14.06.

Di / 20:00

„A psychotic would have a ball here“ – Modernismus und Brutalismus als Wohnwelten im Film

Ein Abend in der CineScience Reihe "Architektur + Film"

Christin Ruppio & Maik Ronz (TU Dortmund)

Filmstudio Glückauf, Rüttenscheider Str. 2, 45128 Essen

Brutalismus ist für viele nicht nur eine Architekturbezeichnung, sondern ein lautmalerischer Ausdruck: Obwohl der Begriff vom französischen Ausdruck für Sichtbeton („béton brut“) stammt, ist das ‚brutale‘ dieser Architekturen oft Ausdruck dystopischer Erzählungen – von Stanley Kubricks „A Clockwork Orange“ bis zu Ben Wheatleys „High Rise“. In starkem Kontrast zu den meist negativ konnotierten Inszenierungen der „Betonmonster“ stehen die gesellschaftlichen Diskurse und Visionen zur Bauzeit, die ebenfalls anhand von Filmausschnitten umrissen werden. Ob der häufig beobachtbare Verfall von Bauten, die ursprünglich für das Gemeinwohl erdacht worden waren, tatsächlich am Baumaterial Beton liegt oder eher am fehlerhaften Umgang mit diesen Bauten durch Politik und Stadtplanung, wird sich abschließend kaum beantworten lassen. Die Kunsthistorikerin Christin Ruppio und der Künstler Maik Ronz (beide TU Dortmund) möchten diese Frage gerne mit dem Publikum diskutieren.

Über die Reihe: 

Das Kino ist ein guter Ort, um der Sehnsucht nach dem Leben anderer Menschen nachzugehen. In Autos, Gebäuden, auf der Straße oder in sich selbst können diese Menschen wohnen. Die „vier Wände“ sind dabei nicht nur in der Ausstattung entscheidend: Architektur im Film kann – von den monumentalen Kollektivbauten in Science-Fiction Filmen bis in unterirdische Maulwurfsgänge – die Bedingungen ihrer filmischen Darstellbarkeit transparent machen. Welche Räume stehen dem Film zur Verfügung und wie werden sie ästhetisch und erzählerisch genutzt, fragen sich Wissenschaftler*innen des KWI und ihre Gäste. Anhand ausgewählter Filmausschnitte werden diese Fragen auch mit dem Publikum diskutiert.

Die CineScience-Abende sind Teil des Semesterthemas „Wohnen – zwischen Obdach und Design“. Im Sommersemester 2022 erforscht das KWI in vielfältigen Formaten mit Gästen und mit Beiträgen aus eigenen Reihen diverse Phänomene des Wohnens, Obdachsuchens und Gestaltens – zwischen Geschäftsmodellen und Geschmacksformationen.