Soziologen begriffen haben. Sein 1887 verfasstes Hauptwerk Gemeinschaft und Gesellschaft bildete in den 1920er Jahren das gesellschaftstheoretische Standardwerk der Soziologie. International vernetzt, war Tönnies seit der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie im Jahr 1909 Mitglied des Vorstandes, nach dem Ersten Weltkrieg ihr erster Präsident und als wichtiger Repräsentant der deutschsprachigen Soziologie eng mit der universitären Etablierung der Disziplin verbunden.
Alle diese Aspekte finden sich samt ihren komplexen historischen Hintergründen in Tönnies‘ Briefen dokumentiert. Im Unterschied zu anderen soziologischen Gründungsfiguren wie Max Weber blieb sein Briefwechsel bisher größtenteils jedoch unpubliziert. Die vorliegende Edition schließt diese Lücke, indem sie diesen weltweit zerstreuten Briefbestand nun digital zugänglich macht. Bisher konnten über 1700 erhaltene Briefe ermittelt werden, die in der Edition kritisch erschlossen werden.
Das Editionsprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und vom KWI Essen beherbergt. Zur Realisierung der Edition kooperieren die Herausgeber Uwe Dörk und Alexander Wierzock mit drei weiteren Institutionen: 1. der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek (SHLB) in Kiel, die den Tönnies-Nachlass betreut; 2. dem Trier Center for Digital Humanities (TCDH) der Universität Trier, das für die editorische IT-Konzeption und -Betreuung des Projektes zuständig ist; und 3. dem Kommunikations-, Informations-, Medienzentrum (KIM) der Universität Konstanz, das einerseits die technische Infrastruktur zur Verfügung stellt und andererseits mit dem Sozialwissenschaftlichen Archiv (SAK) die editorische Arbeit begleitet. Darüber hinaus wird Konstanz nach Projektabschluss die dauerhafte Nutzung der Edition in technischer und inhaltlicher Hinsicht sicherstellen.