Kommunikationskultur

Der 2015 eingerichtete Forschungsbereich ‚Kulturen der Kommunikation’ untersucht interdisziplinärer die kommunikativen Praktiken, die Angehörige unterschiedlicher ‚Kommunikationskulturen’ nutzen, um ihre Handlungen aufeinander abzustimmen. Untersucht werden z.B. Kommunikationskulturen, die an Sprachen oder Nationalitäten oder an religiöse oder weltanschauliche Orientierungen oder an unterschiedlich entwickelte Vermögen von Menschen, ihr Handeln kommunikativ aufeinander abzustimmen (dementierende oder autistische Menschen) oder an verschiedene Modi der Kommunikation (emotional, sprachlich, interaktiv) gebunden sind.

Kommunikatives Handeln zieht nicht ‚automatisch’ Verstehen und Befolgen nach sich. Beides ist von spezifischen sozialen und situativen Bedingungen abhängig. Hier spielt die im früheren kommunikativen Miteinander erworbene Kommunikationsmacht eine besondere Rolle. Auch wenn das gesprochene Wort unterschiedlos jeden erreicht, der in der Nähe ist, und damit scheinbar egalitär und somit auf Gleichheit angelegt ist, so bemisst sich die Macht des kommunikativen Handelns empirisch nach der sozialen Macht und der Kommunikationsmacht der Sprecher*innen. Dennoch: Kommunikatives Handeln kann nichts erzwingen, sondern nur nahe legen und mit Konsequenzen versehen. Kommunikationsmacht beruht also immer auf Anerkennung.

Aktuelles

DFG-Projekt „Kommunikation und Demenz“ abgeschlossen – neues Projekt bewilligt

DFG-Projekt „Kommunikation und Demenz“ abgeschlossen – neues Projekt bewilligt

Das DFG-Projekt: Kommunikatives Handeln mit dementierenden Menschen: Verlust und Aufbau von Kommunikationsmacht von dementierenden Menschen und ihren pflegenden Bezugspersonen im häuslichen Setting aus dem Forschungsbereich Kommunikationskultur (Leitung Jo Reichertz) ist zum 31.06. 2022 erfolgreich abgeschlossen worden. Während der Laufzeit von 53 Monaten sind 12 Zeitschriften- und Buchartikel zu Teilergebnissen des Projekts von den Mitarbeiter*innen publiziert […]

Corona und der Stillstand sozialwissenschaftlicher Forschung – Aufruf zur Einrichtung eines Forums auf dem DGS-SozBlog

Corona und der Stillstand sozialwissenschaftlicher Forschung – Aufruf zur Einrichtung eines Forums auf dem DGS-SozBlog

*UPDATE: Das Forum auf dem SozBlog der Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) ist mittlerweile eingerichtet worden. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, der mit dem Coronavirus begründete lockdown des gesellschaftlichen Lebens hat auch zu einem Stillstand fast jeder Art von ‚kontaktgebundener‘ Sozialforschung geführt – unabhängig davon, ob sie qualitativ/interpretativ oder quantitativ vorgeht. Hiermit möchte ich für die […]

Neues Forschungsprojekt: „Glücksspiel und soziale Kontrolle“

Neues Forschungsprojekt: „Glücksspiel und soziale Kontrolle“

Am 1. April startete das neue Forschungsprojekt „Glücksspiel und soziale Kontrolle“ im Rahmen des KWI-Forschungsbereichs Kommunikationskultur. Das Projekt untersucht unter der Leitung von Jo Reichertz am Beispiel des kommerziellen Automatenspiels in Spielhallen, wie soziale Kontrolle in einer zunehmend digitalisierten Welt ausgeübt wird. Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

KWI on Tour: Internationaler Workshop „Analyzing Violent Situations“ am Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS) (DE/EN)

KWI on Tour: Internationaler Workshop „Analyzing Violent Situations“ am Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS) (DE/EN)

ENGLISH VERSION BELOW Die Erklärung von Gewalt hat seit Beginn wissenschaftlicher Befassung mit diesem gesellschaftlichen Problem einen Wandel erfahren, welcher sich als Verschiebung von täterzentrierten zu situationszentrierten Ansätzen beschreiben lässt. Den täterzentrierten Erklärungsansätzen, die sozialstrukturelle Merkmale von Täter*innen ins Zentrum stellen, halten jüngere, situationistische Perspektiven auf Gewalt entgegen, dass auch aktenkundige Gewalttäter*innen die meiste Zeit […]

KWI ON TOUR: Dreiwöchiger Forschungsaustausch mit der University of Victoria, Canada: Wie lässt sich die Kommunikation von Menschen mit Demenz gehaltvoll analysieren?

KWI ON TOUR: Dreiwöchiger Forschungsaustausch mit der University of Victoria, Canada: Wie lässt sich die Kommunikation von Menschen mit Demenz gehaltvoll analysieren?

Von Ende Oktober bis Mitte November 2019 arbeiteten Jo Reichertz vom KWI und Wolff-Michael Roth, Inhaber der renommierten Lansdowne Professor of Applied Cognitive Science von der University of Victoria, Canada, zusammen. Michael Roth ist ein ausgewiesener Experte in den gesture studies und hat wiederholt zentrale Artikel zu embodied cognition und knowing in the flesh publiziert. […]