

Die Förderung durch die DFG erfolgt mit Aussicht auf eine Verlängerung auf bis zu fünf Jahre. Innerhalb des Projekts treibt Mitarbeiter Flemming Falz sein Promotionsprojekt „Oppositionserfahrungen. Wohnungspolitik und sozialdemokratische Erneuerung in Deutschland und Großbritannien, 1979-1998“ voran.

Darüber hinaus gibt Tim Schanetzky am 6. Dezember in der Reihe Live aus dem Gartensaal Einblicke in sein Forschungsvorhaben und beantwortet interessierte Fragen.